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Wirtschaftsstandort Deutschland: Wohlstand in Gefahr?

Inhaltsverzeichnis

Pünktlich zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums im Schweizerischen Davos stellen zahlreiche Forschungsinstitute neue Studien und Berechnungen vor, wie es um die wirtschaftliche Lage der Welt und einzelner Länder bestellt ist. Auffällig in diesem Jahr: Deutschland schneidet ziemlich schlecht ab.

Deutschland auf den hinteren Rängen

Zu diesem Ergebnis kommt beispielsweise eine aktuelle Erhebung des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW aus Mannheim. In einem Ranking der attraktivsten Wirtschaftsstandorte ist Deutschland auf Platz 18 von 21 zu finden – und hat sich damit gegenüber dem vorherigen Bericht noch einmal um 4 Plätze verschlechtert. Schlechter stehen im aktuellen Ranking nur noch Ungarn, Spanien und Italien da.

Die Studie im Auftrag der Münchener Stiftung Familienunternehmen bewertet seit 2006 alle zwei Jahre die Wettbewerbsfähigkeit anhand verschiedener Standortfaktoren. In fast allen Feldern landet Deutschland auf den hinteren Rängen.

Bürokratie und Steuerlast schrecken Unternehmen ab

So bemängeln die Studienautoren den hohen bürokratischen Aufwand und umständlichen regulatorischen Vorgaben in Deutschland, aber auch die überdurchschnittlich hohe Steuerlast. Während diese Probleme altbekannt sind, kamen zuletzt Fachkräftemangel, steigende Personalkosten und hohe Energiepreise als abschreckende Faktoren hinzu.

Großen Reformbedarf identifiziert die ZEW-Studie im Bildungswesen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und qualifizierte Arbeitskräfte für die Zukunft auszubilden. Aber auch eine grundlegende Steuerreform sowie ein umfassender wie auch nachhaltiger Abbau bürokratischer Hürden wird als essenziell erachtet, um Deutschland als Wirtschaftsstandort wieder attraktiver zu machen.

Massive Investitionen in Infrastruktur längst überfällig

Hinzu kommen Probleme in der Infrastruktur. Vor allem die Mobilfunk- und Internetabdeckung lässt massiv zu wünschen übrig, gerade auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Ist anderswo flächendeckendes kostenfreies WLAN längst Standard, hat man in ländlichen Regionen Deutschlands bis heute Mühe, sich in einen einigermaßen stabil funktionierenden Internetanschluss einzuwählen.

Riesige Mobilfunklöcher entlang von Bahnstrecken jenseits der Metropolregionen sind ebenso ein Ärgernis wie die allgemein eher langsame Internetverbindungsqualität, die allzu oft in Deutschland noch vorherrscht. Viel zu lange wurden Investitionen in die Infrastruktur auf die lange Bank geschoben. Die aktuelle Bundesregierung lässt diesbezüglich bislang ebenfalls wenig Tatendrang erkennen und steckt die Milliarden lieber in Rüstungsvorhaben als in Bildungspolitik oder Glasfaserausbau.

Konkurrenz aus China wird stärker

Abgesehen von den hausgemachten Problemen leidet die deutsche Wettbewerbsfähigkeit aber auch unter zunehmender Konkurrenz. In vielen anderen Ländern Europas geht es mit den Reformen zügiger voran. Vor allem aber ist China ein ernstzunehmender Wettbewerber: Die aufstrebende Wirtschaftsmacht kauft sich seit Jahren strategisch in europäische Unternehmen ein, selbst Infrastrukturpunkte wie europäische Frachthäfen sind teilweise in chinesischer Hand.

Bereits seit mehreren Monaten wird beispielsweise darüber gestritten und verhandelt, ob der chinesische Staatskonzern Cosco bei einem Terminal des Hamburger Hafens einsteigen darf oder nicht.

Konkurrenz schläft nicht – Deutschland muss aufwachen

Zugleich stützt die Zentralregierung in Peking chinesische Unternehmen mit massiven Subventionen und Vergünstigungen, die ausländischen Firmen im Reich der Mitte nicht zuteilwerden. So warnte zuletzt das Prognos-Institut, China verschaffe sich Wettbewerbsvorteile, die gerade deutschen Industriekonzernen zunehmend das Leben schwer machen.

Kurzum: Die Konkurrenz schläft nicht – Deutschland bislang schon. Der Reformstau, der sich in den 16 Jahren Kanzlerschaft Angela Merkels innenpolitisch aufgestaut hat, muss dringend abgearbeitet werden.

Gegen Chinas Subventionen wird man in Deutschland nicht ankommen. Die hausgemachten Probleme aber, von Steuerlast bis Fachkräftemangel, könnten ebenso zügig wie effektiv und nachhaltig angegangen werden. Es wäre an der Zeit.