First Quantum-Aktie: Chance auf Mega-Überraschung?
Vielleicht erinnern Sie sich: 2023 hatte die Regierung von Panama angekündigt, die 10-Milliarden-Dollar schwere Kupfermine Cobre Panama von First Quantum Minerals schließen zu lassen. Hintergrund war ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, der den neuen Betriebsvertrag wegen Verfassungswidrigkeit kassierte.
Zuvor hatten wochenlange Massenproteste das Land lahmgelegt, weil viele Panamaer den Vertrag mit dem kanadischen Minenbetreiber als Verstoß gegen ihre nationale Souveränität empfanden und Umweltrisiken betonten. Zudem blockierten Demonstranten die Versorgung der Mine, was den Betrieb ohnehin faktisch zum Stillstand brachte.
Die Regierung leitete daraufhin einen Prozess zur geordneten und sicheren Stilllegung ein, der erhebliche Folgen nach sich zog – für den panamaischen Staat, aber auch für den Rohstoff-Giganten First Quantum, der eine erhebliche Verzwergung hinnehmen musste.
First Quantum Minerals: Kupferproduktion eingebrochen
So produzierte der Konzern im Jahr 2024 nur noch 431.000 Tonnen Kupfer – nachdem der Output 2023 noch bei 708.000 Tonnen gelegen hatte. Durch den Wegfall von Cobre Panama verlor das Unternehmen schlagartig circa 330.000 Tonnen an jährlicher Kupferproduktion. Das ist fast die Hälfte des gesamten Outputs aus dem Jahr 2023.
Was viele nicht auf dem Schirm haben: Auch die Goldproduktion, die in Panama als Nebenförderung betrieben wurde, fiel weg. 130.000 Unzen pro Jahr verpufften. In der Folge krachten die Umsätze und Betriebsgewinne 2024 ein – um -25 % auf 4,8 Milliarden Dollar bzw. um -36 % auf 1,5 Milliarden Dollar.
Kein Wunder also, dass auch der Aktienkurs in der Folge crashte. Zwischen Juli 2023 und Ende 2023 verlor die First-Quantum-Aktie satte 70 % an Wert. Inzwischen aber notiert der Minen-Titel im deutschen Handel mit 23 Euro in etwa wieder auf dem Niveau von vor der Schließung von Cobre Panama (Stand: 09.04.2026, 13:30 Uhr).
Warum sich die First Quantum-Aktie wieder erholte
Der Kapitalmarkt hat das Vertrauen in das Unternehmen also offenbar zurückgewonnen. Dies hat mehrere mögliche Gründe.
Erstens: Die massive Abwertung der Aktie nach der Schließung von Cobre Panama hatte auch einen enormen Einbruch des Cash Flows bis hin zu Insolvenzrisiken eingepreist. Dies aber hat sich nicht bewahrheitet. Die jüngsten Finanzberichte zeigen, dass das Unternehmen beachtliche Einnahmen erzielt, eine stabile Liquidität vorweist und sogar die Schulden senken konnte.
Dies gelang auch durch den starken operativen Cashflow aus den anderen Minen. Dabei geht es vor allem um die beiden Kupfer-Standorte Kansanshi und Sentinel im afrikanischen Sambia, die 2025 zusammen 370.000 Tonnen Kupfer hervorbrachten. Hinzu kamen 116.000 Unzen Gold aus Kansanshi sowie 32.000 Unzen aus der Goldmine Guelb Moghrein in Mauretanien.
Zweitens: First Quantum hat 2025 stark von den deutlich höheren Kupfer- und Goldpreisen profitiert. Im Endeffekt konnte der Konzern also seine geringere Gesamtmenge an Rohstoffen deutlich teurer verkaufen, wodurch die Margen und Geldzuflüsse gegenüber 2024 wieder merklich anzogen. Und auch beim Umsatz ging es wieder aufwärts.
Hoffnung auf Cobre Panama bleibt
Drittens: Die Hoffnung auf eine Reaktivierung von Cobre Panama ist längst noch nicht begraben. Vor wenigen Tagen hat die Regierung des mittelamerikanischen Staats offiziell genehmigt, dass First Quantum das gelagerte Erz in der stillgelegten Mine verarbeiten und exportieren darf. Dabei soll es um insgesamt 70.000 Tonnen förderbares Kupfer gehen, weshalb First Quantum nun wieder neue Mitarbeiter für den Standort einstellt.
Zwar betont die Regierung nach außen hin, dass die Maßnahme keine Genehmigung für eine Wiedereröffnung der Mine inklusive Bohr- und Sprengaktivitäten darstelle. Das Ganze könnte aber in Kombination mit einer neuen Umweltprüfung ein erster vorsichtiger Schritt sein, um den Standort letztendlich wieder vollumfänglich in Betrieb zu setzen.
Tatsächlich hatte der panamaische Staat stark von Cobre Panama profitiert. Etwa 5 % des BIP des Landes entfiel auf diese gigantische Tagebaumine. Sollte die Mine geschlossen bleiben, würde der Staat also auf viele Arbeitsplätze, milliardenhohe Steuereinnahmen und noch höhere wirtschaftliche Vorteile zum Beispiel für lokale Ausrüster und Lieferanten verzichten.
Mein Fazit für Sie
Ohne Frage: Die First Quantum-Aktie hat turbulente Jahre hinter sich. Die Bewertung des Titels ist meiner Ansicht nach im Vergleich zu anderen Branchenvertretern aktuell aber recht fair. Die Fantasie bezüglich einer positiven Überraschung in Panama ist also eher gering ausgeprägt. Bedeutet im Umkehrschluss: Sollte Cobre Panama tatsächlich wieder vollständig online gehen dürfen, könnte das die Aktie stark beflügeln.
Ohnehin bietet der Kupferpreis angesichts der grundlegenden Mega-Trends wie KI-Boom, Energiewende, militärische Aufrüstung und das Wirtschaftswachstum in China, Indien und Südostasien langfristig attraktives Potenzial.
Unterschätzen Sie die First Quantum-Aktie also nicht, wenngleich Sie die weiteren Risiken, die sich unter anderem durch die starke Präsenz in Afrika ergeben, auf dem Schirm haben sollten.