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Salesforce in der Krise: Wo jetzt Risiken und Chancen liegen

Inhaltsverzeichnis

Zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte hat der US-Konzern Salesforce im Jahresvergleich kein Wachstum von 20 Prozent oder mehr erreicht. Eine bittere Pille für die Softwarefirma aus San Francisco und deren Anleger. Doch das ist derzeit wahrlich nicht das einzige Problem.

Salesforce hilft Firmen, deren Kunden besser zu verstehen

Zunächst ein paar Hintergrundinfos für Sie: Salesforce bietet Firmen sogenannte CRM-Lösungen („Customer Relationship Management“), also Lösungen zum Management der Kundenbeziehungen.

Das CRM-System der Amerikaner besteht aus verschiedenen Cloud-Lösungen, mit der Unternehmensbereiche wie Marketing, Vertrieb, Service oder E-Commerce auf einer gemeinsamen Plattform zusammenarbeiten können, um einen einheitlichen Blick auf die Kunden zu haben. Im Prinzip geht es dabei darum, mithilfe einer großen Datensammlung die Bedürfnisse der einzelnen Kunden besser zu verstehen und darauf adäquat zu reagieren.

Eigentlich trifft Salesforce damit den Nerv der Zeit. Vor allem infolge der Corona-Pandemie hat die Digitalisierung rasant zugenommen und immer mehr Firmen in die Cloud getrieben. Entsprechend stieg auch die Nachfrage nach CRM-Systemen sprunghaft an.

Neue Zahlen: Wachstum ausgebremst

Trotzdem ist Salesforce alles andere als resistent gegen die aktuellen Krisen. Das zeigen die neuen Zahlen mehr als deutlich: In seinem dritten Geschäftsquartal 2023 (per Ende Oktober 2022) stieg der Umsatz wie eingangs angedeutet nur noch um 14 Prozent auf 7,84 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig musste Salesforce beim Profit hohe Abstriche machen. So sank der Nettogewinn zwischen August und Ende Oktober von 468 Millionen im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 210 Millionen Dollar. Der US-Konzern begründet den Profitschwund vor allem mit höheren Kosten für Forschung und Entwicklung, aber auch für das Marketing und den Vertrieb.

Das Schlimmste kommt erst noch

Klar: Das ist längst noch keine Vollkatastrophe. Doch das Schlimmste steht Salesforce offenbar noch bevor. Für das am 31. Januar endende vierte Geschäftsquartal zeigte sich die Softwarefirma alles andere als zuversichtlich. So soll der Umsatz maximal um 10 Prozent im Jahresvergleich zulegen.

Vor allem die schwächelnde Konjunktur macht dem Unternehmen zu schaffen. Wegen der hohen Inflation überdenken viele Firmenkunden ihre Ausgaben. Ein Problem, das sich noch weit ins nächste Jahr hineinziehen könnte. Es sei noch zu früh für eine Vorschau, musste Finanzchefin Amy Weaver mit Blick auf die unklare konjunkturelle Entwicklung einräumen.

Co-Chef Taylor geht: Unsicherheit an der Börse

Apropos Management: Hier gab es zuletzt wieder einmal einen Paukenschlag, der an der Börse zunächst gar nicht gut ankam. So kündigte Salesforce an, dass Co-Chef Bret Taylor Ende Januar seinen Posten räumen werde. Das Unternehmen verliert damit zum zweiten Mal in nur drei Jahren einen Co-CEO.

Taylor selbst war nur rund ein Jahr lang nach Konzerngründer Marc Benioff der zweite Mann bei Salesforce. Der Manager will laut eigenen Angaben nun wieder in die Startup-Szene zurückkehren. Taylor hatte die Softwarefirma Quip gegründet, die später von Salesforce aufgekauft wurde.

Der Rücktritt jedenfalls kam sehr überraschend und ließ die Salesforce-Aktie – zusammen mit dem schwachen Geschäftsausblick – am Donnerstag im US-Handel um mehr als 8 Prozent einbrechen (Stand: Schlusskurs vom 01.12.2022, NYSE). Das Problem: Die konkreten Beweggründe von Taylor blieben unklar, was Raum für Spekulationen ermöglicht.

Ist Taylor nicht mehr von der Wachstumsstory von Salesforce überzeugt? Weiß er hier gar mehr als der Kapitalmarkt? Oder gab es Verwerfungen mit Firmenboss Benioff? Sie sehen schon: Der Abgang des Managers sorgt für erhebliche Unsicherheit, die an der Börse für gewöhnlich abgestraft wird.

Salesforce-Aktie: mein Fazit für Sie

Prinzipiell ist Salesforce ein interessantes Unternehmen. Als CRM-Marktführer profitiert der Konzern vom allgemeinen Digitalisierungshype und vor allem von der Tatsache, dass Firmen ihre Kunden immer besser verstehen wollen, um maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können. Das unterstützt die langfristige Perspektive von Salesforce.

Kurz- bis mittelfristig aber muss das Unternehmen wegen der konjunkturellen Probleme offenbar Abstriche machen. Noch ist völlig unklar, wann die Flaute zu Ende gehen wird. Dass inmitten der Krise Co-Chef Taylor das Boot verlässt, sendet jedenfalls kein gutes Signal für die nahende Zukunft.

Zugegeben: Die Salesforce-Aktie hat im bisherigen Jahresverlauf bereits massiv abgewertet. So steht das Papier auf 12-Monats-Sicht mit 43 Prozent im Minus (Stand: Schlusskurs vom 01.12.2022, NYSE). Zum Vergleich: Die Aktie des deutschen Konkurrenten SAP verlor in dem Zeitraum nur 6,3 Prozent.

Da nun die Vermutung naheliegt, dass die Unsicherheiten und Probleme bereits zu einem gewichtigen Teil im Kurs eingepreist sind, sehen viele Analysten Luft nach oben. Raimo Lenschow von der britischen Investmentbank Barclays betonte, dass die günstige Bewertung das Salesforce-Papier jetzt nach unten absichern sollte. Zwar senkte der Analyst sein Kursziel von 193 auf 180 US-Dollar. Doch selbst das wäre noch ein Plus von 22,4 Prozent gegenüber dem US-Schlusskurs vom 1. Dezember (147,0 Dollar).

Es bleibt abzuwarten, inwieweit die schlechteren Konjunkturbedingungen den Softwarekonzern im nächsten Jahr tatsächlich belasten werden. Sollte es doch zu einer positiven Überraschung kommen, könnte die Aktie zu einem Comeback ansetzen.

Wichtig für Sie als Anleger: Wollen Sie in Salesforce investieren, sollten Sie neben der Konjunkturentwicklung auch auf die Zinspolitik der US-Notenbank FED sowie die Entwicklung des US-Dollars achten. Es gilt: Eine schwächere Erhöhung der Leitzinsen kommt Salesforce zugute – ebenso wie ein schwächerer US-Dollar. Bei beiden Aspekten gab es zuletzt immerhin Lichtblicke.