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Fusionen, Übernahmen (M&A): Problemjahr 2022 – und jetzt?

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Das letzte Jahr war für den Kapitalmarkt und wohl auch für Sie als Anleger nicht gerade ein Zuckerschlecken. Betroffen war indes auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, welches unter den höheren Leitzinsen, dem Ukraine-Krieg und anderen geopolitischen Unsicherheiten litt. Das geht nun aus einer neuen Analyse des Datenanbieters Refinitiv hervor (via „Financial Times“).

M&A-Markt 2022 auf Abwegen

Demnach fiel das Gesamtvolumen des Transaktionsgeschäfts im Jahr 2022 um 38 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2021. Laut Refinitiv war das der stärkste Jahresrückgang seit 2001.

Aber nicht nur das: Im ersten Halbjahr 2022 hatte sich das weltweite Volumen noch auf 2,2 Billionen US-Dollar belaufen. In den zweiten sechs Monaten brachten es die angekündigten Fusionen und Akquisitionen dann nur noch auf 1,4 Billionen Dollar. Das war der größte Rückschritt in einem halben Jahr seit Anfang der Aufzeichnungen im Jahr 1980.

Schauen Sie: Verantwortlich für die Zurückhaltung im „M&A“-Bereich (Merger & Acquisitions) war Experten zufolge insbesondere die Zinspolitik. Allein die US-Zentralbank FED erhöhte in 2022 siebenmal den Leitzins – auf inzwischen 4,5 Prozent. Durch die gestiegenen Zinsen wird die Finanzierung solcher Deals deutlich teurer. Da viele Firmen derzeit ohnehin auf die Kostenbremse drücken müssen, überlegen sie sich entsprechende Transaktionen zweimal.

Investmentbanken mussten Federn lassen

Betroffen davon sind in erster Linie die Investmentbanken. Jene Dealmaker helfen Unternehmen bei der Beratung und Finanzierung von Fusionen sowie Übernahmen und streichen dafür Gebühren ein. Refinitiv zufolge hatte es im letzten Jahr die Schweizer Großbank Credit Suisse am stärksten erwischt.

Die Einnahmen der Schweizer in diesem Geschäftsbereich krachten zuletzt um 60 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar ein. Aber auch die US-Konkurrenz, darunter Goldman Sachs, musste im dritten Quartal 2022 erhebliche Rückgänge im M&A-Geschäft hinnehmen.

Die Deals der deutschen Player

In Deutschland zeigt sich indes ein ähnliches Bild. Laut Refinitiv brachten es Fusionen und Übernahmen unter Beteiligung deutscher Unternehmen in 2022 auf 155,2 Milliarden Dollar – 36 Prozent weniger als 2021. Die größte Transaktion wurde im Rahmen des Porsche-Börsengangs erzielt. Hierbei kaufte die Holding der Familien Porsche und Piech (Porsche SE) im großen Stile Aktien der nun börsennotierten Porsche AG.

Ebenfalls auf Einkaufstour war der Energiekonzern RWE. Die Essener schluckten im letzten Jahr den US-Entwickler von Solaranlagen Con Edison Clean Energy Businesses – zum Preis von 6,8 Milliarden Dollar.

Auf der Verkäuferseite war die Deutsche Telekom aktiv. Der Bonner Konzern hatte im letzten Sommer die Veräußerung von 51 Prozent seiner Anteile an der Funkturm-Tochter GD Tower bekannt gegeben. Geschätzter Barmittelzufluss: 10,7 Milliarden Euro. Die Telekom hatte erklärt, das Geld nutzen zu wollen, um eigene Schulden abzubauen und die Beteiligung an der erfolgreichen Mobilfunktochter T-Mobile US zu erhöhen.

M&A-Markt: 2022 immer noch besser als 2016 und 2017

Doch die neuen Refinitiv-Zahlen bergen auch positive Aspekte, die Sie als Anleger ebenfalls kennen sollten. So lag das Niveau im M&A-Bereich im letzten Jahr trotz des Rückgangs immer noch über den Werten aus den Jahren 2016 und 2017.

Eine Vollkatastrophe war 2022 also nicht – vor allem wegen des noch sehr starken ersten Halbjahrs.

Wie geht es 2023 weiter?

Interessant ist nun die weitere Entwicklung in 2023. Das Zünglein an der Waage sind wie angedeutet die Inflation und die dadurch bedingten Maßnahmen der Notenbanken. Sollte die Inflation nicht weiter zunehmen – was den meisten Prognosen entspricht – dürften die Zentralbanken bei den Zinsen aufs Bremspedal drücken. Das wiederum könnte das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen beleben. Wichtig ist vor allem, dass der Kapitalmarkt eine verlässliche Perspektive bekommt, wohin die Reise in Sachen Leitzinsen in den nächsten Monaten gehen wird. Hier hatte es in 2022 erhebliche Unsicherheiten gegeben.

Rainer Langer von der australischen Investmentbank Macquarie  etwa erwartet, dass sich der M&A-Markt im Frühjahr nicht erholen werde (via Reuters). In der zweiten Jahreshälfte könnte es laut Langer dann zu einer Belebung kommen, auch weil die Perspektive auf den Kreditmärkten dann wohl wieder klarer sein werde.

Ähnlich bewertet Martin Suter vom Institut Rothschild die kommende Entwicklung. Es gebe weiterhin viel Kapital mit Anlagedruck, so der Investmentbanker (via Reuters).

Mein Fazit für Sie

Es gibt also durchaus Grund zum Optimismus – trotz aller Risikofaktoren und Unsicherheiten. Im besten Falle könnten die letzten Monate für den M&A-Markt nur ein Schluckauf gewesen sein, der sich alsbald in Wohlgefallen auflösen könnte.

Für den Kapitalmarkt als Ganzes und für Sie als Anleger wäre das jedenfalls ein erfreuliches Signal. Denn Übernahmen und Fusionen bedeuten in der Regel vor allem eines: mehr Wachstumschancen für die jeweiligen Aktien.