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Vitesco-Aktie: Ist der Autozulieferer wirklich zukunftsfähig?

Inhaltsverzeichnis

Im September 2021 hatte die Continental-Abspaltung Vitesco das Börsenparkett in Frankfurt betreten. Eine wirkliche Erfolgsgeschichte war die Aktie bisher aber nicht. Im Gegenteil: Das Vitesco-Papier legte kurz nach dem Börsengang einen erheblichen Kursrutsch hin.

Doch inzwischen hat sich die Stimmung etwas gedreht. Die Aktie zeigt seit Jahresbeginn 2022 eine Tendenz nach oben. Zwar konnte man den Einbruch aus dem Herbst längst noch nicht vollständig kompensieren. Die Richtung aber scheint wieder zu stimmen. Grund genug, dass wir uns heute Vitesco einmal genauer anschauen.

Vitesco: ein Spezialist für Verbrenner-Antriebstechnik

Das Unternehmen ist im Prinzip die Antriebssparte von Continental. Vitesco entwickelt unter anderem elektronische Steuergeräte, Sensoren, Pumpen, Ventile und Bauteile zur Abgasnachbehandlung.

Die Vitesco-Lösungen sorgen zum Beispiel dafür, dass die Harnstoffdosierung in Fahrzeugen hochpräzise gesteuert werden kann. Hinzu kommen Systeme zum Motormanagement und zur thermischen Leistung. Unterm Strich sollen die Produkte Verbrennerautos effizienter machen.

Und genau hier liegt das Problem: Vitesco macht derzeit 90 Prozent seines Umsatzes von zuletzt gut acht Milliarden Euro mit Verbrennertechnik. Das Unternehmen gilt deshalb bei Kritikern als eine Art „Resterampe“ von Continental. Für die Börse wirkt Vitesco also eher wie ein Relikt aus der Vergangenheit.

IPO inmitten der Material-Krise

Hinzu kommt, dass der Zeitpunkt des Börsengangs nicht gerade optimal gewählt wurde. Vitesco betrat inmitten einer der größten Krisen der Autobranche das Parkett. Sie werden es schon ahnen: Es geht natürlich um die Material-Verknappung.

Tatsächlich leiden die Autozulieferer wesentlich stärker unter Engpässen bei Halbleitern und anderen wichtigen Werkstoffen als die Endhersteller. Vitesco musste im dritten Quartal 2021 sowohl beim Umsatz (-15 %) als auch beim Betriebsergebnis EBITDA (-77 %) deshalb erhebliche Einbußen hinnehmen.

Große Probleme also. Dennoch strebt die Aktie seit Jahresbeginn plötzlich wieder gen Norden. Hierfür gibt es vor allem zwei Gründe.

Lösungen für Hybrid-Autos

Erstens: Vitesco will in den nächsten Jahren verstärkt in die Elektromobilität investieren. Das Unternehmen produziert bereits heute Elektrifizierungslösungen zum Beispiel für Hybridautos.

So soll die sogenannte „48-V-HighPower“-Technologie dazu beitragen, Hybridautos effizienter zu machen. Zudem entwickelt Vitesco auch Lösungen für das Stromtanken.

2022 startete mit Auftragsflut

Zweitens: Seit Jahresbeginn hat Vitesco einige interessante Aufträge einheimsen können. So habe ein großer amerikanischer Autobauer 800-Volt-Inverter mit Siliziumkarbid-Technologie für mehr als eine Milliarde Euro bestellt. Eben diese Lösung ist wichtig für das schnelle Laden von E-Autos.

Zudem gebe es Aufträge eines chinesischen und japanischen Autoherstellers – jeweils mit einem Volumen von mehreren Hundert Millionen Euro. Bei diesen Aufträgen soll es sich laut Vitesco um die Lieferung von Hochvolt-Achsantrieben handeln. Welche drei konkreten Firmen die Aufträge erteilt haben, ließ die Continental-Abspaltung indes offen.

Mein Fazit für Sie

Die Vitesco-Aktie ist meiner Meinung allenfalls für risikoaffine Anleger geeignet. Zwar konnte das Unternehmen seit Jahresbeginn positive Akzente setzen. Doch nach wie vor ist Vitesco vor allem ein Zulieferer von Verbrennertechnik. Das dürfte in den nächsten Jahren erst einmal so bleiben. Wollen Sie trotzdem in Vitesco investieren, brauchen Sie also viel Geduld.

Hinzu kommt, dass der von Vitesco belieferte Hybrid-Markt bei der aktuellen Bundesregierung nicht gerade auf Gegenliebe stößt. So hatten die Grünen immer wieder kritisiert, dass Hybridautos kaum einen Klimavorteil mit sich brächten, da die Fahrzeuge hauptsächlich über den Verbrennungsmotor angetrieben würden.

Laut Koalitionsvertrag sollen die Bedingungen für die üppigen Hybrid-Förderungen deshalb verschärft werden. Das Kalkül: Nach und nach sollen die Hybride den reinen Stromern weichen.