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TSMC-Aktie: Nach Buffett-Einstieg – 3 Risikofaktoren wichtig

Inhaltsverzeichnis

Warren Buffett hat wieder zugeschlagen. Vielleicht haben Sie es auch schon in den Medien gelesen: Buffetts Investmentkonzern Berkshire Hathaway ist kürzlich beim taiwanesischen Chip-Auftragshersteller TSMC eingestiegen und hat sich Aktien im Wert von mehr als 4,1 Milliarden Dollar gekauft.

Es ist längst kein Novum mehr, dass Buffett in den Tech-Sektor investiert. Schließlich hält Berkshire inzwischen große Beteiligungen an Apple, HP und Snowflake. Doch dass sich die Investorenlegende nun ein Unternehmen ausgesucht hat, das nicht aus den USA kommt, ist durchaus ein Paradigmenwechsel – zumindest auf den ersten Blick.

TSMC wendet sich mehr und mehr den USA zu – das gefällt Buffett

Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company ist der weltweit wichtigste Auftragsfertiger von Halbleitern und Mikrochips. TSMC beliefert rund um den Globus mehr als 500 Kunden mit diesen für die moderne Welt essenziellen Komponenten. Zu den wichtigsten Abnehmern zählen unter anderem Apple, Nvidia, AMD, Intel, Qualcomm, Broadcom, Mediatek und Huawei.

TSMC ist damit ein Zünglein an der Waage – vor allem für die US-Techbranche. Das dürfte ein Grund dafür gewesen sein, warum Warren Buffett nun in den taiwanesischen Mega-Konzern investiert hat. Hinzu kommt, dass TSMC inzwischen eine internationale Expansion anstrebt und dabei auch die USA im Blick hat.

So wollen die Taiwanesen im US-Bundesstaat Arizona bis 2024 eine neue Chipfabrik bauen, um noch näher an die US-Kunden heranzurücken. Kostenpunkt: 12 Milliarden Dollar. TSMC dürfte damit auch auf den vom US-Kongress jüngst verabschiedeten „Chips and Science Act“ abzielen, der hohe Förderungen für neue Chipfabriken in den USA vorsieht. TSMC wird also amerikanischer, was Buffetts traditioneller Investmentstrategie entspricht.

Starke Q3-Zahlen zeigen beachtliche Profitabilität

Aber auch operativ zeigten sich die Taiwanesen zuletzt bärenstark. Schauen Sie: Im dritten Quartal 2022 erzielte der Konzern einen Umsatz von 613 Milliarden New Taiwan Dollar (20,23 Mrd. US-Dollar). Das entspricht einem Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Profit ging es noch steiler nach oben. So schoss der Nettogewinn um 80 Prozent auf umgerechnet 9,27 Milliarden US-Dollar nach oben.

Die Nettogewinnmarge lag somit bei sehr lukrativen 45,8 Prozent. Dass ein Unternehmen so viel Gewinn aus dem Umsatz herausschlagen kann, ist mehr als respektabel und wohl auch dem bisherigen wirtschaftlichen Umfeld geschuldet. Denn noch immer gibt es weltweit Engpässe bei Halbleitern. Entsprechend gefragt sind Konzerne wie TSMC, die deshalb munter an der Preisschraube drehen und ihren Profit maximieren können.

Apropos Amerikanisierung: TSMC hat in den letzten Jahren den Output für nordamerikanische Kunden massiv gesteigert. Im dritten Quartal machten diese gar 72 Prozent des Umsatzes aus – 8 Prozentpunkte mehr als noch im zweiten Jahresviertel.

TSMC-Aktie unter Druck: 3 Risikofaktoren

Neben diesem Aspekt dürfte Buffett auch der Aktienkurs von TSMC lukrativ erscheinen. Denn: Obwohl die Taiwanesen hervorragende operative Zahlen vorlegen, steht deren Aktie seit Jahresbeginn mit 28 Prozent im Minus (Stand: 15.11.2022, 11:00 Uhr). Buffett sieht das Papier also als unterbewertet an.

Dennoch gibt es drei konkrete Risikofaktoren, die für den Kursrutsch verantwortlich sind und nach wie vor bestehen.

1. Rezessionsangst

TSMC zeigte sich zwar auch für das vierte Quartal optimistisch. Trotzdem hat das Unternehmen zuletzt sein Investitionsbudget für das Gesamtjahr 2022 nach unten geschraubt – von 40 bis 44 Milliarden Dollar auf nur noch 36 Milliarden Dollar. Der Markt sah diese Ankündigung als Signal, dass die Nachfrage nach Chips im nächsten Jahr im Zuge einer möglichen Rezession zurückgehen könnte.

2. US-Sanktionen gegen China

Die USA schneiden die Volksrepublik mit Sanktionen derzeit von wichtigen Technologien für die Halbleiterherstellung ab. In der Folge gerät die chinesische Tech-Branche massiv unter Druck. Das könnte zur Folge haben, dass chinesische TSMC-Kunden ihr Auftragsvolumen zurückfahren müssen. Immerhin: China war im dritten Quartal nur noch für 8 Prozent der TSMC-Umsätze verantwortlich. Das grenzt das Risiko deutlich ein.

3. Angst vor Taiwan-Eskalation

Auf dem Kongress der Kommunistischen Partei machte Staatschef Xi Jinping kürzlich erneut klar, dass man Anspruch auf den Inselstaat erhebe. Beobachter befürchten, dass sich China Taiwan militärisch einverleiben könnte. Sollte das passieren, wäre die Produktion von TSMC massiv betroffen. Aber nicht nur das: Mit Blick auf die Bedeutung des Halbleiterherstellers könnte sich China den Konzern dann zu eigen machen und verstaatlichen. Dadurch hätte Xi Jinping ein mächtiges Druckmittel gegenüber westlichen Staaten.

Kein Wunder also, dass die USA zuletzt ihre Unterstützung für Taiwan erneuert haben. Washington will damit ein Bedrohungsszenario aufbauen, um Peking bei der Taiwan-Frage in die Schranken zu verweisen. Dass China den Inselstaat also mit militärischer Gewalt unterjochen wird, gilt zumindest auf absehbare Zeit als eher unwahrscheinlich. Trotzdem hat Putins Krieg in der Ukraine gezeigt, dass politische Vernunft derzeit nicht immer das Paradigma ist.

Mein Fazit für Sie

Die ersten beiden Risikofaktoren sind nicht allzu tragisch. Die Rezession, so sie denn tatsächlich mit voller Wucht durchlagen wird, dürfte sich früher oder später in Wohlgefallen auflösen. Das war bislang immer so. Und auch die Abhängigkeit von chinesischen Kunden konnte TSMC zuletzt reduzieren. Dass sich die Taiwanesen mehr und mehr den USA zuwenden, ist somit aus ökonomischer Sicht folgerichtig.

Der dritte Risikofaktor aber ist die große Blackbox der TSMC-Aktie. Ein militärischer Angriff Chinas gegen Taiwan würde den Konzern ins Chaos stürzen. Die Anleger würden dann wahrscheinlich reihenweise das Boot verlassen und die Aktie würde crashen.

Investieren Sie in die TSMC-Aktie, wetten Sie also darauf, dass der Taiwan-Konflikt nicht eskaliert.