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SBO-Aktie: Ölfeldausrüster boomt – das sollten Sie wissen!

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Ganz ehrlich: Haben Sie schon einmal von dem Unternehmen Schoeller-Bleckmann (SBO) gehört? Vielen Menschen dürfte der österreichische Konzern jedenfalls nicht bekannt sein. Dabei ist SBO ein wichtiger Player des Rohstoff-Sektors – genauer gesagt der Öl- und Gasbranche.

Das Unternehmen fördert die fossilen Brennstoffe zwar nicht selbst, bietet hierfür aber wichtige Komponenten und Technologien. Der Ölfeldausrüster verkauft an die Branche unter anderem amagnetischen Stahl. Dieser wurde ursprünglich für den Einsatz in U-Booten entwickelt, da jener Werkstoff die sensiblen Kompassnadeln nicht ablenkt.

SBO: Amagnetischer Stahl wichtig für das Richtbohren

Inzwischen greift auch die Ölbranche darauf zurück – beim sogenannten „Directional Drilling“ (Richtbohren). Mit dem Verfahren lässt sich die Richtung einer Tiefenbohrung beeinflussen, um an Vorkommen zu kommen, die mit einer rein senkrechten Bohrung nicht erreicht werden könnten. Um die Lage und Richtung der Bohrung zu bestimmen, müssen Daten über Gesteinsformationen gesammelt und Messungen am Erdmagnetfeld vorgenommen werden. Deshalb müssen die Bohrstrangteile vor allem in der Nähe der Messgeräte magnetisch durchlässig sein.

Und eben hier bietet der amagnetische Stahl den entscheidenden Vorteil. Hinzu kommt, dass der Werkstoff eine besonders hohe Materialfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit besitzt, um dem hohem Druck und den extremen Temperaturen tief in der Erde standzuhalten.

SBO-Produkte für Ölbranche ein Zünglein an der Waage

Neben diesem Werkstoff produziert SBO auch Hochleistungsbohrmotoren, die die hydraulische Energie der Bohrflüssigkeit in mechanische Energie umwandeln. Und nicht zuletzt bieten die Österreicher  Technologien, um die Fließrichtung der Bohrflüssigkeit im Bohrstrang zu steuern sowie widerstandsfähige Gehäuse, an denen Messgeräte und Sensoren angebracht werden.

Sie sehen also: Schoeller-Bleckmann ist für die Ölbranche ein Zünglein an der Waage. Die Nachfrage nach den SBO-Produkten ist jedenfalls beachtlich, wie das börsennotierte Unternehmen nun abermals bekannt gab.

Neunmonatsbilanz 2022: Österreicher melden Mega-Wachstum

In den ersten neun Monaten des Jahres 2022 erzielte der in Ternitz sitzende Konzern einen Umsatz von 361,3 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Auftragseingang zog zwischen Januar und Ende September kräftig an und lag mit 431,1 Millionen Euro auf Rekordhöhe.

Gleichzeitig verdiente das Unternehmen prächtig. So schoss der operative Gewinn (EBIT) um mehr als das Vierfache auf 72,6 Millionen Euro nach oben. Nach Steuern belief sich der Gewinn auf 55,3 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum hatte man unterm Strich nur 8,9 Millionen Euro verdient.

SBO-Chef Gerald Grohmann betonte, dass die Firma in allen Regionen und Produktbereichen wachse. Es sei die beste Entwicklung seit rund einem Jahrzehnt. Durch Versäumnisse der Politik und der Energiemärkte in der Vergangenheit gebe es viel Nachholbedarf und dadurch große Nachfrage nach Öl und Gas. Das lasse den Wachstumsmotor von SBO auf Hochtouren laufen, erklärte der Manager.

Neuer Boom bei Öl und Gas beflügelt SBO

SBO profitiert damit indirekt auch von den Folgen des Ukraine-Kriegs. Denn: Gerade westliche Staaten wollen bei der Energie unabhängiger von Russland werden und forcieren mehr Investitionen in die fossilen Brennstoffe. In diesem Zusammenhang ist zudem die Erkenntnis gereift, dass Erneuerbare Energien zwar wichtig für die Zukunft sind, die Fossilen aber noch sehr viele Jahre gebraucht werden, um Wachstum und Wohlstand zu sichern. 

Hinzu kommt, dass die Preise für Öl und Gas im Vergleich etwa zu 2020 immer noch deutlich höher liegen, was eine Ausbeutung der Rohstoffe wieder lukrativer macht. Und nicht zuletzt bietet SBO mit seinen Produkten die Grundlage für das Richtbohren, das immer wichtiger wird, da man dadurch an Lagerstätten herankommen kann, die mit dem konventionellen Bohren nicht erreichbar wären.

Kein Wunder also, dass sich SBO für den weiteren Geschäftsverlauf optimistisch zeigt. Trotz der konjunkturellen Probleme der Weltwirtschaft zeichne sich auf den Energiemärkten ein mehrjähriger Aufschwung ab, prognostizierte Vorstandschef Grohmann. Die Auftragsbücher seien voll, in manchen Bereichen reichten die Bestellungen bis in das dritte Quartal 2023 hinein.

Mein Fazit für Sie

Klar: Früher oder später werden Öl und Gas obsolet. Die fossilen Brennstoffe dürften jedoch noch Jahrzehnte relevant bleiben – gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern. Und SBO wird davon profitieren.

Gleichzeitig baut sich das Unternehmen ein zweites Standbein auf, das die langfristige Perspektive schärft. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters hatte Konzernchef Grohmann im letzten Jahr betont, dass die Firma unter anderem ein Zulieferer von Elon Musks Raketenprogramm SpaceX geworden sei. Umsatzmäßig seien das zwar noch keine großen Zahlen, so der Manager. SBO hat damit aber einen ersten Schritt unternommen, um dessen Abhängigkeit von Öl und Gas sukzessive zu reduzieren.

Die Börse hat das Potenzial der SBO-Aktie freilich längst erkannt. Nach dem coronabedingten Einbruch im Jahr 2020 stieg das Papier deutlich an. Auf 12-Monats-Sicht steht die Aktie derzeit mit 97 Prozent im Plus (Stand: 25.11.2022, 15:30 Uhr). Analysten sehen trotzdem immer noch Luft nach oben. Das durchschnittliche Kursziel für die SBO-Aktie beläuft sich auf 78,9 Euro (via Marketscreener). Das wäre ein Plus von 25,2 Prozent gegenüber dem genannten Zeitpunkt vom Freitag.