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Tech-Branche vor Bilanzsaison – wie reagieren Anleger?

Inhaltsverzeichnis

Eine Entlassungswelle rollt durch das Silicon Valley: Mehr als 50.000 Beschäftigte sollen allein bei den Branchenriesen Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft ihren Job verlieren.

Corona-Sonderkonjunktur abgeflaut

Die Herausforderungen für die Konzerne sind im Einzelnen unterschiedlich gelagert, dennoch haben sie ein gemeinsames Kernproblem. Die Hochphase der Pandemie entpuppte sich für die Tech-Branche als Sonderkonjunktur. Firmen rüsteten innerhalb kürzester Zeit ihre digitale Infrastruktur nach und setzten zum Teil lang aufgeschobene Investitionen um, damit die Angestellten aus dem Home Office heraus arbeiten konnten. Dafür schafften Arbeitgeber nicht nur mobile Endgeräte mit entsprechenden Lizenzen an, sondern bauten zudem auch ihre Cloudstruktur aus – oder erstmals auf.

Microsoft, Amazon und Google-Mutter Alphabet sind die drei marktdominierenden Anbieter im Cloudgeschäft. Gerade für Amazon hat sich die Sparte AWS (Amazon Web Services) in den vergangenen Jahren zur Cash Cow Nummer eins gemausert. Microsoft profitierte zudem von den Softwarelizenzen für sein Betriebssystem und seine Office-Produkte, die im geschäftlichen Umfeld ganz überwiegend zum Einsatz kommen.

Amazon profitierte besonders stark …

Amazon profitierte aber auch an anderer Stelle, und das gleich doppelt: Zum einen war der stationäre Einzelhandel über Monate nur sehr eingeschränkt zugänglich, sodass der ohnehin schon vorhandene Boom des Onlineshoppings noch mehr Schwung bekam. Zum anderen entfielen auch die meisten Freizeitangebote, sodass vermehrt auf Entertainment in den eigenen vier Wänden zurückgegriffen wurde – etwa Netflix oder eben Amazon Prime als einer der größten Streaminganbieter.

Inzwischen aber hat sich die Dynamik der Pandemie etwas entschärft. Impfstoffe sind verfügbar, das Virus hat seinen Schrecken verloren und ist zu einer meist harmlosen Erkältung mutiert. Die Normalität ist in den vergangenen Monaten in den meisten Ländern wieder eingekehrt. Selbst Chinas Zentralregierung hat vor wenigen Wochen ihre strikte Null-Covid-Politik aufgegeben und praktisch über Nacht nahezu alle pandemiebedingten Beschränkungen aufgehoben.

… und entlässt nun besonders viele Mitarbeiter

Dadurch werden zwar angestoßene oder bereits umgesetzte Digitalisierungsprojekte nicht rückabgewickelt: Viele Arbeitnehmer behalten die Option, von zuhause aus zu arbeiten, auch weiterhin bei, sofern die Arbeitgeber dies zulassen. Doch der umfassende Schwung ist raus, der den Tech-Riesen insbesondere in den Jahren 2020 und 2021 erhebliche Gewinne beschert hat.

Damals rekrutierten die Konzerne zigtausende neue Mitarbeiter. Allein Amazon hat seine Belegschaft im Zeitraum von 2019 bis Ende 2021 verdoppelt auf weltweit 1,6 Millionen Beschäftigte. Microsoft stellte im gleichen Zeitraum gut 75.000 neue Mitarbeiter ein. Gemessen daran sind die nun angekündigten Stellenkürzungen vergleichsweise überschaubar: Microsoft hat den Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen angekündigt, Amazon geht mit seinem Kahlschlag noch weiter und setzt 18.000 Beschäftigte vor die Tür. Google-Mutterkonzern Alphabet plant einen Personalabbau um 12.000 Stellen, Facebook-Mutter Meta kündigt rund 11.000 Mitarbeitern.

Fehlerhafte Personalplanung während Pandemie?

Die Entlassungswelle offenbart, dass sich die Unternehmensführung in der Personalplanung verkalkuliert hat. Während der Hochphase der Pandemie wurden zu viele Jobs neu geschaffen, die jetzt nicht mehr zu halten sind. Zur Begründung wird unisono auf die erhofften mittelfristigen Kosteneinsparungen verwiesen – auch wenn Abfindungen und Co. die Umstrukturierung erst einmal teuer machen.

Anleger sehen darin überwiegend einen richtigen Schritt: Seit Jahresbeginn konnten die zuvor arg gebeutelten Aktien der Tech-Branche kräftig zulegen. Die Papiere von Meta und Amazon liegen seit Anfang Januar sogar schon zweistellig im Plus.

Quartalszahlen voraus – Offenbarungen bis Anfang Februar

Aktionäre fürchten, ebenso wie die Vorstände, rückläufige Investitionen und insbesondere schrumpfende Marketingbudgets in den Unternehmen angesichts der schwierigen makroökonomischen Großwetterlage. Hohe Inflation, steigende Zinsen und drohende Rezession sorgen nicht nur für nachlassende Konsumlust privater Verbraucher, sondern lassen auch Firmen den sprichwörtlichen Gürtel enger schnallen.

Zu spüren bekommen das vor allem jene Unternehmen, die einen signifikanten Anteil ihrer Gewinne durch das Schalten von Werbeanzeigen generieren – allen voran Meta, aber auch Alphabet und Amazon sind hier stark betroffen. Wie stark genau, das wird sich schon bald zeigen, denn in der laufenden Berichtsaison an der Wall Street stehen diese und nächste Woche die Bilanzen der Technologieriesen auf der Agenda.

Den Auftakt macht am heutigen Dienstag nach Börsenschluss Microsoft, in der kommenden Woche folgen dann die frischen Quartalszahlen von Amazon, Meta, Alphabet und Apple.