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Europa : Apontis Pharma – heiße Pillenaktie?

Da alle Welt über BioNTech Pfizer oder AstraZeneca spricht, haben es kleinere Pharma-Unternehmen in punkto Interesse denkbar schwer. Zu diesen zählt Apontis Pharma. Hier kommt erschwerend dazu, dass deren Aktien (WKN: A3CMGN) auf Sicht eines halben Jahres fast 60 Prozent an Wert eingebüßt haben. Ist nun der richtige Zeitpunkt zum Einstieg gekommen?

Wer ist Apontis?

Die Entstehungsgeschichte des Pharma-Unternehmens ist durchaus facettenreich. Zugleich ist Apontis zweifellos kein Newcomer in der Pasten- und Pillenbranche. Denn das Unternehmen ging letztlich hervor aus Schwarz Pharma. Die Firma wurde vor 16 Jahren vom belgischen Pharma-Multi UCB übernommen. Und Jahre später wieder ausgegliedert an die Beteiligungsfirma Paragon, bevor in 2021 der Börsengang erfolgte.

Apontis Pharma ist seit Jahrzehnten spezialisiert auf die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Branchenkennern zufolge hat der Pharma-Nischenplayer aus Monheim am Rhein erstklassige Kontakte zu mehr als 23.000 niedergelassenen Ärzten.

Single Pill – eine für alle

Falls sich diese Idee durchsetzt, wären – gefühlt unzählige – Patienten sehr erleichtert. Insbesondere ältere Menschen, die Tag für Tag nicht nur eine einzige Tablette, sondern gleich mehrere unterschiedliche nehmen müssen. Manche vormittags, manche mittags nach dem Essen und andere abends vor dem Zubettgehen. Ist es schon für jüngere Menschen nicht einfach, hier den Überblick zu behalten, und auch lästig, wie schwierig muss es erst für Seniorinnen und Senioren sein, eine Hand voll unterschiedlicher Tabletten über den Tag verteilt termingerecht einzunehmen.

Single Pill – der Name ist Programm. Kern des Geschäftsmodells von Apontis Pharma ist es nämlich, unterschiedliche Generika – also Nachahmer-Medikamente ohne Patentschutz – miteinander in nur einer einzigen Pille respektive Tablette zu kombinieren. Ein Geschäftsfeld, mit dem sich Pharmariesen nicht weiter abgeben, weil die Produkte vergleichsweise margenschwach sind. Die Pillen-Mammuts konzentrieren sich da eher auf Medikamente, deren Patentschutz noch nicht abgelaufen ist, weil diese am profitabelsten sind.

Nach wie vor große Herausforderung für Apontis ist aber der Nachweis, dass die Kombination unterschiedlicher Generika in nur einer einzigen Tablette genauso wirksam ist wie die separierte Einnahme.

Wachstum in 2021, Optimismus für die Zukunft

Apontis Pharma arbeitet momentan noch nicht so richtig profitabel, ist aber auf dem besten Weg dorthin. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent auf gut 51 Millionen Euro. Mit plus 65 % explodierte der Single Pill-Umsatz geradezu auf gut 31 Millionen Euro. Dessen Umsatzanteil wuchs gegenüber dem Geschäftsjahr 2020 von 49 auf 62 Prozent. Zum Ende des Geschäftsjahres wurden ca. 270.000 Patienten mit Single Pills behandelt – nach rund 174.000 im davorliegenden Jahr. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz weiter zulegen auf mehr als 55 Millionen Euro. Für das Jahr 2026 wollen die Monheimer die 100 Millionen Euro-Grenze beim Umsatz knacken.

Apontis Aktie jetzt ein Kauf?

Das Wichtigste zuerst: Anleger brauchen Geduld, möglicherweise viel Geduld. Doch mit ordentlich Sitzfleisch könnte sich die Investition in ein paar Jahren rechnen. Dafür spricht insbesondere die demographische Entwicklung in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern. Gelingt nämlich der medizinische Nachweis, dass Single Pills genauso wirksam sind wie Einzel-Medis, scheint der potentielle Markt schier grenzenlos, die Nachfrage wäre entsprechend.

Seit seinem Höchststand im Herbst vergangenen Jahres bei knapp 27 Euro ist die Aktie brutal unter die Räder gekommen und notiert jetzt bei noch nicht einmal 11 Euro. Mag sein, dass dies jetzt eine sehr günstige Gelegenheit zum sogenannten Bottom Fishing ist, also zum Einsammeln von aussichtsreichen Papieren zu günstigen Kursen. Wie viel Jahre Geduld Investoren, die jetzt zugreifen, allerdings mitbringen müssen, steht noch in den Sternen.

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Über den Autor
Hajo Simons
Hajo Simons

Hajo (Heinz-Josef) Simons, Jahrgang 1956, arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist.

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