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Russland-Abzug: Warum Air Liquide hier alles richtig macht!

Inhaltsverzeichnis

Geschäftemachen mit Russland geht nicht mehr: So oder so ähnlich haben sich in den letzten Monaten viele westliche Konzerne geäußert und daraufhin ihre Aktivitäten in dem Land zurückgezogen.

Russland-Geschäft: Air Liquide zieht den Schlussstrich

Nun  hat auch der französische Gasekonzern Air Liquide sein Russland-Aus bekannt gegeben. Vielleicht haben Sie es schon in den Medien gelesen: Die Franzosen wollen ihre russischen Engagements an lokale Manager übergeben. Demnach wird das Russland-Geschäft von Air Liquide bereits seit dem 1. September nicht mehr in der Bilanz des Konzerns konsolidiert.

Einen wirklich großen Schaden erwartet das Unternehmen dadurch aber nicht. Nach eigenen Angaben machte Air Liquide in Russland nur 1 Prozent seiner Umsätze. Hochgerechnet auf den Gesamtumsatz des Jahres 2021 (23,3 Mrd. €) werden dem Gase-Spezialisten also „nur“ rund 233 Millionen Euro an Erlösen flöten gehen.

Finanzielle Details zu dem Buy-out gab Air Liquide indes nicht preis. Es bleibt also offen, wie viel Geld der Konzern aus der Loslösung der Lizenzen in Russland herausschlagen kann. Gleichzeitig sei es wichtig, dass die Aktivitäten in dem Land von anderer Stelle fortgeführt werden, betonte das Unternehmen. Air Liquide hatte in Russland vor allem Krankenhäuser mit Sauerstoff beliefert. Wegen der Menschenrechte sollen diese Lieferungen anhalten, weshalb man den Geschäftsbereich nicht komplett auflösen, sondern eben weitergeben will.

Und was heißt das jetzt für die Aktie?

Die Loslösung von Russland ist meiner Meinung nach ein positives Signal für die Aktie von Air Liquide. Schauen Sie: Investitionen in das kriegstreibende Land sind nach Einschätzung von Experten inzwischen nicht mehr zeitgemäß. Das hat natürlich mit den eklatanten Menschenrechtverletzungen zu tun, die die russischen Streitkräfte und Söldner seit Monaten in der Ukraine begehen.

Aber auch aus ökonomischer Sicht fassen viele westliche Investoren Russland nicht einmal mehr mit der Kneifzange an. Einfach weil der Staat und seine Unternehmen durch deren Aktionen als nicht mehr vertragswürdig gelten. Jetzt noch große Summen in das Land zu investieren, käme für westliche Investoren einem russischen Roulette gleich.

Entsprechend verhält sich das Ganze bei Börsenfirmen, die trotz des Krieges noch in Russland aktiv sind. Die Aktionäre werden diese Papiere aus ethischer und ökonomischer Sicht wohl immer mehr ins Abseits schicken. Deshalb ist es für Unternehmen wie Air Liquide so wichtig, sich klar und deutlich von Russland abzugrenzen und nun auch den Schlussstrich zu ziehen.

Angst vor Rezession: Air Liquid muss um Gewinne bangen

Derweil haben die Franzosen zuletzt vom Ukraine-Krieg und dessen Folgen profitiert. Wegen der enorm gestiegenen Preise für Industriegase und medizinische Gase konnte Air Liquide im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 31 Prozent auf 14,21 Milliarden Euro steigern.  Der Nettogewinn verbesserte sich um 5,3 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro.  Der Gasekonzern konnte also die höheren Energie- und Materialpreise hervorragend an die Kunden weitergeben.

Ob das auch im dritten Quartal und darüber hinaus gelingen kann, bleibt jedoch abzuwarten. Die Investmentbank Goldman Sachs ist hier jedenfalls pessimistisch gestimmt. So hat das einflussreiche Institut die Aktie von Air Liquide  kürzlich aus ihrer „Kaufen“-Liste herausgestrichen und das Kursziel von 174 auf 124 Euro eingedampft. Zum Vergleich: Am Montag war das Papier 121 Euro wert (Stand: 05.09.2022, 11:30 Uhr).

Goldman Sachs sieht vor allem die Gefahr, dass Industriekunden wegen der hohen Preise für wichtige Gase ihre Nachfrage drosseln könnten. In der Folge müsste Air Liquide seine Preise stark verringern, um seine Produkte weiterhin an den Mann  bringen zu können. Das wiederum würde zulasten der Gewinnmarge gehen, so die Befürchtung von Goldman Sachs.

Mein Fazit für Sie

Air Liquide macht mit dem Rückzug aus Russland alles richtig, auch wenn man hierfür mehrere Hundert Millionen Euro abschreiben muss.

Überschattet wird das Ganze aber von der drohenden Rezession, die die Nachfrage aus der Industrie erheblich belasten könnte. Diese Angst schwebt derzeit wie ein Damoklesschwert über den Aktien der Chemiefirmen. Und so dürfte auch das Papier von Air Liquide erst einmal unter Druck bleiben.

Das schafft natürlich interessante Einstiegschancen für Sie als Anleger. Seien Sie sich aber dahingehend bewusst, dass Air Liquide und die anderen Branchentitel ihre Abwärtsbewegungen zunächst fortsetzen könnten. Zu groß ist aktuell die Unsicherheit am Aktienmarkt.

Bringen Sie hingegen die nötige Geduld mit, kann Ihnen Air Liquide nach wie vor starke Perspektiven eröffnen. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Franzosen ein Wegbereiter der Wasserstoffwirtschaft sind. Hier dürften Air Liquide in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ordentliche Wachstumsimpulse winken.

Denken Sie bei der Aktie also langfristig – es könnte sich lohnen.