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Achtung IPO-Falle: Wer auf Börsenneulinge setzt, sollte aufpassen!

Sie sind spannend. Sie sorgen für frischen Wind an der Börse. Und sie zeugen oftmals von Innovation, Ideenreichtum und neuen Trends. Die Rede ist von Börsengängen.

Die häufig noch jungen Unternehmen, die den Schritt auf das Parkett wagen, sie sprudeln zumeist vor geldwerten Erfindungen, sind hochmotiviert und machen die Börsenlandschaft interessanter.

So heißt es auch ganz richtig immer wieder, dass IPOs für den deutschen Mittelstand und für die Aktienkultur von enormer Wichtigkeit sind.

Und jetzt kommt das großer ABER: Denn, dass es sich für Anleger in den letzten Jahren überwiegend bewährt hat, die Börsenneulinge nur von der Seitenlinie aus bei ihrem Debüt zu beobachten, das hat jetzt das Wirtschaftsmagazin „Capital“ herausgefunden. Die Experten ziehen eine düstere IPO-Bilanz.

Varta-Aktien beim gestrigen IPO heiß begehrt

Erst gestern konnten wir wieder einer Firma bei ihren ersten Schritten an die Börse über die Schultern blicken. Die Aktien des Batterie-Herstellers Varta erschienen am Donnerstag mit einem Kurs von 24,25 Euro erstmals auf dem Kurszettel – im Vergleich zum Ausgabepreis von 17,50 Euro ein Plus von knapp 40%.

Das Interesse der Börsianer an dem Produzenten von Mikrobatterien für Hörgeräte oder Kopfhörer im Vorfeld des IPOs war riesig.

Der Traditionskonzern hatte sogar die Zeichnungsfrist für seine Aktien wegen der großen Nachfrage verkürzt, die Preisspanne konnte man indes voll ausreizen. Der Börsenstart erfolgte dann auch kurzerhand fast eine Woche vor dem ursprünglich angesetzten Termin.

Insgesamt brachte Varta der Börsengang 233,5 Mio. Euro ein, wobei 150,5 Mio. Euro an den Batterie-Spezialisten selbst flossen, die nun in den Ausbau der Produktion gesteckt werden sollen.

Schaut man sich den Chart des gestrigen ersten Börsentages an, so sieht man allerdings, dass der Varta-Kurs im Handelsverlauf ein gutes Stück zurückkam. Aktuell notiert er mit 20,80 Euro aber immer noch fast 16% über dem Ausgabepreis.

Capital: „50% der seit der Lehman-Pleite erfolgten Börsengänge in Deutschland waren ein Flop“

Bröckelnde Kurse nach Börsengängen sind jedoch leider keine Seltenheit. Bei Börsenneulingen sollten Anleger daher Vorsicht walten lassen, das raten zumindest die Experten von „Capital“.

Wie das Magazin ermittelt hat, war die Hälfte der seit der Lehman-Pleite erfolgten Börsengänge in Deutschland ein Flop.

Heißt: Rund 50% der seit Oktober 2008 im streng regulierten Prime Standard eingeführten Aktien notiert unterhalb ihres Ausgabepreises. Und schlimmer noch: Von den insgesamt 108 Börsenneulingen haben sich 29%, also knapp ein Drittel, faktisch als Totalverluste erwiesen.

Vor allem sollten Investoren sehr vorsichtig mit chinesischen Aktien umgehen. Die 20 Börsenneulinge aus dem Reich der Mitte, die an den Prime Standard gebracht wurden und die rund 330 Mio. Euro bei Anlegern in Deutschland einsammelten, stürzten durchschnittlich um 98% ab.

Der überwiegende Teil von ihnen wurde insolvent – ein totaler Reinfall also.

Noch schlimmer sehe die Bilanz der Neuzugänge im kaum regulierten Freiverkehr (Open Market) aus. Wie das Wirtschaftsmagazin berichtet, sind gut 92% der seit der Lehman-Pleite an die Börse gegangenen Titel inzwischen vom Kurszettel komplett verschwunden.

Informieren Sie sich gründlich!

Erfolgreiche IPO-Überflieger sind tatsächlich weit in der Unterzahl. Investoren brauchten in der Vergangenheit ein äußerst glückliches Händchen, um mit Börsengängen langfristig erfolgreich zu sein.

Eine Handvoll echter Gewinner gibt es dann aber doch. So explodierten beispielsweise die Aktien des Online-Tierfutterhändlers Zooplus seit dem Börsendebüt um rund 930% nach oben. Die Papiere der Immobiliengesellschaft Grand City Properties verteuerten sich um satte +568%.

Sie sehen, wenn man auf die richtigen Pferde setzt, können IPOs durchaus schöne Gewinne ins Depot spülen. Jedoch sollten Anleger bei der Auswahl sehr, sehr behutsam vorgehen und sich im Vorfeld eines Investments ausreichend über Unternehmen sowie dessen Bilanz, Perspektiven und Produkte informieren.

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Über den Autor
Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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