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Vivendi – gute Geschäfte auch ohne Lady Gaga, Queen und Helene Fischer

Seine allerschönste Perle hat der Medienkonzern Vivendi vor einem halben Jahr größtenteils seinen Aktionären „geschenkt“. Wie haben die Franzosen diesen Aderlass verkraftet? Erstaunlich gut, wie der Jahresabschluss für 2021 jetzt zeigt. Der Gewinn  vor Zinsen und Steuern sprang um über 63 % nach oben und erreichte 404 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um gut 10 % auf 9,6 Milliarden Euro.

Im vorigen September hatte Vivendi im Rahmen eines so genannten Spin Offs 60 Prozent seiner 70prozentigen Tochter Universal Music Group (UMG) auf Druck von Institutionellen Anlegern abgespalten und seinen Anteilseignern überlassen. Für jede Vivendi-Aktie gab es eine UMG-Aktie.

Spin Off des Musik-Labels Universal hat Vivendi stark  „geschrumpft“

Damit hat Vivendi die wertvollen Rechte an den Werken einer Vielzahl berühmter Künstler wie Lady Gaga, Helene Fischer, Queen oder den Rolling Stones abgegeben. Universal ist das weltgrößte Musiklabel – und es verdient prächtig, weil die stark wachsenden Streaming-Dienste jedes Jahr viele Milliarden Euro an Tantiemen bezahlen.

Ohne UMG, an der die Ex-Mutter jetzt noch 10 Prozent hält, ist Vivendi von einem Medienriesen zu einem vergleichsweise kleinen Konzern mit aktuell 12 Milliarden Euro Börsenwert geschrumpft. Universal kommt mit 34 Milliarden Euro auf fast das Dreifache.

Verblieben ist bei Vivendi eine bunte Mischung an gut verdienenden Medienunternehmen, vom Pay-TV Sender Canal+ über die Werbeagentur Havas bis zum Pressehaus Prisma Media, das der Konzern im vorigen Jahr der Bertelsmann-Tochter Gruner & Jahr abgekauft hat.

Der Konzern plant weitere Zukäufe. Die Übernahme des größten heimischen Konkurrenten Lagardere steht dabei ganz oben auf der Liste. Das Angebot an die Aktionäre steht. Vivendi würde dadurch auf einen Schlag rund ein Drittel des bisherigen Börsenwerts hinzugewinnen. Im Gegenzug könnte Vivendi seine 24prozentige Beteiligung am italienischen Mobilfunkkonzern TIM Telecom Italia versilbern.

Mit Übernahmen auf Wachstumskurs

Das neu aufgestellte Unternehmen  ist also klar auf Wachstumskurs. Das birgt zwar Risiken, weil Übernahmen oft teuer abgeschlossen werden, aber insgesamt dürften die Vorteile überwiegen. Denn mit den diversen getätigten und geplanten Übernahmen steigt der Anteil am französischen Medienmarkt signifikant – und damit die Möglichkeit, Preiserhöhungen besser durchzusetzen.

Der Aktienkurs von Vivendi hat nach der Bekanntgabe der Jahreszahlen leicht nach oben tendiert und beträgt aktuell rund 11,25 Euro. Im Vergleich zu den durchschnittlichen Kurszielen der Analysten von 13,63 Euro (vor der Bekanntgabe der 2021er Zahlen) wäre das ein Aufschlag um immerhin gut 20 %.  Übrigens: Das Kursziel entspräche ziemlich genau dem Niveau, das Vivendi vor einem halben Jahr – kurz nach der Abspaltung von Universal Music Group – erreicht hatte.

 

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Über den Autor
Hajo Simons
Hajo Simons

Hajo (Heinz-Josef) Simons, Jahrgang 1956, arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist.

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