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Twitter nach Musk-Übernahme: Ein großer Scherbenhaufen

Inhaltsverzeichnis

Was macht Musk mit Twitter?

So recht beantworten kann das auch rund sechs Wochen nach der Übernahme des Unternehmers niemand. Doch in welche Richtung es gehen könnte, ist bereits jetzt unübersehbar.

Falschinformationen können ungeprüft verbreitet werden

So wurde die Moderation der Inhalte weitgehend aufgegeben. Falschinformationen können unter dem Banner der grenzenlosen Meinungsfreiheit, die Musk seit Monaten propagiert, nun wieder ungeprüft verbreitet werden. Vormals gesperrte Nutzerkonten wurden in einer Art Generalamnestie wieder freigegeben.

Darüber, ob beispielsweise der Twitter-Account von Ex-US-Präsident Donald Trump wieder freigeschaltet werden solle, hatte Musk die Nutzer abstimmen lassen – via Twitter-Umfrage, die freilich weder repräsentativ ist noch irgendwelchen wissenschaftlichen Befragungsstandards genügt und durchaus von zahllosen Fake-Accounts und automatischen Bots gekapert werden kann.

Trumps Twitter-Account wieder freigeschaltet

In dieser Umfrage jedenfalls sprach sich eine Mehrheit für die Wiederaufnahme von Trump in den Twitter-Kosmos aus, die dann auch prompt erfolgte. Zwar kokettierte Trump damit, Twitter nicht mehr nutzen zu wollen und sich stattdessen auf seine eigene Kurznachrichtenplattform zurückzuziehen, doch spätestens mit seiner Ankündigung, für die kommenden Präsidentschaftswahlen erneut kandidieren zu wollen, scheint eine Rückkehr zu Twitter nicht unwahrscheinlich – immerhin hat er dort eine deutlich größere Reichweite als in seinem eigenen Netzwerk., in das ihm im Wesentlichen nur treue Fans gefolgt waren.

Ob Twitter aber bis zur nächsten Präsidentschaftswahl noch immer ein so reichweitenstarkes Medium sein wird wie in den vergangenen Jahren, ist aktuell mehr als fraglich. Denn Musks wüten hat Konsequenzen. Tausende Mitarbeiter hat der neue Besitzer bereits entlassen, zahlreiche Werbepartner haben ihr Engagement auf Twitter zumindest zeitweise eingestellt. Sie sind zwar über ihre Unternehmensaccounts weiterhin erreichbar, schalten aber keine Werbeanzeigen mehr – das Werbegeschäft aber bildet die Haupteinnahmequelle von Twitter.

Werbepartner ergreifen die Flucht – Musk beklagt Umsatzeinbruch

Den entsprechenden Umsatzeinbruch hat Musk selbst bereits vor einigen Wochen verkündet und beklagt, natürlich über Twitter. Auch zum Frontalangriff auf Apple holte er aus: Der iPhone-Hersteller habe nicht nur seine Werbeanzeigen auf Twitter gestoppt, sondern auch ohne Angabe von Gründen damit gedroht, den Kurznachrichtendienst aus dem eigenen App-Store zu entfernen. Inwieweit die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen und was dahintersteckt, ist unklar.

Deutlich ist indes schon jetzt, gut einen Monat nach der Twitter-Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk: Beide Seiten haben sich mit dem Geschäft keinen Gefallen getan. Twitter droht vom einflussreichen Sprachkanal zu einem unkoordinierten Schlachtfeld von Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretikern zu werden, Musk hat jede Menge Ärger am Hals, juristisch und finanziell.

EU verweist auf neues Digitalgesetz

Es ist vor allem der Unternehmer selbst und sein Geschäftsgebaren, das für Schlagzeilen sorgt. Die Erfolge oder Herausforderungen der Unternehmen selbst rücken dabei zunehmend in den Hintergrund. Das gilt nicht nur für Twitter, sondern auch für Tesla: Hatte es früher wöchentlich neue Schlagzeilen gegeben, wie es um den Elektroautobauer steht, steht nunmehr das Twitter-Gezänk im Fokus der Aufmerksamkeit.

Der Exzentriker Musk aber legt sich weiterhin mit allem und jedem an. Apple dürfte nur der Anfang sein. Unter anderem die Europäische Union verwies nach der Übernahme im Oktober auf den neuen Digital Services Act, der soziale Netzwerke und Anbieter wie Twitter stärker als bisher regulieren soll. Dazu gehört auch eine Moderation der Inhalte. Bei Verstößen drohen Bußgelder, im Extremfall auch ein Verbot in der EU.

So weit ist es noch nicht. Doch wenn Musk mit seiner Zerstörungswut im bisherigen Tempo weitermacht, kann es nicht mehr lange dauern bis zur nächsten großen Eskalation.