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Prosus – Beteiligung an Tencent dämpft Aktie

Inhaltsverzeichnis

Die niederländische Beteiligungsholding  Prosus hat in den ersten sechs Monaten ihres Geschäftsjahrs 2022/2023 trotz steigender Umsätze deutlich weniger verdient – auch weil die Beteiligung am chinesischen Internetgiganten Tencent nicht mehr so ertragreich war.

Abspaltung des südafrikanischen Napsters-Konzerns

Prosus investiert als reine Holding-Gesellschaft weltweit vorwiegend in Tech-Unternehmen und Online-Marktplätze und ist auch bei Start-up aktiv. Das Unternehmen wurde 2019 vom südafrikanischen Medienkonzern Napsters abgespaltet und firmiert seither in Amsterdam. Napsters ist aber weiterhin Großaktionär. In Deutschland am bekanntesten ist, neben Tencent, wohl die Prosus-Beteiligung am Lieferdienst Delivery Hero, die im MDAX gelistet ist.

Die mit Abstand wichtigste Beteiligung von Prosus ist Tencent. Das Unternehmen hält 28 % am chinesischen Konzern.  Da im ersten Halbjahr 2022/2023, das am 30. September zu Ende ging, die Erträge aus der Tencent-Beteiligung signifikant niedriger waren als im Jahr zuvor, sackte der Gewinn der Beteiligungsholding ab.

Während Prosus die Verkäufe von Tencent-Aktien im Vorjahr noch 12,4 Milliarden US-Dollar in die Kassen gespült hatten, waren es von März bis September 2022 „nur“ noch 2,8 Milliarden Dollar. Hier machte sich die Baisse bei Technologieaktien bemerkbar, die auch Chinas Aktien in Mitleidenschaft gezogen hat. Mit den Tencent-Verkäufen finanziert Prosus umfangreiche Rückkäufe eigener Aktien und von Aktien der Mutter Napsters. Im ersten Halbjahr wurden dafür 5,8 Milliarden Dollar aufgewendet.

Gewinn je Aktie stark unter Druck

Insgesamt erzielte Prosus in den ersten sechs Monaten einen Umsatzzuwachs von 9 % auf 16,5 Milliarden Dollar. Der größte Erlösbringer unter den fünf Bereichen ist  weiterhin E-Commerce, gefolgt vom Food-Portfolio, zu dem auch Delivery Hero zählt.

Der bereinigte Kerngewinn (core headline earnings) sackte dagegen um 60 % auf 897 Millionen Dollar ab und die Trading-Profite um 37 % auf 1,4 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 11 US-Cents weit unter dem Vorjahresniveau von 144 US-Cents. Prosus rechnet damit, dass im laufenden Geschäftsjahr 2022/2023 der Höhepunkt der Investitionsausgaben erreicht wird und dass anschließend die Profitabilität wieder zunimmt.

Prosus will „geschenkte“ Aktien von Meituan nicht behalten

Die Beteiligung an Tencent bringt Prosus im kommenden Kalenderjahr einen Sonderertrag ins Portfolio. Der Internetriese will sein Aktienpaket am chinesischen Online-Rabattgutscheinunternehmen Meituan als Zusatzdividende an seine Anleger ausschütten. Prosus will dieses Paket aber nicht behalten, sondern es zum Verkauf stellen. Aktuell würde das Prosus rund 5 Milliarden Dollar einbringen.

Die Tencent-Beteiligung ist für die Kursentwicklung der Aktien von Prosus und Napsters ein Hemmschuh. Aufgrund des „Klumpenrisikos“, also dem großen Anteil am Beteiligungsportfolio, werden beiden Aktien mit einem hohen Abschlag zum inneren Wert der gesamten Beteiligungen gehandelt. Prosus hat trotzdem klar gemacht, dass die Holding keinen Verkauf der Tencent-Beteiligung plant. Die Aktie von Prosus ist nach den Zahlen leicht im Plus. Der Kurs bewegt sich in einer engen Bandbreite um 57,50 Euro.