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Boeing Aktie : Boeing Aktie: Ein Jahr 737 Max Desaster

Ein Jahr ist es nun her, dass eine Maschine des Typs 737 Max von Ethiopian Airlines abgestürzt ist. Alle 157 Menschen an Bord kamen damals ums Leben.

Flugzeugunglücke geschehen jedes Jahr, immer wieder fordern sie zahlreiche Todesopfer. Doch für den Flugzeughersteller Boeing war dies kein gewöhnlicher Absturz. Mit Flug 302 der Ethiopian Air stürzte der Airbus-Konkurrent in die tiefste Krise seiner Geschichte.

Es war bereits der zweite Absturz einer 737 Max innerhalb weniger Monate. Die Abläufe ähnelten sich, Flugunfallermittler vermuteten die Ursache beim Flugzeug selbst. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verhängte ein Flugverbot. Weltweit stehen die Maschinen nun am Boden. Seit fast einem Jahr.

Beispielloses Desaster

Für Boeing ist das ein beispielloses Desaster. Anfängliche Hoffnungen, die Starterlaubnis könnte zeitnah wieder erteilt werden, zerschlugen sich. Stattdessen schauten die Ermittler nun sehr genau hin und deckten erhebliche Mängel auf.

Ursächlich für die Abstürze war eine Software, die in die Steuerung eingriff, ohne dass die Piloten hierauf geschult worden wären. Ein Verkaufsargument für die 737 Max war, dass keine zusätzliche Ausbildung im Simulator erforderlich sei, um die Maschine zu steuern. Dadurch konnten Airlines Kosten einsparen, also griffen sie zu beim neuesten Modell der beliebten 737-Reihe.

Das Problem mit der Software versucht Boeing durch ein Update zu beheben. Zudem sollen Piloten nun doch zusätzlich geschult werden. Doch im Zuge der Untersuchungen kam darüber hinaus noch mehr ans Tageslicht. So wurden in produzierten, noch nicht ausgelieferten Maschinen Werkzeuge oder Putzlappen in den Tanks gefunden – was unter Umständen ein nicht zu unterschätzendes Risiko im Flugbetrieb bedeuten kann.

Immenser Imageschaden

Kritik wurde laut am Spardruck in der Luftfahrtbranche allgemein sowie bei Boeing speziell. Der Grundsatz, dass Sicherheit oberste Priorität hat, schien zugunsten des Profitstrebens vernachlässigt worden zu sein.

Der Imageschaden für Boeing ist immens, der Vertrauensverlust in die Maschinen nicht zu unterschätzen. Etliche Airlines stornierten ihre Bestellungen. Boeing stellte die Produktion der 737 Max Anfang des Jahres vorläufig ein – die Stellflächen werden langsam knapp, rund 400 fertig produzierte Maschinen, die wegen des nach wie vor geltenden Flugverbots nicht ausgeliefert werden können, stehen seit Monaten ungenutzt auf Firmengelände herum.

Auch für die Airlines bedeutet das Flugverbot einen empfindlichen finanziellen Schaden: Jedes Flugzeug am Boden verursacht Kosten und bringt keinen Gewinn. Bei Boeing gibt man sich mittlerweile zuverlässig, dass der Betrieb im Laufe des Jahres wieder aufgenommen werden kann, voraussichtlich allerdings erst in den Sommermonaten.

Boeing Aktie nahezu halbiert

Die wirtschaftlichen Einbußen für Boeing sind nicht zu unterschätzen. Innerhalb des einen Jahres, das der Konzern nun schon mit den Auswirkungen zu kämpfen hat, ist der Kurs der Boeing Aktie um mehr als 40 Prozentpunkte abgesackt – wenngleich ein nicht unerheblicher Teil dieses Verlusts auf die coronabedingten Panikverkäufe der vergangenen Tage und Wochen zurückzuführen ist, die die Aktienmärkte weltweit insgesamt erfasst haben.

Doch auch hier ist die Luftfahrtbranche besonders betroffen: Da die weltweiten Flugverbindungen nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, das Virus in rasantem Tempo rund um den Globus zu verteilen, und weil immer mehr betroffene Regionen zu vorübergehenden Sperrzonen erklärt werden, streichen etliche Airlines ihre Flugpläne zusammen.

Insgesamt rechnet die Branche inzwischen mit einem Verlust von mehr als 100 Milliarden Dollar wegen der Ausfälle durch die Epidemie. Für die Auftragsbücher von Boeing sind das keine guten Vorzeichen – selbst wenn die 737 Max demnächst wieder abheben sollte.

Aktienchart

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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