Medios krallt sich niederländischen Konkurrenten Ceban

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Einen kräftigen Kurssprung gab es zuletzt bei der Medios-Aktie, die zwischenzeitlich um ein Viertel nach oben schoss, bevor gestern Gewinnmitnahmen einsetzen. Das Beteiligungsunternehmen hat ein Angebot für das Spezialpharma-Unternehmen Ceban auf den Tisch gelegt. Das scheint den Anlegern zu gefallen, immerhin ist das Objekt der Begierde deutlich profitabler als Medios selbst.

Medios – wichtiger Player für die Pharmaindustrie

Medios ist ein führendes Unternehmen im Bereich der Versorgung von Patienten mit hochwertigen Spezialpräparaten. Das Geschäftsmodell des Konzerns basiert auf der Herstellung und Vertrieb von hochwertigen Spezialpräparaten. Diese werden in enger Zusammenarbeit mit den Kunden, also Krankenhäusern und ambulanten Praxen, entwickelt und produziert. Die Produkte werden in der Regel zur Behandlung seltener und chronischer Erkrankung eingesetzt, wie z.B. Immunologische Erkrankungen, Krebs und Stoffwechselstörungen.

  • Das Geschäft ist in drei Bereiche unterteilt: Der erste Bereich ist das Kerngeschäft, der Vertrieb von Spezialpräparaten. Zum Portfolio gehören beispielsweise Medikamente gegen Schmerzen und Entzündungen, sowie Präparate zur Behandlung von Parkinson und Alzheimer Krankheiten.
  • Der zweite Bereich ist der Versorgungsdienstleister. Hier bietet Medios eine umfassende Palette von Leistungen zur Unterstützung der Kunden im Bereich Krankenhausversorgung und der ambulanten Patientenversorgung.
  • Der dritte Bereich ist der klinische Studiensupport. Hier bietet Medios Dienstleistungen und Produkte zur Unterstützung von Kunden bei klinischen Studien an. Zum Angebot gehören Kriterien zur patientenbezogenen Logistik, die Lieferung von Placebos und verblindeten Medikamenten sowie Spezialpräparate und parenterale Ernährungslösungen.

Übernahme von Ceban

Nun will Medios den niederländischen Wettbewerber Ceban Pharmaceuticals schlucken. Medios bietet rund 260 Millionen Euro für den Rivalen. Davon sollen 235,3 Millionen Euro an den niederländischen Finanzinvestor Bencis in bar fließen. Hinzu kommen rund 1,7 Millionen neue Medios-Aktien, die zum gestrigen Schlusskurs rund 27 Millionen Euro wert sind.

In den Niederlanden ist Ceban Marktführer im Bereich pharmazeutisches Compounding, in Belgien befindet es sich unter den Top 3 und in Spanien unter den Top 5. Das Unternehmen beliefert rund 3.300 Apotheken sowie mehr als 200 Krankenhäuser und besitzt eine eigene Apothekenkette mit 23 eigenen Apotheken in den Niederlanden.

Ceban ist deutlich profitabler als Medios

Dabei wirtschaftet das Objekt der Begierde hochprofitabel. Prognosen zufolge dürften in 2023 Umsätze von rund 160 Millionen Euro durch die Bücher der Niederländer gegangen sein. Damit hat Ceban seinen Umsatz in den letzten drei Jahren mit einer durchschnittlichen organischen Wachstumsrate von mehr als 10% gesteigert.

Gleichzeitig wird für 2023 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von etwa 29 Millionen Euro erwartet. Das entspricht einer bereinigten EBITDA-Marge von 18%. Zum Vergleich: Medios kam vorläufigen Zahlen zufolge in 2023 bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro (+11%) auf ein EBITDA von 60,5 Millionen Euro. Damit liegt die EBITDA-Marge mit 3,4% deutlich unter dem Niveau von Ceban.

Auf dem Weg zu einer europäischen Plattform

Der Zukauf ist ein entscheidender Schritt in der Wachstumsstrategie von Medios. Ziel ist es, die führende europäische Specialty-Pharma-Plattform aufzubauen. Mit dem Deal ist Medios zudem gut positioniert, um von dem starken Wachstum in der häuslichen Pflege sowie in Kliniken und Krankenhäusern in den Niederlanden und Belgien zu profitieren, so der Konzern in einer Pressemitteilung.

Deutlicher Anstieg der Marge geplant

Sollte die Übernahme durchgehen, stellt Medios für das laufende Geschäftsjahr einen deutlichen Anstieg von Umsatz und Marge in Aussicht: Konkret rechnet die Konzernführung bei einem Umsatz im Bereich von 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro mit einem bereinigten EBITDA zwischen 82 und 91 Millionen Euro (Marge 4,3%). Bis 2025 soll der Umsatz dann auf 2,15 Milliarden Euro ansteigen und die EBITDA-marge auf 5,1% verbessert werden.