Mühlbauer – Teure Vorleistungen für den Wachstumsschub

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Das bayerische Technologieunternehmen Mühlbauer Holding hat im Geschäftsjahr 2022 das Fundament für künftiges Wachstum gelegt. Der Ertrag hat zwar massiv darunter gelitten, aber die Aufträge sind stark gestiegen.

Von Smart Cards bis Batteriezellen

Das in Roding im Bayerischen Wald beheimatete Unternehmen ist ein führender Anbieter von Smart Cards wie Bank- und SIM-Karten. Darüber hinaus ist es auch bei elektronischen Pässen und in der RFID-Technik aktiv. Zudem entwickelt Mühlbauer nach eigenen Angaben für führende europäische Anbieter derzeit Fertigungslösungen „mit Leuchtturmcharakter“  für die Batteriezellen- und Brennstoffzellenindustrie. Gerade in diesem Bereich hat das Unternehmen 2022 viel investiert und Personal aufgebaut. Und das aus gutem Grund: Die Aufträge sind dort massiv gestiegen.

Das Management bezeichnet deshalb das Geschäftsjahr 2022 als „Fundamentlegung“ für das anstehende Wachstum. Im Konzernabschluss ist das deutlich zu sehen. Die Gesamtleistung nahm zwar gegenüber 2021 um 8% auf 394,8 Millionen zu, aber der Ertrag rutschte massiv ab und landete nach Steuern im roten Bereich. Der Jahresüberschuss fiel von stolzen 58,9 Millionen Euro im Vorjahr auf ein Minus von 3,0 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2022. Das Ergebnis je Aktie lag dadurch mit minus 20 Cents extrem weit unter den plus 4,13 Euro 2021.

Massiver Personalaufbau belastet

Zu diesem Gewinnabsturz trug der um 23,7 Millionen Euro oder um 20,5% höhere Personalaufwand von 139,4 Millionen Euro maßgeblich bei. Um das erwartete Wachstum bewältigen zu können, stockte Mühlbauer die Belegschaft von durchschnittlich 3318 auf 3870 Mitarbeitende auf, also um 16,6%. Ende 2022 beschäftigte das Unternehmen bereits  4145 Personen. Auch die Abschreibungen erhöhten sich deutlich und noch mehr die Sonstigen Aufwendungen wie Vertriebs-, Werbe-, Reise- und Verwaltungskosten.

Trotz der roten Zahlen will Mühlbauer den Aktionären eine Dividende zahlen. Die Ausschüttung soll 1 Euro betragen nach 1,50 Euro im Jahr zuvor. Begründet wird dies damit, dass der Konzern in seinen Märkten gut positioniert ist. Das lässt sich am besten an den Aufträgen ablesen, dem Indikator für zukünftiges Wachstum. Der Bestelleingang schnellte um 55,6% auf 695 Millionen Euro in die Höhe, und der Auftragsbestand wuchs sogar um 68,6% auf 906,4 Millionen Euro.

Pilotprojekt soll 2023 abgeschlossen werden

Deshalb zeigt sich auch der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr 2023 zuversichtlich. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT)  soll einen unteren zweistelligen Millionenbereich erreichen – 2022 waren es plus 8,1 Millionen Euro. Zudem sollen die Pilotprojekte für die Batteriezellen- und Brennstoffzellenfertigung abgeschlossen werden und anschließend in Serienproduktion gehen. Mühlbauer werde dann ein „technologischer Marktführer“ in diesen Zukunftsbereichen werden. Die Aktie der Mühlbauer Holding, von der 17,2% im Freefloat gehandelt werden, veränderte sich nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichts kaum und notierte zum Vortageskurs von 61 Euro. Der Anteilschein tendiert seit über einem Jahr in einem engen Kursband um 60 Euro seitwärts, hat sich jedoch in den letzten drei Jahren um rund 55 % verbessert.