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Wasserstoff: Ist diese Aktie künftig Deutschlands Champion?

Inhaltsverzeichnis

Unterschätzen Sie niemals das Wasserstoff-Potenzial. Das gilt insbesondere für Aktien, die auf den ersten Blick nicht viel mit diesem Zukunftsthema zu tun haben. Beispiel: Schaeffler. Der deutsche Auto- und Industriezulieferer ist hierzulande vor allem wegen seiner klassischen Maschinenkomponenten wie Getriebe- oder Motorteilen bekannt.

Schaeffler entwickelt und produziert Elektrolyse-Stacks

Was viele nicht wissen: Schaeffler spielt auch im Zukunftsmarkt Wasserstoff eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt stehen die Elektrolyseure, in denen durch ein chemisches Verfahren Wasser unter Aufwendung von Energie in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt wird. Die Kerntechnologie der Elektrolyseure besteht aus metallischen Bipolarplatten, die zu sogenannten Stacks geschichtet werden.

In diesen Stapeln findet die Umwandlung elektrischer Energie (z.B. Strom aus regenerativen Quellen) in den Energieträger Wasserstoff statt. Schaeffler jedenfalls entwickelt seit einigen Jahren solche Elektrolyse-Stacks und verkauft die Produkte an Forschungsinitiativen, aber mehr und mehr auch an die Industrie.

Elektrolyseur in Herzogenaurach: starke Kooperation mit Lhyfe

Nun hat der Konzern in dieser Sache einen neuen Coup gelandet. Wie Schaeffler vor Weihnachten bekannt gab, habe man eine Kooperation mit der französischen Wasserstofffirma Lhyfe geschlossen. Demnach soll auf dem Werksgelände von Schaeffler in Herzogenaurach eine durch Lhyfe betriebene Elektrolyse-Anlage mit einer Kapazität von bis zu 15 Megawatt errichtet werden.

Die Anlage soll ab 2025 das dortige Schaeffler-Werk mit grünem Wasserstoff versorgen. Von grünem Wasserstoff ist die Rede, wenn der Energieträger im Elektrolyseur per Öko-Strom erzeugt wird. Gleichzeitig soll die Abwärme der Elektrolyse-Anlage zur Wärmeversorgung des gesamten Standorts genutzt werden. Dadurch verschafft sich Schaeffler enormes Klimapotenzial.

Aber nicht nur das: Der Wasserstoff wird nach Inbetriebnahme auch an andere regionale Kunden verkauft – etwa an Kommunen oder Wasserstofftankstellen.

Schaefflers eindrucksvoller Innovationsgeist von Vorteil

Das größte Potenzial der Kooperation liegt jedoch in der Technologie selbst. Schaeffler wird für die Anlage selbstredend seine eigenen Elektrolyse-Stacks verwenden. Zusammen mit Lhyfe will der Konzern die Technologie weiterentwickeln und noch effizienter machen. Gelingt das und wird die Anlage in Herzogenaurach zu einem Erfolg, darf sich Schaeffler auf enormes Interesse aus der Industrie einstellen.

Im besten Falle könnte Schaeffler für die deutsche Industrie zu einem bevorzugten Partner in Sachen Elektrolyse-Komponenten avancieren. Das würde mit Blick auf die politisch angestrebte Dekarbonisierung schier unfassbares Wachstumspotenzial freimachen.

Die Chancen hierfür stehen jedenfalls gar nicht so schlecht. Schauen Sie: Schaeffler ist einer der innovativsten Wirtschaftsplayer der Bundesrepublik. Bei der Zahl der Patentanmeldungen in Deutschland schaffte es das Unternehmen im letzten Jahr unter die Top 3.

„H2 Giga“ in Deutschland: Schaeffler spielt ganz vorne mit

Kein Wunder also, dass die Bundesregierung Schaeffler auch beim Ausbau der Wasserstoffwirtschaft in die Pflicht nimmt. Der Konzern ist Teil des Leitprojekts „H2 Giga“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im letzten Jahr gestartet wurde.

Die staatlich geförderte Initiative soll Systeme und Methoden zur serienmäßigen Herstellung von Elektrolyseuren erarbeiten. Und Schaeffler ist im dazugehörigen Teilprojekt „Stack Scale up – Industrialisierung PEM Elektrolyse“ der Konsortialführer.

Mein Fazit für Sie

Schaeffler könnte für Deutschland zu einem Zünglein an der Waage werden. Die wohl kommende Wasserstoffwirtschaft ist für die Aktie meiner Meinung nach der interessanteste langfristige Aspekt. Laut einer Schätzung des Fraunhofer-Instituts werden im Jahr 2050 zwischen 50 und 80 Gigawatt an installierter Elektrolyse-Leistung in Deutschland notwendig sein.

Zum Vergleich: Ende 2021 hatte die Kapazität hierzulande bei nur 80 Megawatt gelegen. Entsprechend große Sprünge muss Deutschland in den nächsten Jahrzehnten machen, um seine Industrie mit Wasserstoff zu dekarbonisieren. Klar: Ein gewisser Teil des nötigen Wasserstoffs muss aus dem Ausland bezogen werden, da der Ausbau der Erneuerbaren Energien hierzulande schlicht zu langsam abläuft. Das aber grenzt die Perspektive von Schaeffler wenn überhaupt nur moderat ein.

Als Anleger sollten Sie trotzdem immer beachten, dass das Thema Wasserstoff noch in den Kinderschuhen steckt. Bis Schaeffler hieraus signifikante Umsätze oder Gewinne generieren kann, werden wohl noch viele Jahre vergehen.

Zunächst muss der Konzern die unmittelbaren Herausforderungen bewältigen. Und die heißen: hohe Inflation, steigende Leitzinsen und drohende Rezession. Gerade für Anleger mit einem langfristigen Investment-Horizont können diese Krisen wegen der gefallenen Aktienkurse aber auch lukrative Einstiegschancen bieten.

Mit viel Geduld kann sich Schaefflers Wasserstoff-Story für Sie also in satte Renditen wandeln.