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Uniper ­– Riesenverluste wegen Gaskrise

Inhaltsverzeichnis

Uniper, einer der Auslöser für die von der Bundesregierung beschlossenen Gasumlage, ist im ersten Halbjahr 2022 wie erwartet extrem tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Aktienkurs von Deutschlands größtem Gasimporteur bricht deutlich ein.

Viel weniger Gas aus Russland – verheerende Auswirkungen

Auf mehr als 12 Milliarden Euro beläuft sich der Konzern-Fehlbetrag von Uniper nach den internationalen Rechnungsvorschriften IFRS. Rund 6,5 Milliarden Euro entfallen davon auf die erwarteten künftige Gas-Lieferunterbrechungen aus Russland. Weitere 2,7 Milliarden Euro steuern die Wertminderungen aus dem Darlehen für die Pipeline Nord-Stream-2 sowie für die russische Stromerzeugung bei.

Hinzu kommen Fair-Value Derivatebewertungen und andere Vorsorgemaßnahmen. Uniper erhält, vor allem wegen der Drosselung des Durchflusses durch Nord-Stream-1, nur noch 40 % der vertraglich zugesicherten Gasmengen aus Russland und muss den Rest im Spot-Handel am freien Markt zukaufen – zu enorm gestiegenen Preisen.

Bereinigtes Ergebnis

Wenn man das Geschäftsergebnis um diese außergewöhnlichen Belastungen bereinigt, kommt Uniper auf einen Konzern-Halbjahresverlust von 359 Euro und einen operativen Verlust (EBIT) von 564 Millionen Euro. In den ersten sechs Monaten 2021 hatte das MDAX-Unternehmen noch einen bereinigten Konzernüberschuss von 485 Millionen Euro ausgewiesen. Die Nettoverschuldung machte im ersten Halbjahr einen großen Sprung von 324 Millionen Euro auf 2,057 Milliarden Euro.

Rettungsmaßnahmen des Bundes in Milliardenhöhe

Mit diesen Zahlen und den Aussichten auf eine anhaltende Gas-Krise ist Uniper im Juni in eine extreme Schieflage geraten. Die Bundesregierung und der finnische Uniper-Großaktionär Fortum haben sich deshalb im Juli auf ein Stabilisierungspaket geeinigt, um die Verluste zu reduzieren.

Dazu zählen eine 30 %-Beteiligung und ein Pflichtwandelinstrument des Bundes in Höhe von 7,7 Milliarden Euro. Allerdings müssen diese Rettungsmaßnahmen erst noch auf einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt werden. Uniper geht von einer Durchführung des Aktionärstreffens im Herbst aus.

Entlastung bekommt der Konzern zudem durch die Feststellung einer „Gasmangellage“ durch die Regierung. Dadurch können Gasimporteure ab Oktober ihre hohen Einstandskosten an ihre Kunden – vorwiegend Stadtwerke – weitergeben. Einen Teil der Mehraufwendungen müssen alle Gasverbraucher durch die Gasumlage von zunächst 2,4 Cent je Kilowattstunde finanzieren. 

Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2022 kann Uniper nach Ansicht des Managements aufgrund der hohen Volatilitäten „nicht in einer adäquaten Bandbreite“ geben. Wenig überraschend erwartet das Unternehmen ein negatives Ergebnis und rechnet frühestens 2024 mit einer Rückkehr in die Gewinnzone.

Uniper-Aktie hat seit Jahresbeginn über 80 % verloren

Die arg gebeutelten Uniper-Aktionäre mussten nach den Zahlen einen neuen Tiefschlag hinnehmen. Der Aktienkurs rutschte im frühen Handel um rund 9 % auf Kurse um 7 Euro ab. Das ist nur noch ein Sechstel des Höchstkurse von Ende 2021 von gut 42 Euro – aber immerhin mehr als 20 % über den 5,71 Euro von Ende Juli.