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Proterra-Aktie: Hat die E-Bus-Firma noch Luft nach oben?

Inhaltsverzeichnis

US-Präsident Joe Biden machte unlängst klar, dass die Elektromobilität einer der wichtigsten Hebel im Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel ist. Deshalb will das Weiße Haus in den nächsten Jahren gigantische Summen in den Ausbau der Stromer investieren.

USA steht Boom bei E-Bussen bevor

Was viele oftmals vergessen: Dabei geht es nicht nur um E-PKWs, sondern auch um elektrifizierte Busse. Noch sind diese Transportmittel in den USA eher rar gesät. Mit Blick auf die staatlichen Förderungen dürfte sich das in den nächsten Jahren aber dramatisch ändern.

So will zum Beispiel die Stadt New York bis 2035 ihre gesamte Schulbus-Flotte auf emissionsarme Fahrzeuge umstellen. Andere große US-Städte haben zuletzt ähnliche Pläne vorgestellt. Das US-Forschungsunternehmen Mordor Intelligence rechnet damit, dass der Markt rund um elektrifizierte Bussen in Nordamerika bis 2026 um jährlich knapp 30 Prozent wachsen wird.

Politisches Risiko bei BYD

Dieses wohl unvermeidbare Wachstum ist auch für Sie als Anleger eine Chance. Bislang gibt es nur sehr wenige börsennotierte Firmen, die in den USA auf Elektrobusse setzen. Darunter: der chinesische Konzern BYD. Das Problem: Wegen der politischen Querelen zwischen Washington und Peking müssen die Chinesen zunehmend um ihr Geschäft in den USA bangen.

Auch Joe Biden hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass man künftig heimische Autohersteller gegenüber ausländischen und vor allem jenen aus China bevorzugen werde. Ein Investment in die BYD-Aktie ist also mit einem großen Risiko verbunden.

Deutlich aussichtsreicher erscheint da Proterra

Das US-Unternehmen war erst im Sommer 2021 per SPAC (Mantelgesellschaft ohne eigenes operatives Geschäft) auf das Börsenparkett gehievt worden. Bevor wir uns den Aktienkurs anschauen, zunächst ein paar Worte zur Firma.

Proterra wurde 2004 in Kalifornien gegründet. Das Unternehmen ist so etwas wie ein Rundum-Anbieter im Bereich elektrifizierter Busse. Das heißt: Proterra baut nicht nur komplette Elektrobusse, sondern bietet seinen Firmenkunden auch wichtige Komponenten für diese Fahrzeuge an. Darunter: Batteriesysteme, Lade- und Energiemanagement-Lösungen sowie Antriebssysteme.

Daimler mit im Boot

Zu den Kunden gehört der deutsche Fahrzeug-Gigant Daimler. Dessen US-Tochter Thomas Built greift bei der Herstellung von E-Schulbussen auf die elektrifizierten Antriebsstränge von Proterra zurück. Daimler hält übrigens eine  Beteiligung an Proterra.

Ein weiterer größerer Kunde ist zum Beispiel die belgische Busmarke Van Hool. Und: Erst im November konnte Proterra mit dem Bushersteller Lightning eMotors einen langjährigen Liefervertrag unter Dach und Fach bringen. Demnach wird Proterra dem Partner im großen Stil Batterien verkaufen.

Starke Wachstumszahlen

Bilanziell sieht sich das Unternehmen indes auf Kurs. Im dritten Quartal 2021 konnte Proterra seine Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf 62 Millionen Dollar steigern. Die Batterieproduktion habe man zwischen Juli und Ende September um 95 Prozent erhöhen können. Die Auslieferung kompletter Busse stieg demnach um 58 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2021 erwartet Proterra einen Umsatz von 246 Millionen Dollar. Und auch für 2022 und darüber hinaus rechnet das Unternehmen mit weiterem Wachstum. Man verfüge über etliche Partnerschaften nicht nur bei der Lieferung kompletter E-Busse, sondern auch bei der Versorgung mit Batterien und Antriebssträngen, heißt es im Q3-Bilanzbericht.

Proterra-Aktie günstig?

Das Unternehmen ist also auf Wachstum gepolt. Die Aktie hingegen konnte zwar zu Beginn ihrer Börsenhistorie von einem starken Hype profitieren, krachte anschließend aber deutlich ein. Bis zum 20. Dezember summierte sich das seit dem IPO gemessene Kursminus auf mehr als 40 Prozent.

Viele Analysten sehen die Aktie deshalb als unterbewertet an. Laut Marketscreener liegt das durchschnittliche Kursziel der Experten bei mehr als 50 Prozent (Stand: 20. Dezember). Durch seinen ganzheitlichen Ansatz hat Proterra nämlich die besten Chancen, vom kommenden Boom der Elektrobusse in den USA zu profitieren. Hinzu kommt, dass man sich als US-Unternehmen auf starken Rückenwind aus Washington einstellen kann.

Achtung Risiko

Als Anleger sollten Sie aber auch die Risikofaktoren kennen. So ist Proterra derzeit noch ein vergleichsweise kleines Unternehmen. Die Aktie ist also eine Wette auf die Zukunft. Und die muss nicht zwangsweise rosig sein. So gehen Befürchtungen um, dass viele Bushersteller künftig eigene Batterie- und Antriebssysteme verwenden könnten. Dadurch würde Proterra ein großer Teil seines Geschäfts wegbrechen.

Und auch bei den Bus-Verkäufen muss sich Proterra in den nächsten Jahren auf eine immer stärkere Konkurrenz einstellen. Vor allem das kanadische Traditionsunternehmen New Flyer könnte Proterra in den USA in den Schatten stellen.

Nicht zuletzt gerät auch Proterra in den Sog der Materialkrise. Bislang konnte man die Lieferengpässe relativ gut abfedern. Ob das auch im kommenden Jahr gelingen wird, bleibt trotz der optimistischen Prognose vonseiten des Unternehmens abzuwarten. Hier könnte es zu weiteren kurzfristigen Kursrücksetzern kommen.

Alles in allem aber bietet Proterra für risikoaffine Anleger eine durchaus interessante Chance, um vom kommenden E-Bus-Boom der USA zu profitieren.