Amazon ohne Weihnachtsfreude – US-Techs unter Druck

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Oh, oh – das war eine schlimme Woche für die Big Techs aus Amerika. Ob nun Meta, Microsoft, Apple oder die Google-Mutter Alpabet, auch die großen Konzerne aus den USA, die Millionen von Menschen mit ihren Waren und Dienstleistungen beglücken, können nicht umhin mit sorgenvoller Miene ins nächste Quartal zu schauen.

Dabei waren es nicht unbedingt die Quartalszahlen, die auf den Unternehmen lasten, sondern vielmehr die Frage, wie wird sich Umsatz und Gewinn in Zukunft, heißt im Q4 weiter entwickeln bei hohen Inflationsdaten und zunehmenden Rezessionssorgen?

Nicht einmal Amazon konnte überzeugen

Das dann auch noch der König der Warenlieferung, Amazon weder im abgelaufenen Quartal noch beim Thema Aussicht auf Q4 punkten konnte, lag dann schon bleischwer über dem Marktgeschehen.

Allein schon die Tatsache, dass der Online-Primus trotz der Anhebung seiner Beiträge im Prime Mitgliederbereich und zwei Sonder- Verkaufsaktionen mit einem Umsatz von 127,1 Mrd. Dollar hinter den Analystenerwartungen lag, vermag da schon einiges an Fragezeichen aufzuwerfen. Zudem auch noch das sehr einträgliche Geschäft mit der Cloud nicht so ambitioniert wächst, wie man sich das in Seattle vorstellt. Wobei das Wachstum von immerhin 28% schon sehr ordentlich ist, aber der Erlös von 20,5 Mrd. Dollar dann schon eher enttäuscht hat.

Woran hat es gelegen?

Da fragt sich natürlich so manch ein Investor, woran es denn gelegen hat. Natürlich spürt auch Amazon den Inflationsdruck bei Energie, Benzin und Transport im eigenen Haus. Hier ist man natürlich schon längst auf eine rigide Kostenkontrolle umgeschwenkt, aber wenn die Ausgaben stärker steigen als die Einnahmen, wie in Q3 geschehen, bei einer Ausgabensteigerung von 18% auf 125 Mrd. Dollar, dann spürt das auch der Online-Gigant.

Zudem dann auch noch ein starker Dollar kommt, der die Auslandserlöse nach Umrechnung in den „greenback“ dahinschmelzen lässt.

Weiterhin dann auch noch eine enorm hohe Inflation weltweit omnipräsent ist und natürlich das Einkommen vieler Amazon-Kunden längerfristig beschneiden dürfte, dementsprechend nicht nur der globale Einzelhandel unter Druck gerät, sondern auch ein global agierendes Onlineverkaufshaus, wie Amazon.

Beim Ausblick sah es nicht anders aus

Dass da der Ausblick nicht gerade überbordend jubelnd ausfällt, ist somit wenig verwunderlich. Heißt also auch für den Liebling der Wall Street, dass man sich zukünftig, zumindest solange das Thema Inflation/ Rezession nicht vom Tisch ist, auf schwächere Wachstumsraten einstellen muss.

Konkret gesehen, äußert sich das dahingehend, dass auch der Online-Liebling, nach Verkünden der Quartalszahlen, nicht umhin kam wegen steigender Kosten die Marktteilnehmer zu warnen, dass das operative Ergebnis in den nächsten drei Monaten voraussichtlich bei 0 bis 4 Mrd. Dollar liegen könnte, nach 3,5 Mrd. im Vorjahreszeitraum. 

Getrübte Weihnachtsaussichten lassen Anleger das Papier auf den Markt werfen

Dass da keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommt, ist wohl verständlich, denn besonders das laufende Q4 ist normalerweise das umsatzstärkste Quartal, in dem jetzt aber lediglich Erlöse von 140 bis 148 Mrd. Dollar avisiert werden, also ein Wachstum von gerade mal 2% bis 8%.

Dass nach so viel Misstönen viele Anleger die Reißleine gezogen haben und die Aktien wahllos auf den Markt geschmissen haben, mag für die kurzfristig orientierten Investoren ja noch OK sein, aber langfristig bietet das größte westlich orientierte Onlinekaufhaus trotzdem nach wie vor enorme Chancen.

Langfristig macht ein Verkauf keinen Sinn!

Denn wie in jeder Krise, wird es auch Gewinner geben. Im Vergleich zu Amazon haben es alle Wettbewerber aktuell nicht leicht ihre Waren an Mann und Frau zu bringen, aber im Bereich des E-Commerce und vor allem im Cloudgeschäft ist der einstige Buch- und CD-Versand eine wirkliche Macht, die auch sicher wieder zu alter Stärke finden wird, wenn es die Notenbanken dieser Welt schaffen, der Inflation Herr zu werden und wieder Preisstabilität garantieren können.

Letztlich die Aktie natürlich auch gerade sehr günstig geworden ist, bei einem Schlusskurs vom Freitag bei 103,82 Euro, fast schon ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass sie noch Mitte November 2021 bei über 163 Euro stand.