ASML: KI-Boom-Profiteur ohne Aufpreis
Lange Zeit wurde die Aktie von ASML mit einem deutlichen Bewertungsaufschlag gehandelt. Aktuell ist davon nicht mehr viel zu sehen. Daher lohnt es sich, einen Blick auf die Aktie zu werfen.
Kurzportrait ASML
Das niederländische Unternehmen ASML ist der weltweit dominierende Anbieter von sogenannten Lithographiesystemen für die Chipindustrie. Diese Maschinen sind für die Produktion hochmoderner Computerchips unerlässlich. Der globale Marktanteil von ASML liegt zwischen 80 und 90%. Zu den Kunden zählen alle namhaften Chipproduzenten wie Nvidia, AMD und TSMC (der weltgrößte Auftragsfertiger).
ASML-Maschinen der neuesten Generation, sogenannte EUV-Maschinen, brennen mit Hilfe von extrem ultraviolettem Licht sehr feine Strukturen in Siliziumscheiben. Die EUV-Lithografie ermöglicht es, die Strukturverkleinerung in der Halbleiterindustrie fortzusetzen, um noch kleinere, effizientere und schnellere integrierte Schaltkreise herstellen zu können.
China-Restriktionen bremsen das Wachstum
Der Vorteil dieser EUV-Maschinen (die aktuell nur von ASML angeboten werden) ist so groß, dass sie unter das Exportverbot der US-Regierung nach China fallen, um den technologischen und militärischen Aufstieg der Volksrepublik zu bremsen. ASML hält sich an diese Bestimmungen und verkauft lediglich Lithographiesysteme der vorherigen Generation nach China.
Dies bremst allerdings auch das Wachstum von ASML. Aber dank des KI-Booms kann das Unternehmen auch „mit angezogener Handbremse“ wachsen. Die massiven Investitionen von Hyperscalern wie Microsoft, Alphabet, Amazon, Oracle und IBM in KI-Infrastruktur lassen die Nachfrage nach High-End-Chips in den nächsten Jahren weiter steigen. Chiphersteller wie TSMC, Samsung und AMD fahren daher ihre Produktionskapazitäten nach oben und platzieren Aufträge für entsprechende Produktionsanlagen bei ASML.
Gute Quartalszahlen, aber vorsichtige Prognose
Die jüngsten Quartalszahlen konnten die Analystenprognosen übertreffen. ASML meldete einen Umsatzanstieg von +23% auf 7,69 Mrd. Euro und einen Gewinnanstieg von +47% auf 5,90 Euro pro Aktie. Auch der Auftragseingang von 5,54 Mrd. Euro lag deutlich über den Erwartungen.
Allerdings sorgte eine sehr vorsichtige Prognose dafür, dass bei den Anlegern keine Freude aufkommen wollte. Für das Gesamtjahr rechnet das Management lediglich mit einem Umsatzzuwachs von +15%. Analysten hatten sich hier einiges mehr erhofft. Aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten verzichtete ASML zudem darauf eine konkrete Prognose für 2026 abzugeben.
Kein Bewertungsaufschlag für die Aktie mehr
Die Aktie von ASML reagierte mit einem Kursabschlag auf die Unsicherheiten rund um die Prognosen. Allerdings hat ASML in der Vergangenheit oftmals sehr vorsichtige Prognosen abgegeben, die dann oftmals deutlich übertroffen werden konnten.
Von der Bewertung her erscheint der Wert aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27 vergleichsweise günstig. Von der Premium-Bewertung vergangener Jahre ist nichts mehr zu sehen. In Anbetracht der dominanten Marktposition in einem Teilbereich des KI-Megatrends wäre ein Bewertungsaufschlag – wie in früheren Zeiten – jedenfalls nicht ungewöhnlich.