Rendite-Rakete Mondmission? Wie Anleger vom neuen Wettlauf ins All profitieren

Rendite-Rakete Mondmission? Wie Anleger vom neuen Wettlauf ins All profitieren
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Heute Nacht schauen Millionen Menschen gebannt in den Sternenhimmel – oder zumindest auf die Live-Streams der NASA. Wenn die „Artemis II“-Mission planmäßig abhebt, fliegen zum ersten Mal seit über 50 Jahren wieder Menschen in Richtung Mond. Zwar werden die vier Astronauten unseren Trabanten bei diesem Flug zunächst „nur“ umrunden, doch das Manöver markiert den definitiven Startschuss für eine völlig neue Ära der Raumfahrt.

Aber dieses historische Ereignis ist längst nicht nur für Wissenschaftler und Astrophysiker interessant. Auch auf dem Börsenparkett laufen die Vorbereitungen für das Weltraum-Zeitalter auf Hochtouren. Denn die Raumfahrt hat sich vom reinen staatlichen Prestigeprojekt zu einem gigantischen, kommerziellen Zukunftsmarkt gewandelt.

Warum der Weltraum für Anleger so spannend ist

Der Begriff der „New Space Economy“ macht an den Finanzmärkten schon länger die Runde, doch mit den konkreten Mond-Missionen bekommt er jetzt ein völlig neues Gewicht. Während es beim Apollo-Programm der 1960er- und 70er-Jahre primär darum ging, den Mond vor der politischen Konkurrenz zu erreichen, verfolgt das Artemis-Programm handfeste wirtschaftliche und strategische Ziele. Es geht um den Aufbau einer permanenten Basis, die Erschließung wertvoller Ressourcen wie Wasserstoff oder Helium-3 und letztlich um den Mond als Sprungbrett für zukünftige Missionen zum Mars.

Dieser Wandel öffnet die Türen für private Unternehmen auf eine nie gekannte Weise. Führende Analysten und Investmentbanken gehen davon aus, dass die Weltraumwirtschaft von aktuell gut 500 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2040 auf einen Billionen-Dollar-Markt heranwachsen könnte. Wer heute die richtigen Weichen stellt, positioniert sich also in einer Branche, die buchstäblich nach den Sternen greift.

Wer baut die Raketen? Die Profiteure der Mondmissionen

Wenn Sie an den Weltraum denken, kommen Ihnen wahrscheinlich zuerst staatliche Behörden wie die NASA oder die europäische ESA in den Sinn. Doch die Raketen und Kapseln werden längst nicht mehr von Beamten zusammengeschraubt. Hinter den Kulissen fließen die Milliardenbudgets an hochspezialisierte Rüstungs- und Technologiekonzerne. An der Börse lassen sich diese Akteure grob in zwei Kategorien einteilen:

Die „Old Space“-Giganten: Die etablierten Schwergewichte

Diese Unternehmen sind teils seit den Apollo-Tagen im Geschäft. Sie profitieren von tiefen Taschen und extrem lukrativen, langfristigen Regierungsaufträgen.

  • Lockheed Martin: Der US-Rüstungsgigant ist der Hauptauftragnehmer für die Orion-Raumkapsel, in der die vier Astronauten bei der aktuellen Artemis-II-Mission sitzen. Für Anleger ist das Unternehmen einer der direktesten Wege, in die bemannte Raumfahrt zu investieren.
  • Boeing & Northrop Grumman: Ohne diese beiden würde die Kapsel den Boden nicht verlassen. Boeing ist federführend bei der gigantischen SLS-Trägerrakete (Space Launch System), während Northrop Grumman die gewaltigen Feststoff-Booster liefert, die das Konstrukt in den ersten Minuten in den Himmel katapultieren.
  • Airbus: Auch Europa verdient kräftig mit! Die Raumfahrt-Sparte von Airbus baut das entscheidende „European Service Module“ (ESM). Es ist quasi das Herzstück der Orion-Kapsel und versorgt die Astronauten mit Strom, Wasser, Sauerstoff und dem nötigen Antrieb im All.

Die „New Space“-Pioniere: Die visionären Herausforderer

Während die „Old Space“-Riesen die aktuelle Mission stemmen, greifen agile Privatunternehmen nach der Vorherrschaft für künftige Mondlandungen.

  • SpaceX & Blue Origin: Elon Musks SpaceX und Jeff Bezos’ Blue Origin stellen zwar beim heutigen Start noch nicht das Transportmittel, doch sie haben sich bereits die milliardenschweren NASA-Verträge für die Folge-Missionen Artemis III und Artemis IV gesichert. Sie entwickeln die Landefähren, die den Menschen in den kommenden Jahren tatsächlich wieder auf die Mondoberfläche bringen sollen. Einziger Wermutstropfen für Privatanleger: Beide Unternehmen sind aktuell noch nicht an der Börse handelbar. SpaceX bereitet jedoch bereits seinen IPO vor.

Zulieferer und Infrastruktur: Die versteckten Gewinner

Es gilt die alte Goldgräber-Weisheit: Investiere nicht in die Goldsucher, sondern in die Schaufelverkäufer! Neben den großen Raketenbauern profitieren unzählige Zulieferer, die Spezialtechnologie, Satellitenkommunikation, hitzebeständige Materialien oder Strahlenschutz liefern. Wer diese Nischen besetzt, gehört zu den heimlichen Gewinnern der „New Space Economy“.

Wie können Privatanleger konkret investieren?

Wer nun Feuer gefangen hat und vom Wachstumsmarkt Weltraum profitieren möchte, steht vor einer wichtigen strategischen Entscheidung: Einzelaktien oder doch lieber die breite Streuung über einen Fonds?

Der riskante Flug: Einzelaktien

Die Investition in einzelne Weltraum-Unternehmen bietet die Chance auf überdurchschnittliche Renditen, birgt aber auch astronomische Risiken. Sogenannte „Pure Player“ (Unternehmen, die ihr Geld ausschließlich in der Raumfahrt verdienen) sind an der Börse oft noch klein, hochvolatil und schreiben nicht selten noch rote Zahlen. Einige Start-ups, die vor ein paar Jahren per SPAC (Hüllgesellschaft) an die Börse gestürmt sind, haben seitdem massiv an Wert verloren. Bei den großen Profiteuren wie Lockheed Martin, Boeing oder Airbus ist das Risiko zwar geringer, allerdings macht die Raumfahrt hier oft nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes aus. Die Kursentwicklung hängt bei diesen Konzernen weitaus stärker vom weltweiten Rüstungs- oder zivilen Luftfahrtgeschäft ab als von einer erfolgreichen Mondmission.

  • Lockheed Martin (ISIN: US5398301094) – Baut die Orion-Kapsel für die Artemis-Missionen.
  • Boeing (ISIN: US0970231058) – Mitentwickler der SLS-Mondrakete.
  • Airbus (ISIN: NL0000235190) – Baut das zentrale Service-Modul für die Orion-Kapsel.
  • Rocket Lab USA (ISIN: US7731211089) – Einer der führenden kommerziellen Startanbieter neben SpaceX und börsennotiert.
  • Planet Labs (ISIN: US72703X1063) – Betreibt die größte Erdbeobachtungs-Satellitenkonstellation.
  • AST SpaceMobile (ISIN: US00217D1000) – Arbeitet am Aufbau eines weltraumgestützten Mobilfunknetzes (für normale Smartphones).

Die clevere Alternative: Weltraum-ETFs

Für die allermeisten Privatanleger dürfte der Griff zu einem Themen-ETF die beste Lösung sein. Mit speziellen Space-ETFs investieren Sie auf einen Schlag in einen ganzen Korb von Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Weltraumwirtschaft aktiv sind. Dazu gehören neben den etablierten Luft- und Raumfahrtkonzernen auch Satellitenbetreiber, Telekommunikationsunternehmen und Hersteller von Spezialinfrastruktur. So sind Sie beim Megatrend dabei, ohne das extreme Risiko zu tragen, dass eine einzelne Rakete (oder Aktie) abstürzt.

Mit diesem ETF, der in Europa (UCITS) zugelassen ist, können Anleger beispielsweise gebündelt in die Space Economy investieren:

  • VanEck Space Innovators UCITS ETF (ISIN: IE000YU9K6K2)

Was Aktionäre von der Raumfahrt lernen können

Egal ob Weltraum-Fan oder kühler Rechner – die Raumfahrt lehrt Anleger zwei extrem wichtige Lektionen, die für jedes Depot gelten:

  • Geduld zahlt sich aus: Das Artemis-Programm hat Jahre der Verzögerung und unzählige Budgetüberschreitungen hinter sich. Doch heute zahlt sich die Ausdauer aus. Ähnlich ist es an der Börse: Zukunftstrends brauchen Zeit, um sich zu entfalten. Wer in die „New Space Economy“ investiert, sollte keinen schnellen Gewinn erwarten, sondern einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren mitbringen.
  • Redundanz ist überlebenswichtig: Keine Raumkapsel startet ohne doppelte und dreifache Backup-Systeme. Fällt ein Computer aus, übernimmt sofort ein anderer. Dieses Prinzip der Redundanz heißt an der Börse Diversifikation. Setzen Sie niemals Ihr gesamtes Kapital auf nur eine Karte oder einen Sektor. Bauen Sie ein solides „Backup-System“ in Form eines breit gestreuten Weltportfolios auf, bevor Sie in spezielle Themenwetten investieren.

Ein kleiner Schritt für die NASA, ein riesiger Sprung für Ihr Depot?

Der heutige Flug von Artemis II ist weit mehr als nur ein nostalgisches Echo der Apollo-Ära – er ist der greifbare Auftakt zur kommerziellen Erschließung des Weltraums. Von satellitengestützter Kommunikation und neuer Infrastruktur bis hin zur langfristigen Vision vom Abbau extraterrestrischer Rohstoffe: Die wirtschaftlichen Möglichkeiten jenseits der Erdatmosphäre sind gewaltig.

Für Anleger bietet die „New Space Economy“ in den kommenden Jahrzehnten ein geradezu astronomisches Potenzial. Doch wie bei jeder echten Expedition ins Unbekannte gilt auch an der Börse: Sorgfältige Vorbereitung, strikte Diversifikation und ein langer Atem sind die besten Begleiter. Wer diese Grundregeln beachtet und nicht blind auf jede Rakete aufspringt, kann sein Portfolio strategisch für die Zukunft aufstellen und langfristig vom neuen Wettlauf ins All profitieren.