Öl-Aktien im Wandel: Ist BP auf dem richtigen Weg?

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letzte Woche am Dienstag war es so weit: Nachdem die großen Ölkonzerne Exxon Mobil und Shell vorgelegt hatten, war nun auch BP mit neuen Zahlen an der Reihe. Kurzum: Das Zahlenwerk fiel überraschend gut aus, was der Aktie sogleich auf die Sprünge half, wie Sie im Chart sehen können (Stand: 09.02.2024, 10:00 Uhr):

Quelle: www.aktienscreener.com

BP liefert trotz Marktnormalisierung starken Cashflow: Aktionäre sollen belohnt werden

Demnach lag der um Sondereffekte bereinigte Gewinn 2023 bei 13,8 Milliarden Dollar. Das ist zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber dem starken Vorjahr (27,7 Mrd.). 2022 hatten aber die Marktquerelen infolge des Ukraine-Kriegs die Gas- und Ölpreise nach oben schießen lassen. Inzwischen hat sich der Markt wieder normalisiert. Dass BP nun trotzdem einen so hohen Milliardengewinn erzielen konnte, wurde an der Börse sehr positiv quittiert.

Vor allem das Schlussquartal erwies sich als Geldquelle. Zwar sank der Nettogewinn in Q4 wegen Wertberichtigungen auf rohstoffbezogene Finanzinstrumente signifikant, der operative Cashflow aber blieb mit 9,4 Milliarden Dollar beachtlich hoch. Das verschafft BP sogleich finanziellen Spielraum, um die Aktionäre abermals üppig zu belohnen. So kündigte das Management allein für das erste Halbjahr 2024 ein weiteres Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar an. Hinzu kommt eine Dividendensteigerung um +10 %.

Energiewende: Gibt BP zu viel Geld für kurzfristige Renditen aus?

Was Sie als Anleger nicht unterschätzen sollten: Ganz unproblematisch sind die Aktionärsbelohnungen mit Blick auf die langfristige Perspektive nicht. Im Mittelpunkt steht die Transformationen von einem reinen Öl- und Gaskonzern zu einem diversifizierten und auf ökologische Nachhaltigkeit orientierten Energiegiganten. BP jedenfalls hatte sich selbst bereits vor einigen Jahren zu einem „Vorreiter der grünen Energien“ erklärt. Der Ölkonzern hatte damals die Wichtigkeit von Investitionen etwa in den Ausbau der Windkraft, Ladeinfrastruktur für Elektroautos und grünen Wasserstoff akzentuiert.

Doch die Hinwendung zur Energiewende sorgte zuletzt auch für erhebliche Kritik. So hatte der aktivistische Investor Bluebell Capital Partners die grüne Agenda von BP als „irrational“ gebrandmarkt und gefordert, Investitionen in Erneuerbare Energien wieder auf Öl und Gas umzuleiten. Der Investor spielt damit vor allem auf das zuletzt schwächelnde Marktumfeld rund um Windkraft und Elektromobilität durch die makroökonomischen Widerstände (insb. hohe Zinsen) an.

Zwar ist BP von seiner Energiewendestrategie daraufhin prinzipiell nicht abgerückt, doch die abermals enorm hohen Aktienrückkaufprogramme und Dividenden schmälern das Investitionsvolumen für das operative Wachstum. Der neue BP-Chef Murray Auchincloss, der erst im Januar auf den überraschend zurückgetretenen Konzernboss Bernard Looney folgte, plant nun, mindestens 80 % der überschüssigen Barmittelzuflüsse an die Aktionäre auszuschütten. Zuvor hatte das Ziel hier bei 60 % gelegen. Das Kalkül: Auchincloss will mit den höheren Belohnungen die Aktionäre bei der Stange halten und Kritiker wie Bluebell mit Renditen besänftigen. Gleichzeitig will der neue Chef die Investitionen in das operative Geschäft unter Kontrolle halten.

Langfristig gesehen könnte BP mit dieser Strategie (kurzfristige Renditen für die Aktionäre) seine angesichts der staatlichen Vorgaben im Prinzip zwingend notwendige Transformation in Gefahr bringen. Klar: Öl und Gas bleiben auf absehbare Zeit wichtige Energierohstoffe für das Funktionieren der Weltwirtschaft. Doch die staatlichen Regularien (z.B. CO2-Preis und Scope-3-Ziele) werden sich in vielen großen Volkswirtschaften in den kommenden Jahren massiv verschärfen, was das Geschäft mit den fossilen Rohstoffen langfristig(!) belasten dürfte.

Solarkraft: Neuer BP-Chef will Lightsource-Geschäft stärken

Immerhin: Ganz untätig ist der neue Konzernboss in dieser Sache nicht. Im Rahmen der Jahrespräsentation am Dienstag kündigte Auchincloss an, neue Partner für den Solarentwickler Lightsource BP zu gewinnen. Hintergrund: BP hatte im letzten November bekannt gegeben, dass der Konzern Lightsource BP vollständig übernehmen und damit die restlichen 50 % Prozent der Anteile an dem Joint-Venture für 322 Millionen Dollar kaufen werde. Der Ölkonzern will dadurch seine Kapazitäten im Bereich der Erneuerbaren Energien ausbauen.

Nun will Auchincloss das Geschäft von Lightsource also über Kooperationen beflügeln. Der Konzernchef will damit den kritischen Investoren zeigen, dass mit Erneuerbarer Energie Renditen erzielt werden können. Tatsächlich bietet Lightsource hierfür eine gute Grundlage. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und ist inzwischen zu einem Big Player avanciert. Der PV-Spezialist entwickelt Solarprojekte in 19 Ländern. Bis dato hat er eine Kapazität von 8,4 Gigawatt entwickelt und weitere 61 Gigawatt in der Pipeline. Laut Auchincloss erwirtschaftet Lightsource bereits heute Renditen im mittleren Zehnerbereich, was mit dem Öl- und Gasgeschäft konkurrieren könne.

Übrigens: BP will bis 2030 mit den sogenannten „Transition growth engines“ (u.a. Biokraftstoffe, EV-Ladeinfrastruktur, Convenience-Shops, Wasserstoff und Erneuerbare Energien) ein Betriebsergebnis EBITDA von 10 bis 12 Milliarden Dollar erzielen. Das wäre zwar deutlich mehr als 2023 (1,0 Mrd.), aber immer noch nur ein Viertel des gesamten Betriebsergebnisses aus dem letzten Jahr.

Mein Fazit für Sie

BP befindet sich aktuell in einem gravierenden Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Renditen und langfristiger Wachstumsperspektive. Für das Management, das möglichst viele Shareholder an Bord holen bzw. halten will, ist das ein Drahtseilakt. Behalten Sie dieses Thema gerade als langfristig orientierter Anleger auf jeden Fall im Hinterkopf.