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E-Fuels für Sie im Check: Revolution oder Luftnummer?

Inhaltsverzeichnis

Es ist eines der größten Klima-Probleme im Bereich Mobilität: Obwohl in den nächsten Jahren immer mehr Elektroautos neu zugelassen werden, bleiben die Verbrenner auf globaler Ebene wohl noch jahrzehntelang relevant.

Schauen Sie: Derzeit gibt es weltweit rund 1,4 Milliarden Verbrennerfahrzeuge. Selbst wenn ab heute kein neues Benzin- oder Dieselauto mehr verkauft werden würde, würde es sehr viele Jahre dauern, bis diese 1,4 Milliarden Verbrenner ausgemustert wären.

Der Traum vom grünen Verbrenner

Doch was tun? Alle Verbrenner mit sofortiger Wirkung verschrotten lassen? Das wäre wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich eine Vollkatastrophe. Tatsächlich gibt es aber eine Lösung, um den Verbrennungsmotor mit dem Klimaschutz zu verknüpfen.

Sie werden es schon ahnen: Es geht natürlich um die E-Fuels. Dabei handelt es sich um synthetische Kraftstoffe, die von gängigen Verbrennerautos getankt werden und erhebliche Klimavorteile bewirken können. An den E-Fuels jedenfalls scheiden sich die Geister. Die einen sehen darin die optimale Lösung, um die vielen Verbrennerautos auf Klimaschutz zu trimmen. Die anderen kritisieren die damit einhergehende Energieverschwendung und den Umstand, das E-Fuels das Verbrennerzeitalter unnötig in die Länge ziehen.

E-Fuels: Porsche startet Produktion in Chile

Der deutsche Autobauer Porsche hat sich derweil deutlich positioniert. Die Stuttgarter wollen neben Elektroautos auch auf E-Fuels setzen. Vor Weihnachten hat das Unternehmen zusammen mit Partnern in Chile den Startschuss für eine großangelegte Produktion des CO2-neutralen Kraftstoffs gegeben.

Konkret haben Porsche und Siemens Energy in Punta Arenas (Südchile) die Pilotanlage „Haru Oni“ offiziell eröffnet. In der Pilotphase ist eine Produktion von rund 130.000 Litern pro Jahr vorgesehen. Bis zur Mitte der 20er Jahre soll die Anlage jährlich dann 55 Millionen Liter hervorbringen und in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts gar 550 Millionen Liter. Die Anlage ist laut dem Konzern die erste zur industriellen Herstellung des klimaschonenden Treibstoffs.

Hergestellt wird der Kraftstoff über die Elektrolyse. Dabei wird Wasser mittels Öko-Strom (Windkraft) in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Anschließend wird Kohlendioxid (CO2) aus der Luft gefiltert und zusammen mit dem Wasserstoff zu E-Fuels transformiert.

Der Clou: Der Süden Chiles eignet sich wegen seiner konstanten Windverhältnisse hervorragend zur Herstellung des Öko-Stroms und damit auch für E-Fuels. Porsche jedenfalls will analog zum konventionellen Sprit den synthetischen Kraftstoff vom nahelegenden Hafen aus in andere Regionen der Welt transportieren.

E-Fuels sind prinzipiell ineffizient

Das Ganze hat natürlich auch einen Haken. Denn: Wie oben beschrieben ist der Herstellungsprozess der E-Fuels nur über viele Umwege möglich. Während Elektroautos direkt Öko-Strom tanken können, muss der Strom für den synthetischen Kraftstoff erst über eine Elektrolyse so umgewandelt werden, dass er in Verbrennerautos eingesetzt werden kann.

Und dabei geht jede Menge Energie verloren. Experten schätzen, dass mit E-Fuels betriebene Autos fünfmal mehr Öko-Strom brauchen als reine Elektrofahrzeuge.

Günstiger Öko-Strom kann helfen

Müssen deutsche Verbrenner-Fahrer künftig also Unsummen für einen Liter E-Fuel ausgeben?  Wahrscheinlich nicht. Der Grund: Zum Beispiel in Südchile lässt sich der Öko-Strom wegen der dort sehr guten natürlichen Bedingungen wesentlich günstiger produzieren als etwa in Deutschland.

Porsche erwartet deshalb, dass nach der endgültigen Hochskalierung der Anlage ab 2027 die Kosten zur Herstellung des synthetischen Kraftstoffs bei unter 2 Euro pro Liter liegen werden. Selbstredend würden hier noch der Transport und eine gewisse Gewinnmarge hinzukommen. Am Ende dürften die E-Fuels aus Chile an der deutschen Tankstelle aber nicht wesentlich teurer sein als heute gängige Autotreibstoffe.

Mein Fazit für Sie

Zweifelsohne: E-Fuels sind ein heikles Thema. Meiner Meinung nach überwiegen hier aber die Chancen die Risiken. Man sollte schlicht realistisch bleiben. Wahrscheinlich werden noch Anfang der 40er Jahre rund eine Milliarde Verbrennerautos weltweit auf den Straßen unterwegs sein. Die E-Fuels können diese Flotte an Klimasündern auf grün trimmen und damit einen erheblichen Beitrag zum Erreichen der Pariser Klimaziele leisten.

Gleichzeitig können die Kosten für E-Fuels perspektivisch massiv gedrückt werden, durch die Hochskalierung rund um den Globus und durch die Erzeugung von günstigem Öko-Strom. Dass hierfür große Mengen an Erneuerbaren Energien gebraucht werden, die dann vielleicht an anderer Stelle (Stromversorgung, Elektromobilität, Wasserstoffwirtschaft) fehlen, ist jedoch ein valides Gegenargument.

Natürlich sollen E-Fuels reine Elektroautos nicht verdrängen. Die Elektromobilität ist und bleibt der beste Hebel, um die Mobilität zu dekarbonisieren. Vielmehr dürften beide Technologien in den nächsten Jahrzehnten parallel existieren. Porsche jedenfalls will diese Zweigleisigkeit in seinem eigenen Produktportfolio umsetzen.

Am Ende entscheidet sich das Schicksal der Verbrenner aber in der Politik. Es bleibt abzuwarten, welche Staaten die E-Fuels bei ihrer Mobilitätsstrategie berücksichtigen und welche Regierungen hier die rote Karte zeigen.