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Valero-Aktie: Der Diesel-Profiteur – was jetzt wichtig ist!

Inhaltsverzeichnis

Haben Sie sich in den letzten Wochen an der Tankstelle auch schon gefragt, wer eigentlich an den hohen Dieselpreisen verdient? Klar: Die großen Ölförderer wie Shell und BP können momentan durchaus satte Gewinne einfahren. Und auch der Staat verdient dank der hohen Spritsteuern ordentlich mit.

Dieselpreis von Ölpreis entkoppelt

Doch wenn man die Entwicklung des Ölpreises dem Dieselpreis gegenüberstellt, offenbart sich eine gewisse Diskrepanz: Während der Ölpreis nach dem Hoch Ende Februar zuletzt wieder zurückging, blieb der Preis für Diesel auf einem hohen Niveau. Nach Angaben des Branchenportals „GlobalPetrolPrices“ kostete ein Liter Diesel in Deutschland Anfang Mai im Schnitt immer noch 2,1 Euro. Zum Vergleich: Ende Januar lag jener Wert bei 1,64 Euro.

Aber auch in anderen Ländern der EU sowie in den USA scheinen die Dieselpreise einfach nicht fallen zu wollen. Und jetzt wird es für sie so richtig interessant. Denn: Die Profiteure dieser Entwicklung sind in erster Linie nicht die Ölförderer – sondern die Abnehmer des fossilen Rohstoffs, die diesen in Treibstoff wie Diesel umwandeln und dann verkaufen. Offenbar können jene Raffinerien derzeit gigantische Margen erzielen.

Trotz Kritik: Man sollte Diesel nicht unterschätzen

Bevor wir uns eine konkrete Aktie aus diesem Bereich anschauen, zunächst ein paar grundlegende Einschätzungen für Sie: Diesel genießt freilich keinen guten Ruf, schließlich ist die Klimabilanz des Treibstoffs nicht gerade hervorragend. Trotzdem ist er nach wie vor wichtig für die Welt – und das nicht nur im Straßenverkehr. Vor allem auf See ist Diesel immer noch das Nonplusultra.

Schauen Sie: Große Containerschiffe tanken in der Regel ein Gemisch aus Schweröl und Diesel. Ein solches Schiff verbraucht pro Jahr in etwa so viel Sprit wie 100.000 Autos. Im Unterschied zum Straßenverkehr (Stichwort: Elektromobilität) gibt es im Seeverkehr bislang noch keine marktfähige und klimaschonende Alternative zu Diesel. Entsprechend dürfte die Nachfrage nach dem Treibstoff zwar insgesamt zurückgehen, allerdings nicht so stark wie von Klima- und Umweltschützern erhofft.

Valero Energy: der US-Raffinationskonzern

Investments in Diesel-Aktien sind also zumindest auf kurz- bis mittelfristige Sicht durchaus interessant. Wie oben erwähnt, profitieren derzeit vor allem die Raffinerien von den hohen Dieselpreisen. Klar: Auch die großen Ölförderer wie BP betreiben eigene Dieselraffinerien. Wollen Sie allerdings speziell in diesen Bereich investieren, kommen eher andere Aktien infrage.

Beispiel: Valero Energy. Das Unternehmen aus Texas betreibt in den USA, Kanada und Großbritannien insgesamt 15 Raffinerien. Mit über 10.000 Mitarbeitern gilt Valero als größter unabhängiger Raffinationskonzern und als zweitgrößter Dieselhersteller der Welt. Hinzu kommt, dass der Konzern nicht nur Diesel herstellt, sondern auch andere Brennstoffe wie Benzin und Ölpellets sowie chemische Komponenten.

Interessant: Valero hat freilich längst erkannt, dass sein Geschäft nicht gerade klimaschonend und langfristig zukunftsfähig ist. Deshalb investiert der Konzern in eigene Windparks, um erneuerbaren Strom für die Produktion zu gewinnen. Zudem setzt auch Valero zumindest anteilig auf Treibstoffe aus Biomasse.

Gewinnregen in Q1

Nun aber zu den harten Fakten: Das erste Quartal 2022 lief für Valero hervorragend. So konnte man zwischen Januar und Ende März einen Nettogewinn von 905 Millionen Dollar erzielen. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal hatte man noch einen Fehlbetrag von 704 Millionen Dollar hinnehmen müssen.

Vor allem das klassische Raffinationsgeschäft erwies sich als Geldgrube. So stieg das Betriebsergebnis der Kernsparte in Q1 auf 1,45 Milliarden Dollar (Q1 2021: -592). Insbesondere im März habe man eine massive Steigerung der Margen erzielt, so Valero-Boss Joe Goerder. Es seien gar die höchsten Raffineriemargen in der Unternehmensgeschichte gewesen. Kein Wunder, war der März doch der erste Monat, in dem der Ukraine-Krieg und die Auswirkungen auf die Spritpreise voll durchschlugen.

Hohe Margen dürften erst einmal bleiben

Aber auch für das laufende Quartal rechnet Valero mit weiterhin hohen Gewinnmargen im Raffinationsgeschäft. Der Konzern führt das vor allem auf die relativ niedrigen Diesel-Lagerbestände in den USA zurück.

In den letzten Jahren haben die Raffinieren wegen des allmählichen Durchbruchs der erneuerbaren Energien ihre Produktionskapazitäten gedrosselt. Nun stößt diese Schwäche auf der Angebotsseite auf eine hohe Nachfrage. Offenbar hat der Markt den Treibstoff Diesel zu früh abgeschrieben. Davon profitieren Konzerne wie Valero.

Mein Fazit für Sie

Valero sitzt an der richtigen Stelle der Treibstoff-Wertschöpfungskette. Das Unternehmen kann dank der hohen Dieselpreise sehr lukrative Margen generieren. Allerdings bleibt anzumerken, dass diese Hochphase bereits sehr deutlich im Aktienkurs eingepreist ist. So stieg die Valero-Aktie seit Beginn des Ukraine-Kriegs Ende Februar um 68 Prozent (Stand: 17.05.2022, 10:30 Uhr). Das Papier hat damit seinen historischen Höchststand erreicht.

Ob die Aktie noch weiter steigen kann, bleibt somit umso mehr abzuwarten. Die Analysten jedenfalls sind sich bei dem Papier nicht einig. Manche schreiben der Aktie Potenzial zu, andere sehen die derzeitige Bewertung als übertrieben an. Die fundamentale Entwicklung spricht freilich für das Unternehmen, auch weil weitere Energiesanktionen gegen Russland (Stichwort: Öl-Embargo) das Raffineriegeschäft noch wertvoller machen könnten.

Hinzu kommt, dass Valero als einer der weniger Krisengewinner gilt und viele Aktionäre das Unternehmen wohl als sicheren Hafen einstufen. Das könnte der Aktie weiterhin Auftrieb verschaffen.

Sicher ist in diesen Zeiten aber nichts. Das sollten Sie stets im Hinterkopf behalten.