ASML: KI-Boom-Profiteur vor Comeback?
Die erfolgsverwöhnte Aktie von ASML macht seit einem Jahr eine Schwächephase durch. Zuletzt konnte sich der Kurs von seinen Tiefstständen wieder deutlich erholen. Steht eine größere Aufwärtsbewegung beim KI-Boom-Profiteur bevor?
Unternehmensportrait
Das niederländische Unternehmen ASML ist der weltweit dominierende Anbieter von sogenannten Lithographiesystemen für die Chipindustrie. Diese Maschinen sind für die Produktion hochmoderner Computerchips unerlässlich.
Der globale Marktanteil von ASML liegt zwischen 80 und 90%. Hinzu kommt, dass die Maschinen von ASML der Konkurrenz als technologisch überlegen gelten. Zu den Kunden zählen alle namhaften Chipproduzenten wie Nvidia, AMD und TSMC (der weltgrößte Auftragsfertiger).
Ergebnisse für das zweite Quartal über den Erwartungen
Die Ergebnisse für das zweite Quartal fielen stark aus. Sowohl Umsatz und Gewinn als auch Auftragseingang und Gewinnmarge konnten die Prognosen klar übertreffen. Der Umsatz kletterte um gut +23% auf 7,7 Mrd. Euro (Prognose: 7,5 Mrd. Euro), davon entfielen 72% auf den Verkauf neuer Maschinen und 28% auf Dienstleistungen. Beim Gewinn gab es einen satten Zuwachs von +47% auf 5,90 Euro pro Aktie (Prognose: 5,15 Euro je Aktie).
Zudem sammelte der Konzern neue Aufträge im Wert von 5,5 Mrd. Euro ein, auch dies lag über der Analystenerwartung von 4,8 Mrd. Euro.
Anleger von vorsichtiger Prognose enttäuscht
Dass der Quartalsbericht von den Anlegern trotz dieser starken Ergebnisse nicht gut aufgenommen wurde, lag an der Haltung des Managements. ASML-Chef Christophe Fouquet äußerte sich zurückhaltend gegenüber dem Jahr 2026 und wollte zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Prognosen abgeben.
Vor allem die hohen drohenden US-Zölle machen dem Management Sorgen. Zudem wirken sich die von den USA erlassenen Ausfuhrbeschränkungen nach China, die von der niederländischen Regierung umgesetzt werden, als Wachstumsbremse für ASML aus.
Die Börse mag keine Unsicherheiten und geht vom Schlimmsten aus
Solche Unsicherheiten kommen an der Börse – wie üblich – schlecht an. Die Anleger gehen dann lieber auf Nummer sicher und preisen das schlechteste Szenario in den Aktienkurs ein.
Allerdings ist das Management von ASML für seine konservativen Prognosen bekannt. Es wird nur das in Aussicht gestellt, was auch jeden Fall erreicht wird und in den meisten Fällen führt das zu einer positiven Überraschung.
Zuletzt legte die ASML-Aktie wieder den Vorwärtsgang ein
Die Stimmung gegenüber ASML dürfte also wesentlich schlechter als die tatsächlichen Aussichten sein, zumal auch die Bewertung inzwischen unterhalb dem Schnitt der vergangenen Jahre liegt.
Das scheinen immer mehr Anleger so zu sehen. Von ihrem Tief Anfang September bei rund 610 Euro konnte sich die ASML-Aktie in den vergangenen beiden Wochen um rund 20% erholen. Diese Erholungsbewegung könnte noch eine ganze Weile weitergehen.