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Erneute Frachterhavarie – wie zukunftsfähig ist der Schifffrachtverkehr?

Inhaltsverzeichnis

Es war ein Spektakel, das weltweit für Schlagzeilen sorgte: Im Frühjahr 2021 blockierte der Megafrachter „Ever Given“ den Suezkanal.

„Ever Given“ im Suezkanal – einmaliges Ereignis oder böses Omen?

Das riesige Schiff hatte sich quer zur Meerenge festgefahren und war steckengeblieben. Die Bergung dauerte knapp eine Woche. Auf beiden Seiten des von Ägypten betriebenen Kanals stauten sich die Schiffe. Einzelne Frachter drehten daraufhin sogar ab und wählten deutlich längere Routen.

Monatelang kam es in der Folge zu Schwierigkeiten in den globalen Lieferketten: Lieferungen kamen zu spät oder gar nicht an, der Rückstau vom Kanal verlagerte sich mit etwas zeitlicher Verzögerung an die Containerhäfen rund um den Globus, für angepeilte Transporte standen die Schiffe nicht rechtzeitig zur Verfügung – das Chaos war perfekt. Die Folgen im internationalen Schiffsfrachtverkehr waren wochenlang zu spüren.

Immer wieder laufen Frachter auf Grund – Meerengen besonders betroffen

Erst in der vergangenen Woche war erneut ein Frachter im Suezkanal auf Grund gelaufen, die „M/V Glory“ konnte allerdings innerhalb recht kurzer Zeit wieder freigeschleppt werden. Der Schiffsverkehr war durch den Zwischenfall diesmal nicht behindert worden. Ein ähnliches Szenario hatte sich auch im vergangenen September abgespielt, damals war ein Öltanker im Suezkanal havariert und konnte die Fahrt erst nach einigen Stunden fortsetzen.

Nun liegt erneut ein Frachter auf Grund – diesmal allerdings nicht im Suezkanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet, sondern im Bosporus. Die in der Türkei nahe Istanbul gelegene Meerenge muss von Schiffen passiert werden, die vom Schwarzen Meer ins Marmarameer gelangen wollen.

Ukrainischer Frachter in Bosporus festgefahren

Im aktuellen Fall handelt es sich offenbar um einen Frachter aus der Ukraine, der in der Meerenge feststeckt. Die wiederkehrenden Vorfälle sind alarmierend. Zwar führen sie – glücklicherweise – nicht immer zu so weitreichenden Blockaden wie im Fall der „Ever Given“, doch sie machen auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam, das sich in Zukunft noch verschärfen könnte.

Die immer größeren Frachtschiffe mit erheblichem Tiefgang laufen immer öfter Gefahr, sich in den engen Passagen zu verkeilen. Ihre Ausmaße ebenso wie ihr Ladegewicht sind aufgrund der Kapazitäten der zu befahrenden Wasserstraßen begrenzt.

Flüsse führen häufiger Niedrigwasser

Das gilt umso mehr in Zeiten des Klimawandels. Zwar wird der Meeresspiegel in Folge der globalen Erwärmung und der abschmelzenden Gletscher insgesamt steigen. Doch zugleich steigt regional und jahreszeitbedingt die Gefahr von Dürren und Niedrigwasserperioden.

Zu beobachten waren entsprechende Effekte unter anderem auch in Deutschland, wo es in den vergangenen Jahren immer wieder zu außergewöhnlich langen und heißen Trockenperioden kam. Die Pegelstände der Flüsse sanken auf Rekordtiefs ab, zwischenzeitlich schafften es kleinere Flüsse nicht einmal mehr bis zur Mündung. So versickerte beispielsweise die Ahr – jenes Flüsschen im Westen, das sich im Sommer 2021 nach starken Regenfällen zu einer tosenden Flut ausgeweitet hatte – im vergangenen Sommer noch vor ihrer Rheinmündung.

Wirtschaftliche Herausforderungen: Lieferketten zur See sind störanfällig

Klimatische Unwägbarkeiten werden gerade im Hinblick auf die Schifffahrt zunehmend zu einem Problem, das dann wiederum auch unmittelbare Folgen für das Geschäft von Unternehmen und die wirtschaftliche Entwicklung hat. So geriet im vergangenen Sommer unter anderem BASF in Ludwigshafen unter Druck wegen ausbleibender Schiffslieferungen aufgrund des niedrigen Rheinpegels.

Ein Zwischenfall wie die Blockade des Suezkanals durch die „Ever Given“ ist bislang zwar eine extreme Ausnahme. Dennoch hat die Havarie des Megafrachters deutlich gezeigt, wie empfindlich die globalen Lieferketten getroffen werden können, wenn auch nur an einer einzigen Stelle sich ein Frachter in einem solchen Nadelöhr verfängt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren enorm.

Meldungen über immer wieder auf Grund laufende Frachter schüren die Angst vor einem erneuten Megastau auf den Weltmeeren.