Warren Buffett: Erfolg nicht nur durch kluge Aktienauswahl
Am 30. August wird Warren Buffett 95 Jahre alt. „Happy birthday!“, möchte man dem genialen Investor am Samstag zurufen, der nicht nur selbst durch intelligente Geldanlage zum Multimilliardär geworden ist, sondern auch zahlreiche Aktionäre seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway reich gemacht hat.
Viel ist bereits geschrieben worden über Buffetts kluge Aktienauswahl:
- Dass er Aktien mit Burggraben bevorzugt, die etwa durch eine starke Marke oder ein einzigartiges Geschäftsmodell vor Nachahmern geschützt sind.
- Dass er vorzugsweise dann kauft, wenn die Unternehmen seiner Wahl deutlich unterbewertet sind.
- Dass er auf solide Branchen wie Konsumgüter, Energie oder Versicherungen setzt, ohne deren Produkte und Dienstleistungen kaum jemand auskommt.
- Dass er auf Diversifizierung pfeift, weil er es für die bessere Risikoabsicherung hält, wirklich gute Ideen, wie er es nennt, bei seinen Investments umzusetzen, sodass sie nachhaltige Gewinne abwerfen.
Das sind nur einige seiner Prinzipien, die häufiger genannt werden. Eines allerdings wird selten erwähnt: Das Thema „Asset Allocation“. Also die Frage, wohin er sein Kapital lenkt. Das aber trägt ganz wesentlich zum Erfolg von Berkshire Hathaway bei.
Kernfrage: Was tun mit den Dividenden?
Den Begriff „Asset Allocation“ haben Sie vielleicht schon einmal gehört. Gemeint ist die Verteilung der eigenen Investments auf verschiedene Vermögenswerte. Ursprünglich bekannt gemacht hat diesen Begriff der Nobelpreisträger Harry Markowitz.
Markowitz zielte darauf ab, als Anleger seine Investments so zu verteilen, dass sie auf verschiedene Börsenphasen möglichst unterschiedlich reagieren. Die Verluste in einem Bereich sollen möglichst von Gewinnen im anderen ausgeglichen werden, und die Verteilung soll trotzdem so sein, dass unter dem Strich ein Plus herauskommt. Für Markowitz stand die „Asset Allocation“ also unter der Überschrift „Diversifizierung“.
Bei Buffett ist das anders: Bei ihm hat die „Asset Allocation“ eine andere Funktion. Sie ist ein Mittel, wie Berkshire Hathaway unternehmensintern seine vielen Dividenden dahin lenken kann, wo sie voraussichtlich am meisten Rendite abwerfen.
Dividenden werden benutzt, um Wachstum zu erzeugen
An einem Beispiel lässt sich am einfachsten erfassen, was Buffett in puncto „Asset Allocation“ macht: Eine langjährige Position von Berkshire ist seit 1972 See’s Candies, ein US-amerikanischer Hersteller und Verkäufer von Süßigkeiten mit einer starken Marke. Das ist definitiv kein Wachstumswert; das Unternehmen hat aber im Laufe der Jahre beträchtliche Dividenden erwirtschaftet.
Für Buffett war klar: Es wäre Unsinn, diese Dividenden bei See’s Candies zu belassen. Denn die Möglichkeiten, dieses Geschäft auszuweiten, sind begrenzt. Der Markt ist weitgehend gesättigt, das Unternehmen verdient nicht viel mehr Geld, wenn es neue Süßigkeitenläden eröffnet. Im Gegenteil: Das könnte See’s sogar weniger profitabel machen.
Also nimmt Buffett – oder vielmehr seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire – die Dividenden von See’s Candies her, um sie anderswo zu investieren. Das Geld fließt Unternehmen zu, die einen hohen Investitionsbedarf haben, aber durch diese Investitionen auch eine erheblich höhere Rendite auf das eingesetzte Geld (Return on Investment, kurz ROI) erzielen können.
Das ist beispielsweise im Energiesektor der Fall. Oder beim Schienenverkehr, wo Berkshire den Eisenbahnbetreiber BNSF Railway übernommen hat. Dort verspricht sich Buffett einen enormen Zuwachs, weil der Gütertransport über die Schiene nur etwa ein Viertel der Energie verbraucht, die bei einem Transport auf der Straße anfällt.
Was wir Anleger daraus lernen können
Zwei Lehren können Sie als Anleger aus Buffetts Form der „Asset Allocation“ ziehen.
- Beteiligungsgesellschaften können nicht nur deshalb interessante Investments sein, weil sie profitable Unternehmen ausfindig machen. Sie sind auch interessant durch die Umverteilung des Geldes, das sie bekommen. Denn die laufenden Gewinnausschüttungen, die sie einstreichen, können sie dorthin lenken, wo es potenziell profitabler ist.
- Im kleinen Umfang können Sie auch selbst bei Ihrem privaten Depot mit Ihren Dividenden so umgehen. Es ist durchaus sinnvoll, die Ausschüttungen aufs Neue zu investieren. Aber überlegen Sie sich, was sie davon kaufen. Das muss nicht immer der Aktientitel oder Fonds sein, aus dem die Ausschüttung stammt. Vielleicht lohnt sich ein anderes Investment mehr. Dank Aktien- und Fonds-Sparplänen können Sie auch kleinere Summen investieren, ohne dafür ein Vermögen an Ordergebühren auszugeben.
Mein Rat an Sie lautet: Überlegen Sie sich auch bei den erhaltenen Dividenden und Zinsen gut, was Sie damit machen. Ein kluges Reinvestieren in Werte mit Potenzial kann Ihre Rendite deutlich nach oben treiben.