+++ Die kostenlosen Online Live Webinare 2022 - Trading, Finanzen, Geldanlage & Vermögen +++

Netflix – Rummmmms nach oben

Inhaltsverzeichnis

Nachdem der kalifornische Streamingdienst-Pionier Netflix in diesem Jahr einige Rückschläge hinnehmen musste und im ersten Quartal sogar erstmals seit über zehn Jahren einen Abonnenten-Rückgang verbuchte, läuft es jetzt wieder deutlich besser. Die Aktie liegt nach unerwartet starken Quartalszahlen zweistellig im Plus.

Nichts für schwache Nerven

Netflix-Aktionäre haben seit Pandemie-Beginn eine ziemlich turbulente Achterbahnfahrt hinter sich. War der Streamingdienst-Anbieter zunächst ein klarer Corona-Gewinner, für den es scheinbar unaufhaltsam nach oben ging bis auf das Allzeithoch von beinahe 620 Euro im November 2022, folgte anschließend ein noch steilerer Absturz.

Nach einem enttäuschenden Ausblick auf den Start in das Geschäftsjahr 2022 halbierte sich der Kurs beinahe, und als die Zahlen zum ersten Quartal noch deutlich schwächer ausfielen als befürchtet, fiel die Aktie bis auf etwa 155 Euro. Seitdem gelang immerhin eine Erholung, dank eines soliden zweiten Quartals stieg der Kurs zuletzt wieder bis auf annähernd 250 Euro.

Und heute geht es dank überraschend starker Zahlen zum dritten Quartal im deutschen Vormittagshandel um rund 13 Prozent nach oben auf gut 275 Euro. Ist der Turnaround also endgültig gelungen? Sehen wir uns die Zahlen genauer an.

Nutzerzahl steigt deutlich

Im am 30. September 2022 beendeten dritten Quartal des Geschäftsjahres 2022 konnte Netflix seinen Umsatz im Vorjahresvergleich um 5,9 Prozent auf 7,93 Milliarden US-Dollar steigern und damit die Erwartungen der Experten um knapp 0,1 Milliarden Dollar übertreffen. Die Anzahl der Bezahlabos erhöhte sich um 4,5 Prozent oder fast 10 Millionen auf 223,1 Millionen. Im Vergleich zum zweiten Quartal stieg die Nutzeranzahl um gut 2,4 Millionen, selbst Netflix hatte in seiner Prognose lediglich einen Zuwachs von etwa 1 Million erwartet.

Hilfreich bei der Kundengenerierung waren zweifellos einige teils überraschende Hits, allen voran die Mini-Serie “Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer” von Star-Produzent Ryan Murphy, die nach eigenen Angaben innerhalb von drei Wochen zum zweiterfolgreichsten Serien- respektive Staffelstart der Netflix-Historie avancierte (hinter der vierten Staffel der Erfolgsserie “Stranger Things”, deren letzte beide Episoden ebenfalls im dritten Quartal veröffentlicht wurden).

Zu den weiteren globalen Serienerfolgen der letzten drei Monate zählen die südkoreanische Anwaltsserie “Extraordinary Attorney Woo”, die ungewöhnliche Fantasyserie “The Sandman”, die deutsche Historienserie “Die Kaiserin” und die fünfte Staffel der späten “Karate Kid”-Fortsetzung “Cobra Kai”. Im Filmbereich lockten vor allem der Hollywood-Actionfilm “The Gray Man” und die US-Romanze “Purple Hearts” viele Zuschauer an.

Gewinnerwartungen weit übertroffen, positiver Ausblick

Während Branchenanalysten beim verwässerten Gewinn je Aktie mit einem deutlichen Rückgang auf gut 2,10 Dollar gerechnet hatten, überraschte Netflix mit einem nur minimalen Minus von 9 Cent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 3,10 Dollar. Das Nettoeinkommen sank hingegen wegen höherer Investitionen und Marketingsausgaben um knapp 4 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar.

Für das laufende Schlussquartal des Geschäftsjahres 2022 erwartet das Netflix-Management wegen des starken Dollars einen leichten Umsatzrückgang auf 7,78 Milliarden Dollar, währungsbereinigt würde sich im Vorjahresvergleich ein Plus von 9 Prozent ergeben.

Die Menge der zahlenden Abonnenten soll um weitere 4,5 Millionen auf 227,6 Millionen steigen. Damit zeigt sich Netflix noch etwas optimistischer als die meisten Branchenexperten. Beim Nettoeinkommen rechnet das Management allerdings mit einem Einbruch auf nur noch 163 Millionen Dollar, dementsprechend soll das verwässerte Ergebnis je Aktie nur noch 0,36 Dollar betragen.

Neuer Tarif mit Werbung ab November

Neben generell hohen Investitionen und Marketingausgaben gerade in der Vorweihnachtszeit sowie Wechselkurseffekten dürfte das mit dem Start einer neuen werbefinanzierten Tarifstufe im November zusammenhängen, die mit Sicherheit stark beworben werden wird. In zunächst 12 Staaten, darunter ab 3. November die USA und Deutschland, wird man ein günstigeres Abo für 6,99 Dollar respektive 4,99 Euro abschließen können, in dem es dafür etwa 5 Minuten Werbung pro Stunde gibt.

Die bisherigen Tarife bleiben preislich unverändert, der Basistarif für in Deutschland 7,99 Euro wird aber durch eine Erhöhung der Bildqualität von SD auf HD aufgewertet. Die Auswirkungen dieser Veränderungen sind schwer vorhersehbar, grundsätzlich sehen viele Branchenexperten die neue Tarifstufe aber positiv. Ob Netflix tatsächlich den Turnaround geschafft hat, dürfte maßgeblich vom langfristigen Erfolg dieses neuen Abo-Modells abhängen.