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Feierstimmung nach Q3-Bilanz: Netflix kriegt die Kurve

Inhaltsverzeichnis

Vom Superstar zum Sorgenkind und wieder zurück: Netflix ist mit seiner jüngsten Quartalsbilanz der ersehnte Befreiungsschlag gelungen.

Netflix übertrifft Markterwartungen deutlich

Mit seinen Zahlen für den Geschäftszeitraum von Juli bis Ende September hat der Streamingdienst die Erwartungen von Analysten und Anlegern klar übertroffen. Der Umsatz stieg um rund 6 Prozent auf gut 7,9 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt lediglich 7,84 Milliarden Dollar erwartet. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 3,10 Dollar und lag damit deutlich über den Schätzungen der Analysten, die von nur 2,11 Dollar je Aktie ausgegangen waren.

Besonders stark entwickelten sich zudem die Abonnentenzahlen. Hier verzeichnete Netflix einen Anstieg um gut 2,4 Millionen Nutzer. Analysten hatten dem Streaminganbieter lediglich ein Plus von knapp 1,1 Millionen Nutzern zugetraut. Die Kennziffer stand unter besonderer Beobachtung, nachdem Netflix in den vorangegangenen Quartalen Nutzer verloren hatte.

Streamingdienst rechnet mit Millionen Neukunden

Nun aber konnte das Angebot vor allem mit erfolgreichen Eigenproduktionen wieder punkten und sich so gegen die erstarkende Konkurrenz durchsetzen. Vor allem Amazon Prime Video und Disney+ haben in den vergangenen Jahren am Netflix-Thron gesägt und so manchen Abonnenten abgeworben.

Für das laufende Schlussquartal kalkuliert Netflix sogar mit einem noch deutlicheren Kundenzuwachs: Um 4,5 Millionen Abonnenten soll der Stamm bis zum Jahresende wachsen. Dazu beitragen soll vor allem ein günstigeres Abo-Modell, das – anders als bisher – auch Werbung vorsieht.

Netflix wagt Werbe-Experiment

Damit betritt Netflix Neuland. Bislang hatte der Streamingdienst auf ein vollständig werbefreies Angebot gesetzt. Für Kunden, die bereit sind, etwas mehr zu zahlen, soll das auch weiterhin möglich sein. Mit den werbegestützten neuen Tarifmodellen sollen nun aber etliche Interessenten dazu bewegt werden, ein eigenes Abo abzuschließen.

Mit dem Schritt will Netflix auch dem alten Problem entgegenwirken, dass Abonnenten ihr Passwort mit Freunden und Verwandten teilen und somit viele Zuschauer auf Netflix-Inhalte zugreifen, ohne selbst dafür zu zahlen. Das Unternehmen sieht hier ein gewaltiges Potenzial – und will ab dem kommenden Jahr noch deutlich rigoroser als bisher dem Passwort-Sharing entgegenwirken.

Netflix Aktie: Analysten heben den Daumen

Bei Anlegern und Analysten kam die Bilanz ausgesprochen gut an. Nach mehreren durchwachsenen Quartalen wirkten die Q3-Zahlen wie ein Befreiungsschlag. Die Netflix Aktie notierte zeitweise zweistellig im Plus.

Mehrere Analysten hoben zudem ihre Kursziele für die Netflix Aktie an. Die Schweizer Großbank Credit Suisse setzte das Kursziel von 263 auf 271 US-Dollar hoch, beließ die Einstufung des Papiers aber auf „neutral“. Mit der UBS bestätigte auch eine andere Schweizer Bank ihre neutrale Einschätzung und beließ das Kursziel für die Netflix Aktie zudem unverändert bei 250 Dollar.

Turnaround nach Q3-Zahlen: Ist das die erhoffte Trendwende?

Dagegen fiel die Reaktion der Deutschen Bank deutlich positiver aus: Hier wurde die Netflix Aktie von „hold“ auf „buy“ hochgestuft und zugleich das Kursziel von 270 auf 350 Dollar angehoben. Auch die US-Bank JP Morgan vollzog eine entsprechende Hochstufung von „neutral“ auf „overweight“ und garnierte die Kaufempfehlung mit einer Kurszielanhebung von 240 auf 330 Dollar.

Zum Wochenauftakt kostete das Papier rund 290 Dollar. Die jüngsten Geschäftszahlen dürften nach Einschätzung von Beobachtern eine Kehrtwende einläuten, nachdem die vorherigen Bilanzen die Aktie jeweils tiefer in die Verlustzone hatten abstürzen lassen. Noch immer summiert sich der Kursverlust seit Jahresbeginn auf fast 50 Prozent.