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Tesla vs. IG Metall: Gegenwind in Grünheide

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Die Verwirrung war auf allen Seiten groß. Erst bei der deutschen Politik, als Tesla reichlich überraschend ankündigte, eine Produktionsstätte in Deutschland, genauer gesagt im brandenburgischen Grünheide nahe Berlin zu errichten. Dann bei Tesla-Chef Elon Musk, der sich mit der berüchtigten deutschen Bürokratie konfrontiert sah, die das Neubauprojekt ausbremste und den Produktionsstart um einige Monate verzögerte. Schließlich rieben sich aber auch die Beobachter hierzulande die Augen: Für hiesige Verhältnisse ging es dann am Ende nämlich doch verdammt schnell vom ersten Spatenstich bis zur fertigen Fabrik.

Arbeitnehmer klagen über schlechte Arbeitsbedingungen

Etwas weniger überraschend kommen nun die Vorwürfe der IG Metall. Die Gewerkschaft klagt über schlechte Arbeitsbedingungen bei Tesla in Grünheide. Zur Sprache kommen dabei verschiedene Aspekte: Deutliche Gehaltsunterschiede ohne erkennbare Grundlage etwa, aber auch eine hohe Arbeitsbelastung, Mehrarbeit an Wochenenden, zu wenig Personal sowie eine schlechte Klimatisierung der Produktionshallen. Diese würden sich im Sommer aufheizen und im Winter stark auskühlen, ohne dass der Arbeitgeber etwas dagegen unternehme, so die Beschwerde von Arbeitnehmern.

Als einziger Autobauer in Deutschland arbeitet Tesla bislang ohne Tarifvertrag, was von der IG Metall ebenfalls scharf kritisiert wird. Mahnende Stimmen gibt es inzwischen auch aus der Politik, etwa der brandenburgischen Landesregierung, die an Tesla appellierte, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Sollen Mitarbeiter bespitzelt werden?

Stattdessen gab es offenbar zuletzt eine umstrittene Stellenausschreibung. Gesucht wurde ein erfahrener Ermittler, der „intern und extern“ dafür sorgen sollte, dass strikte Geheimhaltungsklauseln eingehalten werden. Diese mussten die Beschäftigten zusammen mit ihrem Arbeitsvertrag unterzeichnen, was sie auch im Kontakt mit der Gewerkschaft verunsichert.

Zahlreiche Politiker verweisen darauf, dass in der Bundesrepublik seit jeher eine konstruktive Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herrscht und die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen durch Betriebsräte und Gewerkschaften nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich erwünscht ist. Das wiederum dürfte Elon Musk überraschen, denn er war schon immer für seine harte Hand innerhalb seiner Unternehmen berüchtigt.

Kommt es zur Machtprobe?

Mehr als 7.000 Beschäftigte zählt das Werk in Grünheide, das vor nicht einmal einem Jahr eröffnet wurde, mittlerweile. Arbeitsplätze, die gerade in strukturschwachen ostdeutschen Regionen gerne gesehen werden – nicht aber auf Kosten des Arbeitnehmerschutzes.

Wer Musk in den vergangenen Jahren beobachtet hat, dürfte jedoch kaum erwarten, dass ein gutherziger Appell der Landesregierung nun für grundlegende Veränderungen am bislang einzigen europäischen Tesla-Standort sorgt. Vielmehr dürfte sich die Situation auf Dauer weiter verschärfen, es könnte zur Machtprobe kommen zwischen Musk auf der einen Seite und Gewerkschaftsvertretern auf der anderen Seite.

Musk wegen mutmaßlicher Marktmanipulation vor Gericht

Dass er die Konfrontation nicht scheut, hat Musk zuletzt mit der umstrittenen Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter unter Beweis gestellt. Auch hier entließ der neue Chef auf einen Schlag nicht nur weite Teile des vorherigen Vorstands, sondern gleich auch tausende Mitarbeiter. Musk ist da wenig zimperlich, könnte sich mit einem solchen Vorgehen aber in Deutschland die Finger verbrennen, da die Standards im Arbeitnehmerschutz in Deutschland und Europa generell höher sind als etwa in den USA oder weiten Teilen Asiens.

Aktuell aber hat Musk ohnehin keine Zeit, um sich um die Probleme in Grünheide zu kümmern. Er kämpft nach wie vor mit Problemen bei Twitter und muss sich neuerdings vor Gericht verantworten. Anleger werfen ihm marktmanipulative Eingriffe vor: Seine Tweets vor einigen Jahren, insbesondere die Ankündigung im Sommer 2018, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, hätten zu Kurskapriolen geführt und das Kapital der Investoren verbrannt.

Der umtriebige Unternehmer hält dagegen: Man müsse ja nicht alles glauben, was er in die Welt hinaustwittere.

Harte Fakten erwarten Tesla Anleger jedoch am morgigen Mittwoch. Dann wird der Elektroautobauer seine Bilanz des zurückliegenden Jahres vorstellen – Überraschungen nicht ausgeschlossen.