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Rivian-Aktie: Wenn die Euphorie der Realität weicht!

Rivian-Aktie: Wenn die Euphorie der Realität weicht!
Vova / stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Es sind gut zehn Monate vergangen, seit das kalifornische Startup Rivian mit Pauken und Trompeten an der Börse gestartet war. Das ist wahrlich nicht übertrieben, schließlich war Rivian einige Tage nach dem IPO zeitweise so viel wert wie das Autoimperium Volkswagen.

Der wichtigste Grund für die Euphorie war niemand geringeres als Amazon. Der Tech-Konzern hatte nämlich 100.000 speziell entwickelte Elektro-Transporter bei Rivian bestellt, die bis 2030 ausgeliefert werden sollen.

Rivian meldet Mega-Verlust für Q2

Inzwischen konnte das Startup zwar die ersten Fabrikate an Amazon übergeben. Doch jetzt gerät Rivian wegen der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen unter die Räder. Die Erfolgsstory der US-Amerikaner verschiebt sich somit ins Ungewisse und die Aktie bleibt schwer unter Druck.

Schauen Sie: Zwar konnte Rivian im zweiten Quartal 2022 seine Auslieferungen auf rund 4.470 Elektroautos steigern und damit einen Umsatz von 364 Millionen Dollar generieren. Profitabel ist das Unternehmen allerdings noch lange nicht. Allein im zweiten Quartal fuhr Rivian einen Nettoverlust von sage und schreibe 1,7 Milliarden Dollar ein. Der Fehlbetrag war damit mehr als dreimal so hoch wie im Vorjahreszeitraum und mehr als viermal so hoch wie der jüngste Umsatz.

Rivian in der Inflationsfalle

Besonders bitter: Ausgerechnet inmitten des Produktionshochlaufs wird Rivian von den äußeren Bedingungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. So begründete das Startup den enormen Nettoverlust vor allem mit den Störungen in den Lieferketten und den exorbitant gestiegenen Kosten.

Nach eigenen Angaben sind die operativen Kosten zum Beispiel wegen gestiegener Materialaufwendungen und hoher Energiepreise in Q2 um 73 Prozent auf über eine Milliarde Dollar angewachsen. Das entspricht in etwa einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Entsprechend hat das Unternehmen nun seine Prognose für das Gesamtjahr angepasst. Demnach rechnet Rivian damit, dass man in 2022 einen Verlust von insgesamt 5,4 Milliarden Dollar einfahren werde. Zuvor hatte man den Anlegern hier „nur“ -4,7 Milliarden in Aussicht gestellt.

Ausreichend Geld zum Verbrennen ist da – noch

Was auffällt: Rivian gab sich trotz der tiefroten Zahlen optimistisch. So verfüge man nach wie vor über 15,5 Milliarden Dollar an Barmitteln, um die Verluste abzufangen. Der Firma kommt hier zugute, dass große Investoren wie Amazon Unsummen investiert hatten.

Die Zeit spielt trotzdem gegen Rivian. Das Unternehmen will bereits im dritten Quartal ungeachtet  der immer noch vorherrschenden Probleme seine Produktionsquote massiv nach oben schrauben. Schließlich liegen Rivian etliche Vorbestellungen vor – rund 98.000 in den USA und Kanada.

Ohnehin wolle man die Verluste jetzt begrenzen, betonte das Unternehmen im Rahmen der Quartalspräsentation. Hierfür sollen im Stammwerk Illinois 6 Prozent der Stellen wegfallen. Das große Ziel sei die Profitabilität, so Rivian-Gründer Robert RJ Scaringe. Wann genau die Gewinnzone erreicht werden könnte, ließ Scaringe allerdings nach wie vor offen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Rivian wurde einst als großer neuer Star an der Börse gefeiert. Doch die Vorschusslorbeeren waren verführt – die Aktie krachte daraufhin empfindlich ein. Jetzt muss das Startup auch noch mit den inflationären Kosten zurechtkommen, die die Firma zum wohl ungünstigsten Zeitpunkt treffen.

Abschreiben sollte man Rivian jedoch nicht. Allein die Kooperation mit Amazon verschafft dem Unternehmen enormes Potenzial und vor allem eine gewisse Reputation, die auch andere Kunden ansprechend finden könnten.

Große Hoffnung setzen die Kalifornier übrigens auf den Elektro-Pick-up „R1T“. Dieser soll den lukrativen Pick-up-Markt in den USA aufrollen und Platzhirschen wie Ford Paroli bieten. Ob das gelingen wird, kann freilich nur die Zeit beantworten. Bis dahin dürfte Rivian im schlimmsten Falle noch einige Milliarden an Cash verbrennen.

Unklar ist indes, inwieweit Rivian von den Subventionen für Elektroautos in den USA unterstützt wird. Das Unternehmen jedenfalls geht davon aus, dass die R1-Serie (Pickups und SUVs) wahrscheinlich nicht von den Steueranreizen der jüngst vom Senat verabschiedeten Klimaförderung profitieren werde.

Immerhin könne man wohl Subventionen für die großen elektrischen Nutzfahrzeuge einstreichen – ähnlich denen, die man für Amazon herstelle, betonte CEO Scaringe gegenüber Analysten.

Mein Fazit für Sie: Rivian-Aktie bleibt Spiel mit dem Feuer

Die Rivian-Aktie bleibt meiner Meinung nach unterm Strich ein Spiel mit dem Feuer. Zwar hat das Papier in den letzten Monaten deutlich abgewertet. Allein zwischen Anfang Januar und Mitte August verlor die Aktie mehr als 57 Prozent (Kursstand: 15.08.2022).

Doch bei Rivian gibt es immer noch sehr viele Unwägbarkeiten und Unsicherheiten, die auf absehbare Zeit auf den Aktienkurs drücken dürften. Denn: Noch immer ist es reine Spekulation, ob Rivian in Zukunft wirklich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für die US-Platzhirsche avancieren kann. Auch weil man relativ spät auf den Elektro-Zug aufgesprungen ist.

Aber wie heißt es so schön: Was lange währt, wird endlich gut. Hoffentlich gilt das auch für Rivian.