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Salesforce – Gewinn nach unten, Chef geht

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Zwei schlechte Nachrichten auf einmal mussten die Aktionäre des kalifornischen Softwarekonzerns Salesforce verdauen: einen Gewinneinbruch im dritten Geschäftsquartal und den Abschied des Co-Vorsitzenden Bret Taylor. Der Aktienkurs des SAP-Rivalen verlor zunächst deutlich, erholte sich aber wieder.

Doppelspitze schafft Probleme

Die Analystenzunft ist beim Weltmarktführer für Cloud-basierte Softwarelösungen an Überraschungen gewöhnt. Die Ankündigung von Bret Taylor, das Unternehmen am 31. Januar 2023 nach sechs Jahren wieder zu verlassen, kam aber völlig unerwartet, war er doch erst vor einem Jahr zum Co-Vorsitzenden berufen worden.

Firmen-Mitgründer Marc Benioff, der den Rücktritt nach eigenen Worten sehr bedauert, ist dann vorerst alleiniger Vorstandsvorsitzender von Salesforce. Das Experiment mit einer Doppelspitze scheint also nicht zu funktionieren; auch Taylors Vorgänger war nur relativ kurz in Amt und Würden.

Rückläufige Gewinne – aber im Rahmen der Erwartungen

Diese Personalie hat zunächst die nicht gerade überwältigenden, aber durchaus im Rahmen der Erwartungen liegende Zahlen für das dritte, am 31. Oktober beendete, Geschäftsquartal völlig überlagert. Die sahen beim Umsatz durchaus respektabel aus. Er kletterte um 14 % auf 7,84 Milliarden Dollar. Das lag ziemlich exakt auf Höhe der durchschnittlichen Analystenschätzungen. Währungsbereinigt betrug der Anstieg sogar 19 %, der starke Dollar kappte also die im Ausland erzielten Verkaufserlöse.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2022/2023 rechnet Salesforce nun mit einem Plus von 17 % auf 30,9 bis 31,0 Milliarden Dollar Umsatz und trifft damit knapp die Analystenprognosen, die bei 31,0 Milliarden gelegen hatten.

Auf der Gewinnseite sieht es weniger gut aus: Das Betriebsergebnis sackte von 468 Millionen Dollar auf 210 Millionen Dollar ab. Hier machten sich deutlich höhere Ausgaben bemerkbar, die schneller kletterten als die Umsätze. Dennoch übertraf der Gewinn je Aktie (Non-GAAP) mit 1,40 Dollar die Erwartungen.

Ähnlich sieht es bei der Guidance von Salesforce für das gesamte Geschäftsjahr aus. Das Management rechnet jetzt mit 4,92 Dollar bis 4,94 Dollar Ergebnis je Aktie, während der Marktkonsens mit 4,73 Dollar bisher etwas niedriger lag.

Aktie nähert sich dem Jahrestief

Die Aktie des Dow Jones-Mitglieds Salesforce rutschte unmittelbar nach der Bekanntgabe der Personalie und der Zahlen im nachbörslichen New Yorker Handel um 7 % ab. Im deutschen Xetra-Handel  betrug das Minus mit Kursen um 143 Euro im Vormittagshandel rund  3 %.

Anders als der Aktienmarkt sahen Analysten die Zahlen und den Abschied von Taylor relativ gelassen. Goldman Sachs behielt das Kursziel von 300 Dollar bei, ebenso bleibt die Aktie auf der illustren  „Conviction Buy-Liste“ der Investmentbank.

JPMorgan und Jefferies senkten zwar ihre Kursziele auf 200 Dollar beziehungsweise 230 Dollar, beließen die Aktie aber auf Kaufen. Im Jahresvergleich ist der Kurs von Salesforce in Euro um gut ein Drittel eingebrochen und notiert nun wieder in der Nähe des Tiefs von 138 Euro.