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Norsk Hydro – eine Leichtigkeit, nicht?

Inhaltsverzeichnis

Die norwegische Norsk Hydro zählt zu den weltweit dominierenden Produzenten von Aluminium. Die Rekordpreise des Leichtmetalls sind Vergangenheit. Was bedeutet dies für die Aktie?

Aus 1 mach 2

Das norwegische Unternehmen war bis vor 15 Jahren relativ bereit im Energiesektor aufgestellt. Zum 1. Oktober 2007 wurde der Bereich Erdöl & Energie abgespalten, fusionierte mit dem Statoil-Konzern firmiert seitdem unter dem Firmennamen Statoil Hydro. Seitdem konzentriert sich Norsk Hydro, oder einfach nur „Hydro“ auf die Aluminiumproduktion. Seit dem Jahr 2013 zählen die Norweger zu den größten weltweit.

Übernahmen sorgten für Wachstum

Dazu beigetragen haben auch diverse Übernahmen. Etwa jene des deutschen Aluminiumproduzenten VAW, den Hydro im Jahr 2002 dem deutschen Versorger E.ON abkaufte. Im selben Jahr erwarben die Norweger komplett das Tochterunternehmen SAPA, an dem sie zuvor zur Hälfte beteiligt waren. Im Mai 2010 wurde die Aluminium-Sparte des brasilianischen Bergbauunternehmens Vale übernommen.

Der norwegische Staat ist mit rund 34 Prozent am Unternehmen beteiligt. Geschäftliche Aktivitäten bestehen in rund 40 Ländern, mehr als 34.000 Beschäftigte stehen rund um den Globus in Lohn und Brot. Norsk Hydro profitierte in den vergangenen zwei bis drei Jahren insbesondere beim Aluminiumpreis, der in dieser Zeit scheinbar kein Halten mehr kannte.

Preisexplosion nach Corona-Schock

Corona hatte seinerzeit fast überall tiefe und üble Spuren hinterlassen. Auch die Rohstoffpreise sausten mit ordentlichem Tempo nach unten. Als die Pandemie-Lage sich allmählich entspannte, explodierte der Aluminiumpreis förmlich. Mit nahezu 3.200 US-Dollar die Tonne erreichte der Alu-Preis im Oktober 2021 sein vorläufiges Rekordhoch. Zum Vergleich: im April 2020 mussten Einkäufer für die Tonne Aluminium noch weniger als 1.500 Dollar bezahlen.

Plausibel ist, dass sich die Preisexplosion beim Aluminium mehr als nur deutlich bei den Umsätzen und Gewinnen von Norsk Hydro bemerkbar machten. So war die Bilanz für das Geschäftsjahr 2021 eine mit Goldrand.

Gewinnexplosion in 2021

Im vergangenen Jahr legten die Umsatzerlöse um 31 Prozent zu. Das Nettoergebnis hingegen vervierfachte sich knapp – von 3,8 Milliarden Norwegische Kronen (NOK) im davorliegenden Jahr auf sage und schreibe 13,9 Milliarden NOK. Für das Jahr 2021 zahlten die Norweger je Aktie eine Dividende von 5,4 NOK nach 1,25 NOK im davorliegenden Jahr. Fairerweise erwähnt werden sollte, dass in der 21er Dividende zwei Kronen Sonderausschüttung enthalten waren. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses von rund 72 NOK ergibt sich eine Dividendenrendite von immerhin rund 7 Prozent.

Obwohl der Aluminiumpreis seit seinem Höchststand ordentlich Federn gelassen hat und nunmehr bei rund 2.250 US-Dollar je Tonne notiert, hat Norsk Hydro ein durchaus passables 3. Quartal mit einem erkennbaren Gewinnzuwachs und Umsatzplus abgeliefert. Fraglich allerdings, ob die Norweger das Tempo werden beibehalten können.

Norsk Hydro Aktie ein Kauf?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Mir wäre dies momentan ein wenig zu früh. Denn Norsk Hydro ist ein Zykliker, dessen Wohl und Wehe von der Weltkonjunktur abhängt. Wie nahe Freud‘ und Leid beieinanderliegen können, zeigt die Preisentwicklung von Aluminium in den vergangenen zwei Jahren.

In der Rückschau war die Norsk Hydro Aktie (WKN: 851908) kein Überflieger, eher ein redlicher Performance-Lieferant. In den vergangenen zehn Jahren betrug der Gesamtgewinn gut 80 Prozent, in den vergangenen drei Jahren hingegen knapp 110 Prozent, was – ich wiederhole mich – der Preisentwicklung beim Aluminium geschuldet ist.

Für das laufende Jahr erwartet der Analysten-Konsens ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 5,6 – das ist billig, um nicht zu sagen: spottbillig. Zugleich auch für Investoren, die nach vorne blicken, ziemlich irrelevant.

Denn für das Jahr 2023 beträgt das erwartete KGV mehr als 11. Im Klartext: Die Auguren unterstellen, dass der Aluminiumpreis bis auf Weiteres – wohl auch der möglichen Konjunkturflaute geschuldet – nicht wieder auf alte Höhen emporschwingt. Das würde die Gewinne von Norsk Hydro erheblich dämpfen. Meine Meinung: für den Einstieg dürfte es noch ein wenig zu früh sein. Falls sich bis Jahresmitte 2023 eine nachhaltige Erholung der Weltkonjunktur abzeichnet, können beherzte, zugleich nicht hasenfüßige Investoren zugreifen.