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Kurios: So reagiert Tencent auf die Bedrohung durch Peking!

Inhaltsverzeichnis

Die Macht der chinesischen Internetkonzerne ist der Kommunistischen Partei ein Dorn im Auge. Kein Wunder also, dass die Unternehmen alle Hebel in Bewegung setzen, um die politische Führung in Peking nicht noch weiter zu verärgern. Schließlich drohen den Konzernen ansonsten harte Regulierungsmaßnahmen.

Tencent gibt Macht ab, um Peking zu gefallen

Das Ganze nimmt bisweilen kuriose Züge an. Beispiel: Tencent. Der Tech-Gigant, bekannt unter anderem durch den chinesischen WhatsApp-Klon „WeChat“, hatte in den letzten Monaten einige seiner größten Investments abgestoßen. So verkaufte man etwa den größten Teil der Beteiligung an Chinas zweitwichtigstem E-Commerce-Player JD.com. Hinzu kam unter anderem der Verkauf der Anteile an der in Singapur sitzenden Gaming- und E-Commerce-Firma Sea.

Das Kalkül: Tencent will sich offenbar bewusst verschlanken, um den chinesischen Regulatoren entgegenzukommen. Der Konzern büßt also mit voller Absicht Einfluss ein. Dabei geht es scheinbar vor allem um Aktivitäten, die eng mit dem Alltag der Bevölkerung zu tun haben. Darunter: die Lieferung von Lebensmitteln oder Videospiele. Hier scheint die Kommunistische Partei jedenfalls keine Monopole zu dulden.

Reuters-Bericht: Wird Tencent seinen Meituan-Anteil verkaufen?

Da kommt ein neuer Bericht der Nachrichtenagentur Reuters nicht von ungefähr. Demnach plant Tencent nämlich den Verkauf seiner 17-prozentigen Anteile an dem Lieferservice Meituan. Reuters beruft sich hierbei auf Insiderquellen.

Klar: Noch ist der Deal alles andere als offiziell. Tencent jedenfalls hatte im Rahmen seiner jüngsten Quartalspräsentation eine solche Maßnahme dementiert. Im Raum steht das Ganze jetzt aber trotzdem.

An der Börse stieg die Tencent-Aktie nach Bekanntgabe des möglichen Meituan-Verkaufs. Dem Kapitalmarkt dürfte es dabei nicht nur um die positiven Effekte rund um die Beschwichtigung der politischen Akteure gegangen sein. Tencent könnte sich durch den Deal nämlich ordentlich Cash sichern. Reuters zufolge ist eine Größenordnung von 24 Milliarden Dollar möglich.

Q2: enttäuschende Zahlen

Und dieses Geld wäre für Tencent in der aktuellen Situation durchaus willkommen. Schauen Sie: Der Internetgigant legte enttäuschende Zahlen zum zweiten Quartal vor. Demnach fuhren die Chinesen in Q2 den ersten Umsatzrückgang seit dem Börsengang im Jahr 2004 ein. So erlöste der Konzern umgerechnet rund 20 Milliarden Dollar – 3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Profit runter – Cash Flow rauf

Besonders bitter sind aber die Einschnitte in Sachen Profitabilität. So sank das Nettoergebnis in Q2 um 17 Prozent auf 2,83 Milliarden Dollar. Tencent hatte zuletzt gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen. So sanken etwa die Einnahmen aus der Online-Werbung – auch bedingt durch die konjunkturelle Schwäche Chinas in Q2.

Hinzu kamen regulatorische Maßnahmen vor allem im Gaming-Bereich. Hier gilt Tencent als wichtigster Player der Volksrepublik. Die Regulierungsbehörden hatten bereits letztes Jahr neue Vorschriften verabschiedet, um die Spielzeit und Ausgaben von Minderjährigen bei Online-Games drastisch zu reduzieren. Zudem hatte die Kommunistische Partei die Zulassung neuer Spiele zeitweise ausgesetzt. All das drückt massiv auf das Geschäft von Tencent.

Immerhin: Der Free Cash Flow, also der freie Geldmittelzufluss, legte in Q2 ordentlich zu – um 30 Prozent auf 3,31 Milliarden Dollar. Das ist eine direkte Folge der neuen Verkaufsstrategie des Konzerns. So hatte man auch im zweiten Quartal einige Beteiligungen abgestoßen, um frisches Geld einzusammeln.

Lässt die Partei Gnade walten?

Die Angst Tencents vor der Kommunistischen Partei ist förmlich spürbar. Kein Wunder, ist China doch nach wie vor eine Wirtschaftsdiktatur, die die Zügel der Macht gerade im eigenen Land nicht aus der Hand geben will.

Auf der anderen Seite dürfte Peking nicht daran interessiert sein, große Konzerne wie Tencent gänzlich zu vernichten. Zu hoch sind deren Wertschöpfung und deren Beitrag zur Volkswirtschaft und Beschäftigung. Ohnehin kommen Tencent die Beteiligungsverkäufe aktuell sogar entgegen. Inmitten der Wirtschaftskrise sichert sich das Unternehmen dadurch einen starken Geldmittelzufluss.

Peking räumt Wirtschaftsprobleme ein

Entscheidend wird nun sein, inwieweit sich die chinesische Konjunktur in den nächsten Monaten entwickeln wird. Über das Werbegeschäft ist Tencent schließlich von einer funktionierenden Wirtschaft abhängig.

Wie heikel die Lage derzeit ist, musste zuletzt sogar der chinesische Ministerpräsident  Li Keqiang einräumen – nach Parteiführer und Staatspräsident Xi Jinping immerhin der zweite Mann im Staat. So sprach Li Keqiang offen von wirtschaftlichen Schocks jenseits der Erwartungen.

Gleichzeitig forderte der Ministerpräsident, dass man beim Umgang mit der Corona-Pandemie wirtschaftliche und soziale Entwicklungen besser koordinieren müsse. Die strengen Corona-Lockdowns hatten in Q2 die chinesische Wirtschaft schwer ins Straucheln gebracht. Dass sich einer der führenden Politiker Chinas nun für eine bessere Vereinbarung der Maßnahmen mit ökonomischen Gesichtspunkten ausspricht, ist durchaus ein positives Signal und könnte kommende Lockdowns entschärfen.

Tencent-Aktie: Analysten optimistisch gestimmt

Für die Tencent-Aktie wäre das natürlich erfreulich. Ohnehin schreiben viele Analysten dem Papier wieder sehr hohes Potenzial zu, nachdem die Aktie in den letzten Jahren schwer unter die Räder geraten war. So liegt das Kursziel der Experten laut Marketscreener im Schnitt knapp 50 Prozent über dem Kursniveau vom 18. August (Stand: 18.08.2022, 11:30 Uhr).

Für Sie als Anleger könnten hier also satte Renditen drin sein, trotz aller Negativnachrichten. Die Risikofaktoren sind damit allerdings noch lange nicht aus der Welt.