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Yantian-Hafen: Deshalb ist die Teilschließung schlimmer als die Suez-Blockade!

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Einzelne Nadelöhre entscheiden über Erfolg und Misserfolg der weltweiten Lieferketten. Als Ende März der Suezkanal wegen einer Schiffshavarie blockiert war, wurde das mehr als deutlich. Doch was sich nur wenige Wochen später in China abgespielt hat, übertrifft gar die Suez-Misere.

Im Mai hatte die chinesische Regierung einen der größten Handelshäfen der Welt in Yantian wegen Corona vorübergehend teilweise schließen müssen. Besonders bitter: Die Teilschließung hat mehr Container betroffen als die Blockade im ägyptischen Schifffahrtskanal. Das geht nun aus einer Umfrage des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) hervor.

Demnach waren ein Teil der dortigen Anlegeplätze und Kräne für einen Monat nicht verfügbar. Vor den Hafengewässern habe sich zeitweise ein Stau von mehr als 130 Container-Schiffen gebildelt, so ein Ergebnis der Umfrage unter BME-Mitgliedern.

Yantian-Teilschließung: Technik- und Elektronikbranche betroffen

Und noch immer haben viele Firmen damit zu kämpfen. Betroffen seien vor allem die Technik- und Elektronikbranche. Normalerweise läuft ein Großteil aller Elektronikexporte aus dem Reich der Mitte über den Hafen in Yantian. Rund 10 Prozent der gesamten chinesischen Exporte sind auf die Stadt in Südchina angewiesen. Die entsprechende Provinz Guangdong ist mit einem Volumen von mehr als 700 Milliarden Dollar die mit Abstand ausfuhrstärkte Region der Volksrepublik.

Weltweit verladen nur die Häfen in Singapur, Ningbo und Shanghai mehr Container als Yantian. Inzwischen ist der Hafen zwar wieder unter Volllast aktiv. Die vom BME befragten Firmen rechnen aber damit, dass auch die vollständige Wiederinbetriebnahme noch zu längeren Einschränkungen der Lieferketten führen werde.

Gleichzeitig könnte die fast vierwöchige Teilschließung auch eine Abwärtsspirale für benachbarte Häfen bedeuten, so Riccardo Kurto, China-Beauftragter des BME. Vor allem die nahegelegenen Standorte in Shekhou und Nansha könnten demnach von einer übermäßigen Auslastung betroffen sein.

Sorge macht sich breit

Die BME-Umfrage zeigt übrigens deutlich, mit welch großen Sorgen die Situation in Yantian betrachtet wird. So befürchten knapp 30 Prozent der befragten Firmen einen anhaltenden Containermangel und 57 Prozent höhere Logistik- und Frachtpreise. Engpässe bei Frachten erwarten fast zwei Drittel der Unternehmen. Das Umplanen von Frachtrouten ist für die Hälfte ein Thema.

Amazon, Walmart und Tesla: Das Dilemma erreicht die Verbraucher

Auch die deutschen Verbraucher bekommen die Misere zu spüren. Unter anderem waren in den letzten Tagen einige chinesische Produkte auf der Online-Handelsplattform Amazon nicht verfügbar bzw. nur mit größerer Verspätung. Auch Walmart und Tesla exportien ihre Waren aus China über den Megahafen Yantian in alle Welt.

Fazit: Die Schließung des chinesischen Hafens zeigt, wie abhängig die Weltwirtschaft von einigen wenigen Standorten ist. Gerade in Zeiten der Corona-Krise kann es auch in den kommenden Wochen und Monaten zu ähnlichen Ereignissen kommen, die die globalisierte Welt praktisch über Nacht auf den Kopf stellen.