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Boeing Aktie : Flugzeugbauer vor Jahresbilanzen: Wie steht es um Boeing und Airbus?

Erinnern Sie sich noch ans Flugtaxi? Es war das vielzitierte Zukunftsprojekt, das Dorothee Bär – in der vorherigen Regierung als Beauftragte zuständig für Deutschlands Digitallandschaft – vorantreiben wollte.

Daraus wurde bekanntlich wenig. Die offensichtlichen Lücken bei der Digitalisierung Deutschlands wurden stattdessen von der Pandemie schonungslos offengelegt, vom Funkloch im Handynetz bis hin zum Internetanschluss im ländlichen Raum wäre an der Basisinfrastruktur noch viel zu tun.

Boeing investiert in Flugtaxis

Das Flugtaxi-Vorhaben hingegen gilt zumindest bei Luftfahrtunternehmen durchaus als Zukunftsvision. US-Flugzeughersteller Boeing hat gerade erst fast eine halbe Milliarde US-Dollar in ein entsprechendes Start-up gesteckt.

Die Firma mit dem Namen Wisk Aero entwickelt ein Miniflugzeug, das zwei Personen transportieren soll, mit 40 Kilometern aber eine eher begrenzte Reichweite aufbietet. Betrieben werden sollen die Fluggefährte elektrisch, zudem sollen sie ohne Piloten auskommen, aber vom Boden aus fernsteuerbar sein. Würden Sie einsteigen?

Boeing zumindest sieht hier offenbar Potenzial, auch wenn noch völlig unklar ist, ob oder wann entsprechende Fluggeräte zugelassen werden – oder inwieweit ihr Betrieb überhaupt wirtschaftlich sinnvoll ist. Dennoch ist Boeing nicht das einzige Unternehmen, das auf Flugtaxis als Fortbewegungsmittel der Zukunft setzt. Auch mehrere deutsche Start-ups sind in dem Geschäft aktiv und Boeing-Konkurrent Airbus tüftelt offenbar ebenfalls an einem eigenen Modell.

Airbus: Streit mit Qatar Airways landet vor Gericht

Der deutsch-französische Flugzeughersteller kämpft unterdessen jedoch mit sehr viel alltäglicheren Problemen. Man liegt im Clinch mit Qatar Airways, einem Großkunden und wichtigen Abnehmer der Airbus-Jets.

In dem Streit geht es um die A350-Flotte der Fluggesellschaft. Diese steht derzeit am Boden, die Airline verweist auf Lackschäden und Rissen an der Außenverkleidung. Airbus räumte Reparaturbedarf ein, hält die Schäden aber nicht für sicherheitsrelevant und das Grounden der Flugzeuge daher nicht für notwendig.

Airline fordert Entschädigung – Airbus wiegelt ab

Genau dafür aber fordert Qatar Airways nun eine Entschädigung von Airbus. In einer ersten gerichtlichen Anhörung war die Rede von 618 Millionen US-Dollar – plus weiteren 4 Millionen pro Tag, an dem die Jets wegen der Mängel nicht eingesetzt werden können. Airbus wirft seinem Großkunden unterdessen Manipulationen an den Flugzeugen vor, um die Entschädigungszahlung einzustreichen.

Derweil hat Qatar Airways die Abnahme weiterer A350-Jets gestoppt – worauf der Boeing-Rivale nun drastisch reagierte: Airbus hat seinerseits einen Großauftrag von Qatar Airways storniert, es ging um 50 Maschinen des derzeit sehr beliebten Typs A321neo, die eigentlich Anfang kommenden Jahres ausgeliefert werden sollten. Zur Begründung verwies der Hersteller auf die Nichterfüllung des A350-Vertrags seitens der Fluggesellschaft, weil diese die Abnahme ausgesetzt habe.

Wer am Ende den Kürzeren zieht, ist noch offen. Im April soll eine weitere Anhörung vor dem Londoner Gericht stattfinden.

Bei Anlegern hat Airbus klar die Nase vorn

Im Konkurrenzkampf mit Boeing hat Airbus in den vergangenen Jahren die besseren Karten gehabt. Der US-Hersteller hat sich von dem Imagedesaster um das Modell 737 Max noch nicht wirklich erholen können. Nach zwei Abstürzen waren Jets dieses Typs – einer der beliebtesten Baureihen von Boeing – fast zwei Jahre lang weltweit am Boden geblieben, bis Sicherheitslücken beseitigt wurden. Im Zuge der Aufarbeitung des Skandals kamen jedoch auch nachlässige Zulassungspraktiken ans Licht, die auch die zuständigen US-Behörden in Bedrängnis brachten.

Bei Anlegern ging das Interesse an Boeing Aktien ebenfalls spürbar zurück: Betrachtet man den Zeitraum der vergangenen fünf Jahre, liegt der Kurs der Boeing Aktie gerade einmal etwas mehr als 20 Prozent im Plus. Im gleichen Zeitraum konnten sich Anteilsscheine von Airbus um zwei Drittel verteuern.

Analysten rechnen mit Erholung der Luftfahrtbranche – und sehen Kurspotenzial

Für das laufende Jahr rechnen Analysten insgesamt mit einer Erholung der Luftfahrtbranche und einer allmählichen Normalisierung des Reiseverkehrs. Sowohl für Boeing als auch für Airbus liegen derzeit mehrere positive Analysteneinschätzungen vor, die zum Kauf raten und beiden Herstellern Kurspotenzial bescheinigen.

So sieht die kanadische RBC wie auch die US-Großbank Goldman Sachs die Boeing Aktie auf der Einkaufsliste, die Kursziele liegen mit 275 und 305 Dollar zwar ein Stück weit auseinander, jedoch jeweils deutlich über dem aktuellen Kurs von gut 200 Dollar.

Auch bei Airbus zeigten sich die Experten von Goldman Sachs zuletzt optimistischer als die meisten ihrer Kollegen: Sie haben das Ziel erst in der vergangenen Woche angehoben und bescheinigen der Airbus Aktie nun eine faire Bewertung von 176 Euro nach vormals 159 Euro. Die meisten anderen Analysten sehen das Kursziel für die Airbus Aktie im Bereich zwischen 130 und 150 Euro. Zu haben war das Papier zuletzt für rund 110 Euro.

Boeing-Bilanz am heutigen Mittwoch: Experten rechnen mit Verlusten

Mit Blick auf die Bilanzen hingegen gehen die Schätzungen eindeutig zugunsten der Europäer: Für das Schlussquartal 2021 rechnen Beobachter mit einem Gewinn je Aktie von rund 1,13 Euro, während für Boeing erneut ein Quartalsverlust erwartet wird. Nach einem Minus von 0,60 Dollar je Aktie im Zeitraum von Juli bis Ende September gehen Analysten nun von einem etwas geringeren Verlust aus in Höhe von knapp 0,36 Dollar je Anteilsschein. Im Jahresverlauf 2022 trauen sie Boeing jedoch eine Rückkehr in die Gewinnzone zu.

Inwieweit die Analysten mit ihren Prognosen richtig liegen, werden die aktuellen Geschäftszahlen zeigen. Diese wird Boeing schon am heutigen Mittwoch vorlegen, während sich Anleger bei Airbus noch eine Weile gedulden müssen: Hier wird die Bilanzpräsentation für den 17. Februar erwartet.

Geschäftsmann mit Diagramm

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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