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Nordex – Gegenwind wird stärker

Inhaltsverzeichnis

Obwohl der Windanlagenbauer Nordex im dritten Quartal 2022 seine Verkaufspreise um durchschnittlich 32 % anheben konnte, hat sich die Ertragslage deutlich verschlechtert. Der Aktienkurs erholt sich dennoch.

Inflation und Lieferketten belasten

Die fortwährende Unterbrechungen von Lieferketten und das inflationäre Umfeld machen dem Hamburger TecDAX-Wert schwer zu schaffen. Das Management wird deshalb für das Gesamtjahr 2022 pessimistischer und hat die Ertragserwartungen für die operative Marge (EBITDA) auf minus 4 % zurückgenommen. Das ist das untere Ende der bisherigen Prognosespanne. Die höheren Verkaufspreise, die bei neuen Aufträgen vereinbart worden sind, machen sich in der Regel erst mit Verzögerung bemerkbar.

Das Ziel von minus 4 % würde im Vergleich zu den ersten neun Monaten aber immerhin eine Verbesserung bedeuten. Denn da ist die EBITDA-Marge auf minus 5,2 % abgestürzt. Ein Jahr zuvor hatte Nordex noch eine operative Marge von plus 2,5 % erzielt.

In Euro ausgedrückt ist das operative Ergebnis von plus 100,7 Millionen auf minus 199,8 Millionen Euro zurückgegangen. Unter dem Strich erreichte das Konzernbetriebsergebnis ein dickes Minus von 371,6 Millionen Euro gegenüber minus 103,7 Millionen im Vorjahr.

Deutlich weniger Windanlagen installiert

Im dritten, bis Ende September dauernden dritten Quartal hat Nordex beim Umsatz seine eigenen Erwartungen erfüllt und die Verkäufe auf 1,7 Milliarden Euro gesteigert. In den ersten neun Monaten liegt der Umsatz mit 3,9 Milliarden Euro jedoch unter dem Vorjahreswert von 4,0 Milliarden Euro.

Nordex hat von Januar bis September 791 Windenergieanlagen in 17 Ländern installiert. Ein Jahr zuvor waren es noch 1216 Anlagen in 22 Ländern gewesen. Europa bleibt der wichtigste Markt mit einem Anteil von 74 % der Umsätze.

Immerhin war der Auftragseingang in den ersten drei Quartalen mit 3,6 Milliarden Euro höher als ein Jahr zuvor mit 3,2 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand ist dadurch deutlich von 8,0 Milliarden auf 9,7 Milliarden Euro geklettert. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf höhere Verkaufspreise, denn gemessen an der Leistung der Windanlagen hat Nordex in den ersten neun Monaten weniger Bestellungen hereingeholt – 4,4 Gigawatt nach 4,6 Gigawatt.

Preiserhöhungen sollen Rentabilität verbessern

Trotz der schwachen Zahlen zeigt sich Nordex-Chef José Luis Blabco für die weitere Entwicklung zuversichtlich. Er wertet die Durchsetzung deutlich höherer Verkaufspreise als Erfolg. Damit ließen sich die massiven externen Kostensteigerungen kompensieren und die Rentabilität steigern. Zudem sieht er weiteres Wachstum, weil er „von den weltweit mittelfristig vielversprechenden Aussichten für unsere Industrie weiterhin überzeugt“ ist. Nordex hat die Zahlen gestern nach Börsenschluss bekanntgegeben. Der Kurs fiel anschließend nachbörslich um rund 5 % zurück. Heute machte er diese Verluste im Vormittagshandel wieder mehr als wett und war mit 10,55 Euro gut 7 % im Plus. Der Jahreshöchstkurs hatte im März über 18 Euro betragen.