Schiffsunglück von Baltimore: Welche Aktien sind betroffen?

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Es war mitten in der Nacht, als der Containertransporter „Dali“ am 26. März einen Hauptpfeiler der Francis-Scott-Key-Brücke in Baltimore rammte und das gigantische Bauwerk zum Einsturz brachte. Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass Probleme mit der Stromversorgung an Bord des Schiffes das Unglück verursacht haben könnten, bei dem nach Behördenangaben möglicherweise sechs Menschen zu Tode gekommen sind.

Hafen von Baltimore: Schiffe sitzen fest

Der mutmaßliche Unfall jedenfalls hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Rohstoffsektor. Der Grund: Die etwa 2.700 Meter lange Brücke stürzte in den Patapsco River und blockiert somit die Zufahrt zu großen Teilen des Hafens von Baltimore an der US-Ostküste. Im Bild sehen Sie den Patapsco River am südlichen Stadtrand der Metropole, die verschiedenen Hafenanlagen (gelb), den Unfallort an der Francis-Scott-Key-Brücke (rot) sowie einige Schiffe, die deshalb nicht ablegen können (schwarze Kästchen):

Quelle: New York Times (https://www.nytimes.com/interactive/2024/03/26/us/baltimore-key-bridge-collapse-maps.html)

Die zuständige Hafenbehörde hat den Schiffsverkehrs bis auf Weiteres stillgelegt. Betroffen davon sind nicht nur die Schiffe, die jetzt im Hafen festsitzen, sondern auch andere Seetransporter, die nun in naheliegenden Gewässern ankern müssen.

Baltimore wichtigster US-Importhafen für Autos – auch aus Deutschland

Pro Jahr werden über den Hafen von Baltimore rund 43 Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen. Wichtig ist der Hafen vor allem für die Autoindustrie. Die meisten Autos, die in die USA importiert werden, landen in Baltimore an. Pro Jahr werden über den Hafen rund 850.000 Fahrzeuge umgeschlagen. Der Großteil der Fahrzeuge stammt aus Mexiko, Japan und Deutschland.

Betroffen von dem Unglück ist unter anderem Mercedes-Benz. Der Stuttgarter Konzern betreibt vor Ort ein Terminal, das sich hinter der eingestürzten Brücke befindet. Der Autobauer müsste daher wahrscheinlich auf andere US-Häfen ausweichen, was möglicherweise Zusatzkosten bewirken würde. BMW und Volkswagen hingegen betreiben ihre Terminals in Baltimore am Hafeneingang vor der zerstörten Brücke. Beide Unternehmen erwarten deshalb keine Auswirkungen auf das eigene Geschäft.

Aber was ist mit den Rohstoffen?

Baltimore ist nicht nur ein großer Autoumschlagplatz, sondern auch wichtig insbesondere für den Handel mit Kohle. Baltimore exportierte in den ersten neun Monaten 2023 nach Angaben der Energiebehörde EIA rund 20,3 Millionen Tonnen Kohle und war damit der zweitgrößte Hafen für US-Kohleausfuhren – nach Norfolk (Virginia). Ein großer Teil dieser Exporte entfällt auf Kraftwerkskohle, welche für die Stromerzeugung genutzt wird.

Der größte Abnehmer ist Indien. Pro Jahr verbraucht das Mega-Land mehr als 1 Milliarde Tonnen Kohle, wovon etwa 238 Millionen Tonnen importiert werden. 6 % der Importe stammen aus den USA und jährlich rund 12 Millionen Tonnen aus Baltimore, so die Daten der Analysefirma Energy Aspects.

Interessant bleibt, wie zum Beispiel Indien den temporären Ausfall des großen Kohlehafens an der US-Ostküste kompensieren wird. Experten konstatieren, dass die anderen großen US-Häfen wie Norfolk bereits ziemlich ausgelastet seien, weshalb eine Umschiffung wohl nicht problemlos möglich wäre.

Kohleexporte: Diese Aktien sind betroffen

Größere Auswirkungen auf den Kohlepreis erwarten die meisten Branchenkenner aber eher nicht. Dazu ist Baltimores Anteil am globalen Kohlehandel per Schiff mit rund 2 % wohl zu gering.

Trotzdem waren kurz nach dem Unglück bereits einige Branchenaktien betroffen. Darunter: Consol Energy. Das Unternehmen fördert Steinkohle in Pennsylvania und exportiert den Rohstoff unter anderem über Baltimore. Der Zugang zum Terminal von Consol ist wegen der eingestürzten Brücke derzeit behindert. Die Aktie fiel allein am Dienstag in der Spitze um bis zu -10 %. Rücksetzer gab es indes auch bei der Aktie der CSX Corporation. Diese Holding betreibt die gleichnamige Eisenbahngesellschaft und transportiert unter anderem Kohle zum Terminal von Consol in Baltimore.

Mein Fazit für Sie

Das Unglück von Baltimore zeigt abermals, wie abhängig die Wirtschaft von einzelnen Nadelöhren ist. Es wird nun maßgeblich darauf ankommen, wie lange der Schiffsverkehr in Baltimore unterbrochen bzw. eingeschränkt bleibt. Optimistische Schätzungen gehen von zwei bis drei Wochen aus – eher pessimistischere Prognosen erwarten eher sechs Wochen oder einen noch längeren Zeitraum.

Und: Mit Blick auf die einzelnen Wirtschaftsgüter – neben Autos und Kohle werden über Baltimore unter anderem auch größere Mengen an Papier, Schokolade, Speiseeis, Gibs, Zucker und Flugzeugkomponenten abgewickelt – kommt es darauf an, wie viel des jeweiligen Materials vor dem Unglück dort bereits gelagert wurde.