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Disney überholt Netflix – schreibt aber hohe Verluste

Inhaltsverzeichnis

Der Konkurrenzkampf auf dem Markt der Streaminganbieter wird härter. Das zeigt sich gerade in diesen Tagen und mit Blick auf die Rivalen Netflix und Disney.

Bei den Abozahlen ist Disney jetzt die Nummer 1

In Sachen Abonnentenzahlen konnte der Walt Disney Konzern mit seinen drei Streamingangeboten Disney+, ESPN+ und Hulu insgesamt den bisherigen Platzhirsch Netflix überholen: Zusammen kommen die drei Disney-Kanäle auf 235 Millionen zahlende Kunden, während Netflix „nur“ 223 Millionen Nutzerkonten zählt. Das ging aus den Quartalsberichten beider Unternehmen zu Ende September hervor.

Allein Disney+ wuchs in den drei Monaten von Juli bis September um 39 Prozent und damit stärker als von Analysten erwartet – obwohl ein Wachstum absehbar war, immerhin expandierte der Dienst in mehr als 40 weitere Länder.

Milliardenverluste mit Streaminggeschäft: Disney setzt den Rotstift an

Trotzdem schreibt Walt Disney mit seinen Streamingangeboten nach wie vor rote Zahlen: Der Quartalsverlust im Streaminggeschäft summierte sich auf insgesamt 1,5 Milliarden Dollar – doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Unternehmen führte diese Entwicklung auf hohe Kosten für die Erschließung neuer Märkte einerseits und Investitionen in aufwendige Inhalte andererseits zurück. Konzernweit konnte Disney seinen Quartalsgewinn minimal steigern um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 162 Millionen Dollar. Damit verfehlte der Konzern die Erwartungen der Beobachter, ebenso wie beim Umsatz, der binnen Jahresfrist um 9 Prozent zulegen konnte auf gut 20 Milliarden Dollar.

Anleger reagierten mit Aktienverkäufen, der Kurs der Disney Aktie brach um zeitweise mehr als 10 Prozentpunkte ein. Auch das Management reagierte: Kurz nach Vorstellung der Quartalsbilanz verhängte der Vorstand einen Einstellungsstopp und stellt weitere Einsparungen in Aussicht.

Netflix kann Analystenprognosen übertreffen

Netflix verzeichnete im 3. Quartal einen Gesamtumsatz von knapp 8 Milliarden Dollar und steigerte seinen Umsatz damit im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 6 Prozent. Dazu trugen vor allem 2,4 Millionen neue Bezahl-Abos bei, womit Netflix die Prognosen der Analysten deutlich übertreffen konnte: Sie waren in ihren Schätzungen vorab von lediglich 1 Million zahlender Neukunden ausgegangen. Beim Nettogewinn verbuchte der Streaminganbieter einen Rückgang um 4 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar.

Anleger reagierten positiv und griffen beherzt zu, die Netflix Aktie notierte zeitweise zweistellig im Plus. Seit Mitte Oktober schaffte das Papier mehrfach den Sprung über die Marke von 300 Dollar, unterbrochen von mehreren Rücksetzern. Anfang Dezember war die Netflix Aktie rund 320 Dollar wert.

Netflix Aktie: Kursziele angehoben

Mehrere Analysten reagierten auf den jüngsten Quartalsbericht und drückten der Netflix Aktie einen besseren Stempel auf: Unter anderem haben die Deutsche Bank sowie die US-Großbank JP Morgan ihre Einstufung von „halten“ auf „kaufen“ angehoben und zugleich die Kursziele nach oben geschraubt. So geht die Deutsche Bank nunmehr von einem Kursziel von 350 Dollar aus nach zuvor 270 Dollar, JP Morgan hob das Kursziel an von 240 auf 330 Dollar.

Die britische Barclays Bank erhöhte das Kursziel von 170 auf 235 Dollar, die Schweizer Credit Suisse von 263 auf 271 Dollar. Beide Geldhäuser behielten ihre neutralen Einstufungen für die Netflix Aktie bei.

Neue Werbe-Abos sollen zusätzliche Nutzer bringen

Mit Blick auf die Walt Disney Aktie fielen die Reaktionen der Analysten weniger optimistisch aus. Zwar bestätigten Credit Suisse, JP Morgan und auch die kanadische Bank RBC ihre Kaufempfehlungen für das Papier, senkten aber zum Teil die Kurszielerwartungen ab. So kürzte JP Morgan das Ziel von 145 auf 135 Dollar und die Credit Suisse von 157 auf 126 Dollar, während RBC das Kursziel von 130 Dollar für die Walt Disney Aktie bestätigte.

Um die Nutzerzahlen auch weiterhin zu steigern, haben sowohl Netflix als auch Disney ein neues Tarifmodell auf den Weg gebracht, das – beginnend im laufenden Quartal – nach und nach in mehreren Ländern freigeschaltet werden soll. In beiden Fällen basiert es auf dem gleichen Konzept: Der Preis für das monatliche Abo wird günstiger, dafür nehmen die Nutzer Werbeeinblendungen in Kauf.

Gewagtes Experiment: Analysten sehen großes Potenzial

Es ist ein durchaus gewagtes Experiment, vor allem für Netflix, das bis dato auf ein vollständig werbefreies Angebot gesetzt hatte. Angesichts der hohen Inflation und dadurch sinkender Kaufkraft vieler Haushalte kommt es aber vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt: Wer seine Fixkosten senken und bei Netflix sparen will, kann das mit Hilfe des teilweise werbefinanzierten Modells nunmehr auch tun, ohne gleich das Abo aufzukündigen.

Analysten sehen in den Werbe-Abos großes Potenzial, neue, preisbewusste Nutzergruppen zu erschließen und den Kundenstamm noch einmal deutlich auszuweiten. Inwieweit das Konzept aufgeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Ein erster Eindruck zeichnet sich vielleicht bereits mit der Bilanzpräsentation für das Weihnachtsquartal ab – immerhin hat Netflix sein Werbe-Abo im November freigeschaltet, das entsprechende Pendant von Disney soll noch im Dezember zur Verfügung stehen.