MenüMenü

Aktien : Xiaomi-Aktie: Auch nur ein Spielball der Politik?

Kein anderer Smartphone-Hersteller konnte in den letzten Monaten einen solchen Siegeszug hinlegen wie Xiaomi. Inzwischen sind die Chinesen laut dem Marktforschungsinstitut Canalys der weltweit zweitgrößte Anbieter der Branche – vor Apple und dicht hinter Samsung.

Schauen Sie: Allein im zweiten Quartal 2021 konnte Xiaomi seine Verkäufe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sagenhafte 83 Prozent steigern. Zum Vergleich: Bei Samsung lag das Plus nur bei 15, bei Apple nur bei 1 Prozent.

Xiaomi: Gewinnmargen vergleichsweise gering

Wobei der Vergleich zu Samsung und vor allem zu Apple etwas hinkt. Denn Xiaomi ist wesentlich stärker auf den Massenmarkt ausgerichtet. Im Vergleich zu den beiden Konkurrenten liegt der durchschnittliche Verkaufspreis der Xiaomi-Smartphones um 40 bis 75 Prozent niedriger.

Sie werden es schon ahnen: Entsprechend gering sind die Gewinnmargen der Chinesen. Das ist ein Grund, warum die Aktie trotz des Verkaufs-Booms seit Börsenstart im Jahr 2018 nur vergleichsweise mäßig steigen konnte.

Der andere Grund ist eher politischer Natur

Für Sie zur Erinnerung: Xiaomis Aufstieg ist maßgeblich durch die Schwäche des chinesischen Discount-Wettbewerbers Huawei ausgelöst worden. Dieser war wegen Spionageverdachts ins Visier der ehemaligen US-Regierung geraten, die Huawei auf eine Schwarze Liste setzte, was Kooperationen mit Tech-Konzernen wie Google unterband. Das sorgte bei den Verbrauchern für Unsicherheit und bei Huawei für einen Absatzabsturz.

Aber warum ist das jetzt ein Problem für Xiaomi, werden Sie sich vielleicht fragen? Klar: Xiaomi hat vom Huawei-Bann profitiert. Auf der anderen Seite aber könnte auch dieser chinesische Konzern womöglich zu einem Spielball der Politik werden. Ein Problem, das erst vor wenigen Tagen deutlich wurde.

Litauen warnt vor Xiaomi-Smartphone

Laut Medienberichten hat die Regierung in Litauen vor Sicherheitslücken und eingebauten Zensurfunktionen in einem neuen Xiaomi-Smartphone gewarnt. Demnach sei jenes 5G-Handy mit vorinstallierten Apps verknüpft, die unter anderem mit Einschränkungen der Meinungsfreiheit einhergehen sollen.

Konkret besitze das Smartphone technisch die Fähigkeit, heruntergeladene Inhalte zu zensieren, so die litauische Regierung. Dabei könnten politisch sensible Begriffe wie „Es lebe die Unabhängigkeit Taiwans“, „Freies Tibet“ oder „Demokratiebewegung“ erkannt und blockiert werden. Zwar sei die Funktion bei den in Europa verkauften Handys deaktiviert, könne aber jederzeit aus der Ferne eingeschaltet werden.

Dass die Warnung ausgerechnet aus Litauen kommt, ist derweil wenig verwunderlich. Die politischen Beziehungen des baltischen Staats mit China sind gelinge gesagt problematisch.  So hatte die taiwanesische Regierung in der litauischen Hauptstadt Vilnius ihre erste Repräsentanz in Europa unter eigenem Namen eröffnet. Das verärgerte wiederum Peking, schließlich erkennt die Volksrepublik Taiwan nicht als eigenständigen Staat an.

Peking hat das Sagen

Wie dem auch sei: Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das ein empfindlicher Schlag für das Image von Xiaomi. Die Aktie jedenfalls gab seit Bekanntgabe der Warnung spürbar nach.

Offenbar sind sich die Börsenakteure jetzt mehr denn je bewusst, dass auch Xiaomi zuallererst der Kommunistischen Partei in Peking verpflichtet ist. Und diese kann im Prinzip schalten und walten, wie sie will.

Als Anleger sollten Sie diesen Risikofaktor dringend berücksichtigen.

Aufwärtstrend

Northern Data – Top oder Flop?Die Northern Data-Aktie ist nach einer Strafanzeige der Bafin eingebrochen. Ist sie auf dem aktuellen Niveau ein Kauf? › mehr lesen

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
merco-schnepf
Marco Schnepf

Börse aus Leidenschaft: Marco Schnepf analysiert seit Jahren das tägliche Geschehen an den Kapitalmärkten.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "Mick Knauff Daily". Hrsg.: Investor Verlag | FID Verlag GmbH. Jederzeit kündbar.

Hinweis zum Datenschutz