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Risiko: Wie China westliche Firmen in den Würgegriff nimmt!

Inhaltsverzeichnis

Erinnern Sie sich noch? 2018 hatte der deutsche Konzern Daimler auf Instagram einen Spruch des Dalai Lamas veröffentlicht, um damit ein Auto zu bewerben.

Die Folgen für die Stuttgarter waren fatal. Denn: Die Kommunistische Partei Chinas ist auf das Posting aufmerksam geworden und setzte daraufhin die Deutschen heftig unter Druck. In einer Parteizeitung warf man Daimler gar vor, sich zu einem Feind des chinesischen Volkes gemacht zu haben. Der Dalai Lama ist aus Sicht Pekings ein Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung in Tibet und somit ein gefährlicher Widersacher.

Das Ganze ging so weit, dass Daimler das Posting auf Instagram nicht nur gelöscht, sondern sich auch öffentlich bei China entschuldigt hat. Kein Wunder, denn der Autobauer ist vom chinesischen Markt extrem abhängig. Ein Bruch mit Peking hätte für Daimler ein finanzielles Desaster bedeutet.

Merics-Studie: Peking kennt keine Gnade mehr

Aber warum erzähle ich Ihnen das heute? Nun, der Fall Mercedes-Benz ist nur ein Beispiel von vielen, wie Chinas Machthaber in den letzten Jahren ausländische Unternehmen politisch auf Kurs bringen. Das hat freilich Konsequenzen für die jeweiligen Aktien. Dazu aber gleich mehr.

Zunächst will ich Ihnen eine Studie vorstellen, die das Ausmaß der Misere verdeutlicht (via Reuters). Demnach hat der auf China spezialisierte Thinktank Merics in einer Analyse festgestellt, dass die Hemmschwelle, ab der Peking politischen Druck auf ausländische Firmen ausübt, deutlich gesunken ist. Hierfür hat Merics mehr als 100 Unternehmen analysiert.

So beginne Chinas Staatsführung inzwischen bereits bei relativ kleinen „Vergehen“ damit, ausländische Akteure beispielsweise über Social Media massiv unter Druck zu setzen. Etwa wenn Firmen sich über den Ursprung des Coronavirus äußern oder die westlichen Sanktionen gegen chinesische Unternehmen zum Thema machen.

Boykott-Aufrufe gegen westliche Modekonzerne

Betroffen seien vor allem Konsumgüterkonzerne, so Merics. Der Grund: Peking hat hier einen relativ einfachen Hebel, um die Firmen auf Linie zu bringen. So hatte man gegen ausländische Modekonzerne eine Boykott-Kampagne gestartet, nachdem diese die Zustände in der Region Xinjiang und die dortige Inhaftierung der muslimischen Minderheit der Uiguren kritisiert hatten.

Aber nicht nur das: Laut Merics hat Peking sein Sanktionsinstrumentarium mittlerweile ausgeweitet. So greift die Kommunistische Partei immer häufiger zu Strafzahlungen und Ausfuhrkontrollen. Zudem gebe es vermehrt sogenannte „leere“ Drohungen. Damit wolle Peking bei ausländischen Unternehmen Angst erzeugen und deren Entscheidungen direkt beeinflussen.

Westliche Unternehmen geraten in Zwickmühle

Für die Konzerne ist das eine bittere Pille. Aus Furcht, zur Zielscheibe zu werden, vermeiden es laut Merics viele Unternehmen, die ungerechte Behandlung ausländischer Firmen in China zu thematisieren. Oder sie hielten es schlicht für das Sicherste, sich mit den Positionen der chinesischen Regierung zu arrangieren. Das aber sei gerade für europäische Regierungen problematisch, die ihrerseits Erwartungen an die Unternehmen stellten, unter anderem bei der Einhaltung von Werten, betonte der Thinktank.

Erst kürzlich hatte ein neues Aufflammen der Taiwan-Krise dafür gesorgt, dass einige westliche Politiker die Aktivitäten der Unternehmen in China infrage stellten. Die Konzerne geraten also immer mehr in eine Zwickmühle – zwischen Moral und Profit.

Für die Aktien hat kann das schwerwiegende Folgen haben. Vor allem die deutsche Autobranche hat sich in den letzten Jahren enorm von China abhängig gemacht. Aber auch die westliche Pharma- und Chemieindustrie, die Konsumgüterhersteller und nicht zuletzt die Gaming-Branche sitzen in diesem Boot, in dem die Unternehmen längst nicht mehr die Kontrolle haben.

China braucht den Westen – zumindest noch

Klar: China ist ebenfalls vom Westen abhängig. Das Ganze gilt somit auch andersherum. Und Peking dürfte zumindest noch kein Interesse daran haben, ausländische Akteure komplett aus dem Markt zu vertreiben. Denn noch ist deren Beitrag zur Wertschöpfung schlicht zu groß. Irgendwann aber könnte sich das ändern. Spätestens dann könnte es für die Konzerne und für viele Aktionäre ein böses Erwachen geben.

Sind Sie in westliche Aktien investiert, die ein starkes China-Geschäft vorweisen, sollten Sie diesen Risikofaktor nicht aus dem Auge verlieren – auch wenn das Ganze aus jetziger vielleicht etwas übertrieben wirken könnte. Der große Bruch mit China ist laut vielen Experten jedenfalls nur noch eine Frage der Zeit.