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Aktien : Vitesco-Aktie: Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – das sollten Sie jetzt beachten!

Für die Autozulieferer sind es keine einfachen Zeiten. Erst hat die Corona-Pandemie die Produktion gen Boden gedrückt, dann folgte der Chip-Mangel und jetzt schlägt auch noch der Ukraine-Krieg ins Kontor.

Dennoch gibt sich die Branche derzeit alle Mühe, zumindest ein wenig Optimismus zu streuen. So auch der Autozulieferer Vitesco. Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen seine Jahresbilanz zu 2021 und einen vorsichtigen Ausblick zum laufenden Jahr veröffentlicht. Kurzum: Die Wachstumstory ist prinzipiell vorhanden, als Anleger sollten Sie aber ein hohes Risiko einkalkulieren.

Vitesco: Contis Antriebssparte

Zunächst ein paar Worte zu dem Unternehmen: Vitesco ist im Prinzip die Antriebssparte von Continental und erst seit letztem Sommer separat an der Börse notiert. Die Conti-Abspaltung liefert Antriebstechnologien vor allem für Verbrennerautos. Dabei geht es beispielsweise um Lösungen für das Motormanagement, Katalysatoren, Steuergeräte und Schaltkreisblöcke. Ein Großteil der Vitesco-Umsätze entfallen auf das Verbrenner-Geschäft.

Freilich ist das Unternehmen auch in Sachen Elektromobilität engagiert. Allerdings ist das Geschäft mit einem Umsatzanteil von rund 10 Prozent relativ klein. Für Elektroautos baut Vitesco unter anderem Hochvolt-Antriebslösungen, On-Board-Ladegeräte und Systeme für das Thermo-Management. Letzteres gilt als wichtiger Hebel, um die Reichweite der Stromer zu verbessern. Schließlich sorgt eine effiziente Wiederverwendung von Wärmeenergie im Fahrzeug dafür, dass Batterieenergie eingespart werden kann.

2021: Elektromobilität als Hoffnungsträger

Nun aber zu den Zahlen: Laut Bilanzveröffentlichung konnte Vitesco im letzten Jahr seinen Umsatz marginal um 3,7 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro verbessern. Bitter: Unterm Strich fuhr das Unternehmen einen Verlust von 122 Millionen Euro ein.

Doch die Jahresbilanz hat auch sehr positive Aspekte, die die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens unterstreichen. So konnte man das Elektrifizierungsgeschäft im letzten Jahr weiter ausbauen. Der Auftragseingang für die Hochvolt-Inverter lag Ende Dezember bei mehr als 2,5 Milliarden Euro. Der Auftragseingang bei den elektrischen Achsantrieben belief sich auf 1,1 Milliarden Euro.

Etwa 33 Prozent des gesamten Auftragsbestandes entfiel auf den Elektrifizierungsbereich. Und: Vitesco erzielte mit Elektrifizierungsprodukten einen Umsatz von 888 Millionen Euro. Das entspricht einem Anteil von 10,7 Prozent an den gesamten Erlösen. Vergleicht man Auftragsbestand und Umsatz, wird deutlich, dass das Elektro-Geschäft im laufenden und kommenden Jahr noch massiv Luft nach oben hat.

Ohnehin konnte Vitesco im Rahmen der Bilanzpräsentation einen zwei Milliarden Euro schweren Auftrag für das neue elektrische Antriebssystem präsentieren. Welcher konkrete Kunde die Großbestellung aufgegeben hatte, verriet der Autozulieferer indes nicht.

Ukraine-Krieg: die große Unbekannte

Vitesco jedenfalls sieht das Elektrifizierungsgeschäft als wichtigsten Wachstumsmotor. Das schafft freilich Perspektiven für die Aktie. Dennoch ist das Papier nicht gerade ein Goldstück. Wegen des Nettoverlusts wird Vitesco auch für 2021 keine Dividende auszahlen.

Hinzu kommt der Ukraine-Krieg. Vitesco hat zwar für das laufende Jahr einen Umsatzanstieg auf eine Spanne zwischen 8,6 und 9,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Folgen des Krieges sind darin aber nicht inkludiert. Die Auswirkungen von Putins Invasion auf die globale wirtschaftliche Entwicklung ließen sich noch nicht abschließend abschätzen, so Vitesco.

Immerhin rechnet das Unternehmen ab dem zweiten Halbjahr mit einer Erholung des Halbleitermarkts. Das könnte auf eine höhere Nachfrage vonseiten der Autobauer hindeuten. Allerdings steht die Branche derzeit wegen des Krieges vor neuen Herausforderungen. Wichtige Auto-Rohstoffe wie Nickel, Palladium und Aluminium könnten durch den Konflikt immer knapper werden und im Endeffekt die Produktion der Autobauer im gesamten Jahr einschränken.

Vitesco-Aktie: Achtung Risiko

Wollen Sie in Vitesco investieren, sollten Sie diesen Risikofaktor auf jeden Fall auf dem Schirm haben. Die Aktie jedenfalls ist bis dato alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Wegen der schwierigen äußeren Umstände konnte das Papier seit dem Börsengang im letzten Sommer im Prinzip keine nachhaltigen Akzente nach oben setzen. Im Gegenteil: Die Aktie verlor bislang unterm Strich etwa die Hälfte ihres Wertes.

Das sorgt im Umkehrschluss natürlich für relativ günstige Einstiegskurse. Viele Analysten trauen der Aktie tatsächlich starkes Potenzial nach oben zu. Laut Marketscreener liegt das durchschnittliche Kursziel der Vitesco-Aktie mehr als 60 Prozent über dem Niveau von Donnerstag. Das wären freilich satte Renditen.

Allerdings sollten Sie unbedingt das oben erwähnte Risiko einkalkulieren und sich bewusst sein, dass die Aktie in diesen Zeiten sehr viel Geduld und starke Nerven abverlangt.

Börse

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Über den Autor
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Marco Schnepf

Börse aus Leidenschaft: Marco Schnepf analysiert seit Jahren das tägliche Geschehen an den Kapitalmärkten.

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