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Wie die Inflation das Umsatzwachstum von Nestlé beflügelt!

Inhaltsverzeichnis

Die Produkte von Nestlé sind in den Supermärkten omnipräsent. Weltweit bietet der Schweizer Lebensmittelkonzern mehr als 2.000 Marken. Diese alle aufzuzählen, würde den Rahmen hier sprengen. Viel wichtiger ist, dass Produkte wie Nescafé, Vittel, San Pellegrino, Mövenpick, Maggi, Wagner, Thomy, Kitkat, After Eight oder Felix für viele Menschen fest zum Alltag gehören.

Das verschafft dem größten Lebensmittelkonzern der Welt derzeit einen erheblichen Vorteil. Denn trotz der hohen Inflation wollen etliche Verbraucher auf diese und andere Nestlé-Marken nicht verzichten.

Nestlé: starker Umsatzsprung dank inflationärer Preise

Der Konzern hat das nun abermals bestätigt. Demnach steigerte Nestlé in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 seinen Umsatz organisch (ohne Zukäufe und Wechselkurseffekte) um 8,5 Prozent auf 69,13 Milliarden Schweizer Franken. Das ist für einen etablierten Lebensmittelkonzern ein beachtliches Wachstum. Analysten hatten Nestlé zwar einen deutlichen Zuwachs zugetraut, laut dem Konsens lag die Prognose allerdings „nur“ bei 68,91 Milliarden Franken.

Der Mega-Konzern hat nach eigenen Angaben in dem Zeitraum seine Preise weltweit um durchschnittlich 7,5 Prozent erhöht. Den größten Preissprung gab es indes im wichtigsten Nestlé-Markt, den USA (+11,1 %). Gefolgt von Lateinamerika (+10,5 %), dem Nahen Osten und Nordafrika (+7,0 %) sowie Europa (+5,7 %). In China wiederum drehte man nur um 2,6 Prozent an der Preisschraube.

Ohne Preissteigerungen wäre es ein Mini-Wachstum gewesen

Interessant: Das interne Realwachstum (RIG), das den Zuwachs ohne die Preissteigerungen angibt, lag somit bei nur 1,0 Prozent. Nestlé begründet das geringe RIG unter anderem mit Problemen in den Lieferketten.

Mit Blick auf die einzelnen Produktkategorien erzielte man vor allem bei Säuglings- und Babynahrung hohe Wachstumszahlen, die deutlich über den Preissteigerungen lagen. Beliebt waren demnach auch Süßwaren, Tierfutter und Mineralwasser. Weniger gut lief es bei Fertiggerichten wie Tiefkühlpizzen. Deren Umsatz konnte man nur wegen der Preiserhöhungen verbessern. Die verkaufte Menge ging hier zurück.

Außer-Haus-Geschäft profitiert von Corona-Erholung

Gleichzeitig schossen die Umsätze im Außer-Haus-Geschäft nach oben. Nestlé beliefert hier unter anderem Großküchen und Restaurants mit Bindemitteln, Nudeln, Süßigkeiten, Saucen oder Geschmacksverstärker. Während der Corona-Pandemie war dieser Geschäftsbereich wegen der Restriktionen in der Gastronomie deutlich geschrumpft.

Nun deutet sich ein starkes Comeback an. Der entsprechende Umsatz verbesserte sich zwischen Anfang Januar und Ende September um insgesamt 26,1 Prozent. Lediglich in China, wo es zuletzt immer wieder zu Corona-Lockdowns kam, musste die Außer-Haus-Sparte Federn lassen.

Und wie geht es weiter?

Für das Gesamtjahr 2022 erwartet Nestlé jetzt ein organisches Umsatzplus von rund 8 Prozent. Zuvor hatte man den Anlegern einen Zuwachs von 7 bis 8 Prozent in Aussicht gestellt. Die bereinigte operative Gewinnmarge soll sich weiterhin bei rund 17,0 Prozent einpendeln. Gleichzeitig soll der bereinigte Gewinn pro Aktie zulegen.

Trotzdem: Die Marge lag 2021 noch bei 17,4 Prozent. Nestlé schafft es demnach wegen der gestiegenen Kosten wohl nicht, den Profit-Anteil am Umsatz zu erhöhen.

Anleger nicht wirklich überzeugt

Das dürfte ein Grund dafür gewesen sein, warum die Nestlé-Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen am Mittwoch keine Akzente nach oben setzen konnte (Stand: 19.10.2022, 13:30 Uhr). Hinzu kommt, dass der Markt ein höheres Umsatzwachstum erwartet hatte.

Und nicht zuletzt sorgt der teure Rückzug aus Russland immer noch für Belastungen. Nestlé hatte wegen des Ukraine-Kriegs einen großen Teil seiner Produkte aus Russland abgezogen.

Weitere Preissteigerungen in Deutschland wohl unvermeidlich

Für das nächste Jahr kündigte Nestlé indes weitere Preissteigerungen an – vor allem in Deutschland. Man stehe hierzulande schwer unter Druck, betonte Deutschlandchef Marc Boersch kürzlich gegenüber der dpa und verwies dabei auf die Inflationsrate von 10 Prozent im September.

Man versuche das mit Kosteneffizienz so gut es geht in den Griff zu bekommen – etwa mit Einsparungen in der Logistik und der Verwaltungen. Um weitere Preiserhöhungen werde man aber wohl nicht umhinkommen, so der Manager.