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Amazon-Aktie: Zerschlagung? Das müssen Sie jetzt wissen!

Inhaltsverzeichnis

Als Jeff Bezos 1994 das Startup Amazon ins Leben rief, dachte noch niemand daran, dass aus dem kleinen Online-Buchhändler ein Konzern mit Weltrang werden könnte. Heute setzt Amazon mit seinen 1,5 Millionen Mitarbeitern pro Jahr etwa eine halbe Billion US-Dollar um.

Doch diese Macht und der enorme Einfluss stößt immer wieder auf Kritik. Im Mittelpunkt steht der Marketplace. Das Problem: Dieser ist inzwischen so groß, dass Online-Händler kaum eine andere Wahl haben, als auf die E-Commerce-Plattform zu setzen. Gleichzeitig ist Amazon sowohl der Betreiber des Marketplace als auch selbst ein Händler. Kritiker werfen dem Techkonzern deshalb vor, diese Doppelstellung auszunutzen, um externe Händler zum eigenen Vorteil zu benachteiligen.

Kein Wunder also, dass Wettbewerbshüter, Politiker, aber auch Tech-Konkurrenten wie der US-Milliardär Elon Musk staatliche Eingriffe fordern, um Amazons Quasi-Monopol zu zerschlagen. Vor wenigen Tagen hat nun eine niederländische Organisation laut einem Bericht des „Spiegel“ jene Forderung erneuert.

Marketplace: Somo-Analyse sieht Händler im „Würgegriff“ Amazons

Konkret geht es um die Denkfabrik Somo, die eine umfassende Analyse zu den Geschäftspraktiken Amazons rund um den Marketplace erstellt hat. Aus eben dieser Studie hat der „Spiegel“ kürzlich einige wichtige Eckpunkte zitiert. Demnach haben sich die Einnahmen des Konzerns durch unabhängige Händler in Europa zwischen 2017 und 2022 von 7,6 auf 23,5 Milliarden Euro verdreifacht.

Somo sieht darin einen Beleg, dass Amazon die externen Shop-Betreiber förmlich ausquetscht. So müssen die Online-Händler laut der Analyse viel Geld bezahlen, um auf der Plattform überhaupt gelistet werden zu können. Hinzu kämen Ausgaben für die Lagerung und den Versand ihrer Produkte durch Amazon.

Nicht zuletzt müssen die Händler an Amazon auch Werbegelder bezahlen, um ihre Sichtbarkeit auf dem Marketplace angesichts des horrenden Wettbewerbs zu erhalten. Jene Einnahmen stiegen bei Amazon zwischen 2017 und 2021 in Europa von 300 Millionen auf 5,4 Milliarden Euro. Allein in Deutschland mussten die Händler im Jahr 2021 demnach 2,1 Milliarden Euro hierfür ausgeben – etwa 21-mal so viel wie im Jahr 2017.

Laut Somo führt das in Kombination mit anderen, stetig steigenden Gebühren dazu, dass die Gewinnmargen der externen Händler sukzessive zurückgehen. Die Denkfabrik sieht die Händler daher im „Würgegriff“ des Techriesen.

Somo fordert Zerschlagung

Neben der Analyse der Geschäftsdaten hat Somo auch Interviews unter anderem mit einigen Händlern geführt. Diese bestätigten demnach, dass sie trotz der zunehmend ungünstigen Bedingungen auf der Plattform zugegen sein müssten, um ihre Kunden zu erreichen.

Somo fordert deshalb eine Entflechtung der Doppelrolle Amazons als Verkäufer und Marktplatzbetreiber – also quasi eine politisch angeordnete Zerschlagung. Tatsächlich ist der Konzern vor allem in Europa längst ins Visier staatlicher Akteure geraten.

Amazon musste in der EU bereits zu Kreuze kriechen

So hatte die EU-Kommission schon 2019 ein Verfahren gegen Amazon eingeleitet. Im Mittelpunkt stand die Frage: Konkurriert der Konzern in unfairer Weise mit anderen Marketplace-Händlern? Dabei ging es zum Beispiel um den Vorwurf, wonach Amazon die Datenhoheit auf seiner Plattform ausnutze, etwa indem nicht öffentliche Geschäftsinformationen der Händler genutzt würden, um das eigene Einzelhandelsgeschäft zu stärken.

Immerhin: Amazon hat inzwischen gegenüber Brüssel Zugeständnisse gemacht. So versicherte der Konzern, dass er die Daten der Händler besser vor der eigenen Nutzung schützen werde. Zudem hat der Gigant den Händlern Zugang zu seinem Premium-Programm „Prime“ gewährt, über das Kunden Lieferkosten einsparen können. Auch dürfen entsprechende Händler nun selbst auswählen, mit welchem Lieferdienst ihre Ware verschickt wird.

Der US-Konzern jedenfalls tut gut daran, sich an diese Zusagen zu halten. Sollte er die Zugeständnisse nicht einhalten, drohen ihm in der EU nämlich Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Das wäre auch für einen Giganten wie Amazon nicht einfach zu verdauen.

Zwei laufende Verfahren in Deutschland

In Deutschland laufen übrigens gleich zwei Verfahren gegen den Konzern. Dabei geht es laut Bundeskartellamt um Amazons mögliche Einflussnahme auf Händler-Preise und die mögliche Benachteiligung von Händlern, etwa durch Kooperationen mit Marken-Herstellern, die die Händler vom Verkauf der Produkte ausschließen könnten. Amazon hat in Deutschland die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Nun muss der Bundesgerichtshof eine Entscheidung treffen.

Allgemein sieht sich Amazon durch die neue Studie der Denkfabrik Somo ungerecht dargestellt. Gegenüber dem „Spiegel“ betonte ein Konzernsprecher den „sehr großen und außerordentlich wettbewerbsintensiven“ Markt. Auch investiere man viel Geld für das Wachstum der Verkaufspartner.

Amazon-Aktie: mein Fazit für Sie

Die Vorwürfe von Somo sind alles andere als neu. Es ist eher ein alter Hut. Entsprechend reagierte die Amazon-Aktie auf die Studie bis dato nicht. Im Gegenteil, der Tech-Titel konnte in den letzten Tagen gar Zugewinne erzielen, wie Sie im Chart sehen können:

Quelle: www.aktienscreener.com

Tatsächlich dürfte es meiner Meinung nach eher unwahrscheinlich sein, dass Amazon in Europa zerschlagen wird – einfach weil die EU damit auch andere große US-Techkonzerne inklusive derer enormen Wertschöpfung vertreiben könnte. Wahrscheinlicher ist eher, dass Amazon in den nächsten Jahren weitere Zugeständnisse machen muss, etwa in Deutschland. Ob sich das negativ auf die Bilanzen des Konzerns auswirken würde, bliebe abzuwarten.

Als Anleger sollten Sie das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen. Denn: Steigt der Markteinfluss des Konzerns in den nächsten Jahren weiter an, dürfte das zwar die Geschäftszahlen beflügeln, das Risiko staatlicher Repressalien aber prinzipiell erhöhen. Es ist also eine Art Dilemma, das fest mit der Amazon-Aktie verbunden ist.