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Philips Aktie – Herz-Rhythmus-Störungen

Inhaltsverzeichnis

Autsch, das tut weh. Die Philips Aktie wurde in den vergangenen Wochen ordentlich zur Ader gelassen. Nun hoffen Investoren auf eine Wiederbelebung.

Medizintechnik statt Haushaltsgeräte

Seit gut einem Jahr konzentriert sich Philips auf die Medizintechnik. Die Niederländer spielen somit in derselben Branche und in derselben Liga wie etwa der deutsche Konkurrent Siemens Healthineers. Bei Konsumenten ist das Unternehmen überwiegend durch alle möglichen Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Bügelmaschinen und Heißluftfritteusen bekannt, die noch heute den Markennamen Philips tragen.

Ende März 2021 wurde diese Unternehmenssparte für umgerechnet 3,7 Milliarden Euro an die Investmentgesellschaft aus Hongkong verkauft. Alles in allem blieben den Holländern aus dem Verkauf – nach Abzug von Kosten und Steuern – rund 3 Milliarden Euro übrig. Überdies erhält Philips in den kommenden 15 Jahren insgesamt rund 700 Millionen Euro Lizenzgebühren, weil Kaffeemaschinen & Co. nach wie vor unter dem Brand Philips verkauft werden.

Zahlen für das erste Quartal nicht kerngesund

Für die ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres meldeten die Niederländer einen um 2 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz. Was auf den ersten Blick nicht allzu schlecht scheint. Allerdings im Vergleich zu Konkurrent Siemens Healthineers anämisch anmutet. Der Wettbewerber hatte nämlich sehr gute Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Jahres vorgelegt, die insbesondere aus der starken Nachfrage nach Antigen-Schnelltests zum Nachweis von Covid 19 resultierten. Diese Schnelltests waren auch in den USA zugelassen worden.

Philips hingegen hat Probleme mit einer Rückrufaktion bei der US-amerikanischen Tochter Philips Respironics. Es geht um Schlaf- und Beatmungsgeräte, bei denen sich angeblich ein Teil aus Polyurethan-Schaum zersetzen und giftig werden könnte. Die ungeklärte Situation führte aufgrund von Rückstellungen zu einem Verlust im fortgeführten Geschäft von 152 Millionen Euro – verglichen mit 34 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Unter dem Strich gab das operative Ergebnis (Ebita) um rund 30 Prozent auf gut 240 Millionen Euro nach.

Unsicherheiten machen Prognosen schwierig

In seinem Ausblick auf den Rest des Geschäftsjahres zeigte sich Philips CEO Frans van Houten verhalten zuversichtlich. Zugleich aber fehlte selbstverständlich nicht der Hinweis auf die momentanen Risiken, die nicht nur den Niederländern das Leben schwer machen. Etwa die Corona Pandemie in einigen Teilen der Volksrepublik China, der Ukrainekrieg, die üblichen Lieferkettenprobleme sowie die scheinbar ungebremste Inflation.

Hausgemachtes Risiko sind möglicherweise weitere Rückstellungen für die Rückrufaktion in den USA. All diese Unwägbarkeiten machen die Philips Aktie zu einem denkbar unsicheren Kantonisten für Anleger.

Philips auf aktuellem Kursniveau ein Kauf?

Der Blick auf den Kursverlauf der Philips Aktie deprimiert. Wer als Investor nicht ins plötzliche Koma verfällt, der dürfte aber schnell Schnappatmung bekommen. Was selbstverständlich weniger gravierend, aber nicht weniger unerfreulich ist. Ein Trost: Lebensbedrohenden Tendenzen sind bislang nicht zu erkennen. Doch, autsch, ein Wertverlust von mehr als der Hälfte in den vergangenen zwölf Monaten tut richtig weh.

Umgekehrt: Hat die Philips Aktie jetzt das Schlimmste hinter sich? Momentan notieren die Anteilsscheine bei knapp 24 Euro. Ein geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis von nahezu 15 für das Geschäftsjahr 2023 scheint fair, wenn nicht gar günstig.

Doch oft leidvolle Börsenerfahrungen lehren: Schlimmer geht immer. Nicht auszuschließen also, dass aus den oben geschilderten Risiken bittere Realitäten werden. Unter Chance-Risiko-Gesichtspunkten dürfte der Kauf erst lohnen, sobald die Aktie einen Boden gefunden hat und wieder verlässliche Prognosen möglich sind. Momentan lautet die Devise deshalb: abwarten. Lieber nicht als teuer kaufen.