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Gaming-Aktien: Auf dieses Mega-Risiko sollten Sie nun achten

Inhaltsverzeichnis

„Fortnite“ von Epic Games ist eines der erfolgreichsten Videospiele aller Zeiten. Schauen Sie: Jeden Tag zocken etliche Millionen Menschen den Battle-Royal-Shooter und bringen der US-Spieleschmiede, die zu rund 40 Prozent dem chinesischen Tech-Konzern Tencent gehört, einen jährlichen Milliardenumsatz ein.

Doch nun muss Epic Games seine bislang bitterste Schlappe hinnehmen. In den USA muss die Spielefirma im Rahmen eines Vergleichs eine Rekordstrafe bezahlen – im Umfang von rund einer halben Milliarde Dollar. Konkret handelt es sich dabei um eine Geldstrafe von 275 Millionen Dollar und um eine Rückzahlung an Betroffene von summa summarum 245 Millionen Dollar.

FTC erhebt schwere Vorwürfe gegen Epic Games und Fortnite

Der Grund: Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC hat massive Kritik an Epic Games und dessen Geschäftspraktiken geäußert. Im Mittelpunkt steht der laut FTC mangelnde Kinderschutz. Dem Vernehmen nach hat Epic Games die Daten von Fortnite-Spielern unter 13 Jahren gesammelt, ohne die Eltern zu informieren oder deren Zustimmung einzuholen. In den USA ist das aber gesetzlich vorgeschrieben.

Und es geht noch weiter: Die FTC monierte, dass die Firma in ihrem Spiel Kinder und Jugendliche in Chats mit erwachsenen Spielern in Kontakt gebracht habe. Diese seien in Fortnite gemobbt, bedroht, drangsalisiert und mit gefährlichen Themen wie Suizid konfrontiert worden.

Und nicht zuletzt wirft die Behörde dem US-Unternehmen vor, Minderjährige, aber auch Erwachsene mit psychologischen Tricks dazu gebracht zu haben, bei Fortnite Käufe zu tätigen, die sie eigentlich gar nicht beabsichtigt hätten. Vielen Kindern seien so nicht autorisierte Kosten ohne jegliche Beteiligung der Eltern entstanden.

Suchterzeugung: So extrem manipulieren die Firmen ihre Spieler

Es ist harter Tobak, den die FTC gegen Epic Games vorbringt. Die Vorwürfe sind im Prinzip ein alter Hut. Trotzdem ist das harte Vorgehen der US-Behörde gegen Epic Games ein Warnsignal an die gesamte Branche.

Wie die FTC zu Recht moniert, greifen heutige Videospiele auf psychologische Tricks zurück, um das Maximum an Umsatz und Gewinn zu generieren. Das Ganze zielt bewusst auf Suchterzeugung und Abhängigkeit ab. Und gerade Kinder lassen sich hier oftmals besonders einfach verführen.

Viele der heutigen Spiele sind kostenlos oder zu einem sehr geringen Preis zugänglich. Das Kalkül ist klar: Diese sogenannten Free-to-Play-Games sollen schnell Reichweite generieren und Millionen Nutzer anziehen. In den ersten Stunden sind die Spiele, vor allem im Mobilebereich, umfänglich nutzbar.

Doch irgendwann setzen die Entwickler dem Spieler eine Paywall vor die Nase. Wenn die Nutzer dann ihren Charakter oder Spielfortschritt weiter verbessern wollen, ohne dabei extrem viel Zeit aufzuwenden, müssen sie Echtgeld bezahlen. Entwicklerstudios wollen die Spieler also bewusst abhängig machen und bauen dann teils schwerwiegende Hindernisse ein, denen man fast nur mit Cash ausweichen kann.

Aber warum erzähle ich Ihnen das heute?

Schließlich ist das höchst manipulative Monetarisierungskonzept inzwischen für einen signifikanten Teil der Gaming-Umsätze verantwortlich und damit auch für den Börsenerfolg der entsprechenden Aktien essenziell.

Trotzdem: Die Kritik an dem Profitsystem der Branche hat in den letzten Jahren massiv zugenommen, nicht nur vonseiten der Behörden, sondern auch in der Spiele-Community selbst. Branchenkenner erwarten deshalb, dass die Regularien für Spielefirmen künftig deutlich verschärft werden – auch im Westen. Das Beispiel Fortnite könnte also nur der Anfang gewesen sein.

Hier offenbart sich für die Gaming-Aktien ein gravierendes Geschäftsrisiko. Denn: Die Konzerne machen nicht nur ihre Spieler abhängig, sondern sind inzwischen auch selbst von dieser hochprofitablen Suchterzeugung wirtschaftlich abhängig. Würde jener Goldesel wegbrechen oder zumindest noch schärfer reguliert werden, würde das die heute erfolgreichen Spielefirmen schlicht verzwergen.

Wird der Profitrausch für die Gaming-Branche zum Desaster?

Klar: Nicht alle Spiele greifen auf derlei harte psychologische Tricks zur Gewinnmaximierung zurück. Doch der Trend geht auch aus Wettbewerbsgründen deutlich in diese Richtung. Die Entwickler lassen sich immer neue Tricks einfallen, um mit innovativen und hoch manipulativen Cash Cows die Spieler zu „melken“ und gegenüber der Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Es ist schlicht ein Wettlauf um das beste Manipulationssystem. Ein auf die Spitze getriebener Profitrausch also, der früher oder später von staatlichen Akteuren abrupt gestoppt werden könnte. Meiner Meinung nach verbirgt sich hier das größte Geschäftsrisiko der heutigen Gaming-Branche.

Als Anleger jedenfalls sollten Sie dieses Thema niemals unterschätzen.