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Europa : Flutter Entertainment – ordentlich verzockt

Die Aktie des irischen Glücksspielkonzerns Flutter Entertainment ist in den vergangenen Monaten richtig gerupft worden. Sollten Spekulanten nach rund 60 Prozent Kursverlust seit Ende September 2021 nun einsteigen?

Hervorgegangen aus der Fusion zweier Glücksspielkonzerne

Um mit einem gängigen Vorurteil zu starten, das wahrscheinlich gar keines ist: Traditionell wetten die Briten auf alles, was nicht bei 3 auf dem Baum ist. Vorzugsweise selbstverständlich auf Fußball, Pferde und Windhunde. Allerdings auch auf alles andere, was etwa den Deutschen oder Franzosen nicht im Traum einfallen würde. Klar ist deshalb, dass Wettanbieter, vornehmer ausgedrückt: Unterhaltungskonzerne, vorzugsweise ihre Wurzeln in Großbritannien haben.

Flutter Entertainment (WKN: A14RX5) ging im Jahr 2016 aus der Fusion zweier britischer Wettanbieter hervor – der irischen Paddy Power und der britischen Betfair. Der Konzern hatte derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 18 Milliarden Euro ist im Index EuroStoxx 50 gelistet – wenn auch mit einem vergleichsweise geringen Anteil und deshalb als Leichtgewicht.

Geschäftsjahr 2021 mit katastrophalen Zahlen

Die Bilanz, die die britische Zocker-Company Anfang März für das Geschäftsjahr 2021 vorlegte, könnte kaum schlechter sein. So sank der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um satte 11 Prozent auf umgerechnet knapp 1,5 Milliarden Euro. Und lag somit am unteren Ende der Prognose, die das Unternehmen erst im November vergangenen Jahres nach unten geschraubt hatte. Aufgrund höherer Abschreibungen, Finanzierungskosten und Steuern schrieb Flutter mit einem Verlust von 416 Millionen Pfund tief-rote Zahlen. Im davor liegenden Jahr verdiente die Firma noch 38 Millionen Pfund.

Analysten befürchten, dass sich Flutter bei seiner Expansion in den USA und den dafür nötigen Investitionen ordentlich verhoben hat. Das kommt zu einer Unzeit. Denn nun fehlen möglicherweise die Mittel, um beispielsweise auch auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Hier bei uns gilt nämlich seit dem vergangenen Jahr hatte das neue Online Casino Gesetz mit neuen Regeln. Die gesetzlichen Vorgaben fürs Glücksspiel im Internet sind hierzulande nunmehr weitaus liberaler als in der Vergangenheit – sehr zum Leidwesen von Verbraucherschützern, Kirchen, Sozialverbänden und weiteren gesellschaftlichen Gruppen bei uns im Land.

Auch im Geschäftsjahr 2022 kaum Besserung in Sicht

Möglicherweise kommt allgemein auf die Wettanbieter und Betreiber von Online Casinos noch einiges zu. Das desaströse Geschäftsjahr 2021 für Flutter Entertainment gibt einen ersten Vorgeschmack. Das Unternehmen begründete nämlich die schlechte Bilanz unter anderem mit staatlichen Restriktionen zur Bekämpfung der Spielsucht.

Überdies habe es – welch ein Pech für einen Glücksspielanbieter – ungünstige Resultate im Sport gegeben. Was wohl soviel heißt: Zocker haben wohl bei einigen Wettkämpfen ordentlich abgeräumt, woraus vergleichsweise hohe Gewinnzahlungen aus der Flutter-Kasse resultierten. Das Unternehmen hatte zunächst offenbar kein Glück, weil der Gesetzgeber die Daumenschrauben anzog. Und dann kam auch noch Pech hinzu, weil die Wahrscheinlichkeitsrechnung bei manchen Sportereignissen versagte und das Glück auf Seiten der Spieler war.

Es ist kaum damit zu rechnen, dass sich im laufenden Geschäftsjahr 2022 zum Vorteil des Unternehmens etwas ändern wird. So steht die Bekämpfung der Spielsucht nach wie vor auf der politischen Agenda, und dies nicht nur im vereinigten Königreich. Möglich ist überdies, dass auch in diesem Jahr – so ist das halt bei Sportwetten und Glücksspielen – manche unerwarteten Resultate die Firma viel Geld kosten werden. Zudem verwies Flutter-Vorstand Peter Jackson bei Vorlage der Jahresbilanz 2021 auf mögliche Umsatzausfälle in zweistelliger Millionenhöhe wegen des Ukrainekrieges.

Flutter Aktie – nur für Zocker geeignet

Die Anteilsscheine des britischen Unterhaltungskonzerns hat es seit Ende September 2021 geradezu zerrissen, der Kursverlust seitdem beträgt rund 50 Prozent. Nach dem damaligen All Time High bei rund 200 Euro notiert die Aktie nun bei ca. 105 Euro.

Besserung scheint erst im Jahr 2023 in Sicht. So liegt der Analysten-Konsens beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2023 bei 18 – im Branchenvergleich eine faire, tendenziell gute Bewertung.

Ob die Flutter Aktie momentan ein Kauf ist? Nur für Zocker, die mit ihrem Spielgeld auf hohe Gewinne in recht kurzer Zeit aus sind. Aber das passt ja zum Unternehmen. Alle anderen Anleger lassen besser die Finger von der Aktie.

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Über den Autor
Hajo Simons
Hajo Simons

Hajo (Heinz-Josef) Simons, Jahrgang 1956, arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist.

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