Tesla Aktie: Ausverkauf vor Quartalsbilanz

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Jobkahlschlag beim Elektropionier: Tesla plant offenbar, gut ein Zehntel aller Stellen weltweit abzubauen. Davon wären mehr als 14.000 Arbeitsplätze betroffen. Eine Meldung, die unter Anlegern normalerweise für positive Resonanz und Sprünge beim Aktienkurs sorgen. Doch in diesem Fall war das anders.

Aktieneinbruch trotz Stellenstreichungen

Zum Wochenauftakt, mit Bekanntwerden der Sparpläne, gab die Tesla Aktie noch einmal kräftig nach und verlor gut 6 Prozent. Damit setzte das Papier seinen Sturzflug fort, der seit Beginn des Jahres bereits gut ein Drittel des Börsenwerts von Tesla vernichtet hat. Dennoch verzeichnet Tesla weiterhin den höchsten Börsenwert unter den Autobauern und ist mit mehr als 500 Milliarden US-Dollar noch immer höher bewertet als der japanische Hersteller Toyota, der den zweiten Platz belegt.

Hintergrund des massiven Kurseinbruchs ist nicht zuletzt die schwächelnde Absatzentwicklung. Sowohl in den USA als auch in Europa ging die Nachfrage nach reinen Elektrofahrzeugen stark zurück. Kunden setzen wieder vermehrt auf Verbrenner oder Fahrzeuge mit hybriden Antrieben, also einem Mix aus Stromer und Verbrenner.

Nachlassende Nachfrage setzt Tesla besonders unter Druck

Die Gründe dafür sind vielschichtig und reichen von mangelnder Ladeinfrastruktur bis hin zu hohen Kaufpreisen. Dabei hatte auch Tesla seit dem vergangenen Jahr immer wieder die Preise gesenkt und mit hohen Rabatten gelockt, um seine Autos auf die Straße zu bringen. Vergebens, wie die jüngsten Zahlen zeigen. Demnach hat Tesla im Auftaktquartal lediglich 387.000 Autos ausgeliefert und damit weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das jahrelange Absatzwachstum wurde somit jäh ausgebremst.

Wer vom Elektroantrieb überzeugt ist und über das nötige Kleingeld verfügt, hat sich inzwischen ein solches Fahrzeug angeschafft. Der Rest der potenziellen Kundschaft ist entweder noch nicht überzeugt oder kann es sich schlichtweg nicht leisten, zumal auch die gestiegenen Zinsen eine kreditbasierte Finanzierung unattraktiver werden lassen.

Konkurrenzdruck nimmt zu

Große Beliebtheit erfahren Elektromodelle hingegen weiterhin am chinesischen Markt – doch hier sehen sich Tesla und andere westliche Hersteller zunehmender einheimischer Konkurrenz gegenüber, die bei der Kundschaft im Reich der Mitte besser ankommt und zudem mit erschwinglicheren Einstiegspreisen lockt. Allen voran BYD läuft Tesla in China zunehmend den Rang ab.

Während traditionelle Autokonzerne die Flaute im Elektrosegment gut kompensieren können durch das weiterhin florierende Geschäft mit den Verbrennern, hat Tesla bekanntlich ausschließlich Stromer im Sortiment und wird dementsprechend hart getroffen von der rückläufigen Kaufbereitschaft der Autokäufer weltweit.

Gibt Tesla seinen wichtigsten Trumpf auf?

Doch anstatt die kaufbereite Mittelschicht mit preisgünstigeren Fahrzeugen zu locken und damit die chinesische Konkurrenz unter Druck zu setzen, gibt Tesla offenbar einen langjährigen Plan auf. Anfang April häuften sich Medienberichte, wonach ein erschwingliches Familienauto für die breite Masse nun wohl doch nicht kommen soll. Damit würde ein elementarer Bestandteil des Wachstums-Masterplans von Unternehmenschef Elon Musk wegfallen.

Das günstigere Modell sollte bei einem Einstiegspreis von etwa 25.000 US-Dollar beginnen – gegenüber rund 39.000 Dollar, die das bislang günstigste Tesla-Modell kostet. Zum Vergleich: Elektroautos chinesischer Hersteller sind oftmals bereits für rund 10.000 Dollar zu haben und damit deutlich erschwinglicher.

Voller Fokus auf riskante Robotaxis?

Immer wieder hatte Musk vor Angestellten und Investoren versprochen, das günstigere Fahrzeug auf den Markt zu bringen. Bereits in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres sollten erste Autos in der Fabrik in Texas vom Band laufen, mittelfristig war die Produktion sogar für das deutsche Werk im brandenburgischen Grünheide vorgesehen. Daraus wird nun offenbar nichts, sehr zur Enttäuschung der Anleger, die auch diese Meldung bereits mit einem deutlichen Kursdämpfer quittierten.

Statt auf die Finalisierung des massentauglichen Tesla-Fahrzeugs fokussiert sich das Unternehmen nun wohl auf die Entwicklung selbst fahrender Robotertaxis – ein Unterfangen, das deutlich komplizierter, langwieriger, kostspieliger und risikobehafteter ist als der Vertrieb eines Familienautos mit Elektromotor.

Schwindende Marktanteile, rückläufige Verkaufszahlen – Anleger verlieren die Geduld

Kein Wunder also, dass Anleger allmählich die Geduld verlieren – zumal aktuelle Zahlen alles andere als vielversprechend wirken. So hat Tesla auch im zurückliegenden Quartal deutlich mehr Autos produziert als verkauft. Zugleich sinkt der Marktanteil im Heimatmarkt USA: Dort dominierte Tesla das Elektroautosegment im Frühjahr 2022 noch mit 65 Prozent. Ein Jahr später waren es nur noch 59 Prozent und zuletzt ging der Marktanteil noch einmal auf 51 Prozent zurück – fast jedes zweite neue Elektroauto in den USA kommt damit von einem anderen Hersteller.

Die Bilanz für das Auftaktquartal wird Tesla am kommenden Dienstag vorlegen. Investoren hoffen auf klare Ansagen des Chefs, auch und gerade im Hinblick auf das eigentlich geplante günstigere Modell. Dass dieses eingestampft oder zumindest hintangestellt werden soll, hatten zahlreiche Medien berichtet, Musk selbst jedoch hatte diese Berichte dementiert. Im Zuge der Bilanzpräsentation wird er sich daher wohl konkreten Nachfragen hierzu stellen müssen – und eine klare Botschaft aussenden, wie es weitergehen soll mit Tesla und seiner Erfolgsgeschichte. Anders lassen sich die Geldgeber auf Dauer wohl nicht bei der Stange halten.